Razzia

Illustrierte Filmbühne Nr. 231 (E. S.) – Nach „Die Mörder sind unter uns”, „Freies Land”, „Irgendwo in Berlin” und „Kein Platz für Liebe” produziert die DEFA in Berlin mit Razzia ihren fünften Spielfilm und zugleich den ersten Krimi. Er wird in den Straßen der zerstörten Stadt an Originalschauplätzen gedreht, darunter auch am Brandenburger Tor, Reichstag, und der Siegessäule; es geht um  kriminelle Schwarzmarkt- und Schiebergeschäfte. Das realistische Nachkriegsgemälde wird finanziell zu einem der erfolgreichsten DEFA-Filme.

RazziaDie deutsche Uraufführung des Films ist am 2. Mai 1947 in der Deutschen Staatsoper in Berlin, später wird der Streifen auch in den Westzonen und in Frankfurt gezeigt, wo ihn der Autor zu sehen bekommt. Razzia gehört zu jenen typischen Nachkriegsfilmen, die sich einerseits durchaus auf realistische Gegebenheiten beziehen, und dazu auch die Kulissen einer zerstörten, geschundenen Weltstadt benutzen, sich aber gleichwohl auch ein wenig darin gefallen, mit erhobenen Zeigefinger zu agieren. Immerhin ist dieser Nachkriegskrimi überaus spannend erzählt, lässt die Emotionen hochkochen und ist in vielerlei Hinsicht sehr aufschlussreich. Er berichtet in eindrucksvollen Bildern von der wirren Nachkriegszeit in der politisch und auch militärisch aufgeteilten Stadt der Siegermächte, in der sich zwischen Armut und ersten Amüsierbetrieben, zwischen neuem Reichtum und armseligen Behausungen die Spekulanten und Kriminellen tummeln.

Die Versorgung der Bevölkerung ist schwierig, das macht spült den Schiebern Geld in die Kassen. Mehl und Fett sind äusserst knapp.In Bayern wird das Bierbrauen untersagt, damit genügend Getreide zum Brotbacken vorhanden ist. Um den Fettbedarf zu decken, sammeln die Menschen Bucheckern. Kein Wunder, dass überall der Schwarzmarkt blüht.

Bei den Händlern werden  für ein Kilo Rindfleisch bis zu 60 Reichsmarkt erzielt,  ein Kilo Fett bringt manchmal sogar 400 Mark. Sogar Lebensmittelkarten werden gehandelt, wobei die Preise zwischen 160 und 220 Mark schwanken. Ein Arbeiter verdient 1947 jedoch nur durchschnittlich 140 Mark im Monat.

Es ist verständlich, dass in erster Linie dieser Schwarzmarkt der Polizei zu schaffen macht. So auch im Film, in dem Kriminalkommissar Naumann nach einer Großrazzia und weiteren Ermittlungen in der Tanzbar „Alibaba“ seine Arbeit mit dem Leben bezahlen muss, ehe seine Nachfolger die Übeltäter zur Strecke bringen.

Daten zum Film 

Razzia (Illustrierte Filmbühne Nr. 231) ist ein Film des DEFA-Studio für Spielfilme aus dem Jahr 1947. Die Regie übernimmt Werner Klingler, es spielen Paul Bildt (Kriminalkommisar Friedrich Naumann), Elly Burgmer (seine Frau), Agathe Poschmann (seine Tochter), Claus Holm (Kriminalassistent Karl Lorenz), Heinz Welzel (Kriminalassistent Becker), Hans Leibelt (Kriminalrat Lembke). Die deutsche Erstaufführung erfolgt am 2. Mai 1947 in der Deutschen Staatsoper in Berlin. Frankfurter Erstaufführung erst am 29. September 1950 im Luxor.