Robin Hood – König der Vagabunden

IFB Nr. 609 (© E. S.) Nach dem Zweiten Weltkrieg, der vor elf Jahren ausgelöst worden ist, und den Zerstörungen in den Großstädten, gibt es am 1. September 1950 in Frankfurt und den Vororten schon wieder rund 50 Kinos. Eines davon ist der prächtige Filmpalast, in dem am 25. August der bereits zwölf Jahre alte Film Robin Hood, König der Vagabunden gestartet wird.

RobinHood„Robin Hood” der König der Vagabunden“, das ist „ein Film in einer Farbenpracht wie nie zuvor”, wie der Werbebotschaft in der Tagespresse in Frankfurt zu entnehmen ist. Doch nicht nur in den Kinos geht es immer bunter zu, auch das tägliche Leben pulsiert schon kraftvoller als zuvor zwischen den immer noch herumliegenden Trümmern in der Stadt. In den kleinen, intimen Lauben des Weinlokals „Grinzing“ in der Weserstraße sorgen „schöne Frauen für den richtigen Anschluss im Haus der Tischtelefone”. Und tatsächlich ist das Angebot an Unterhaltung zu dieser Zeit bereits recht variantenreich.

Ein Blick in den Anzeigenteil der  Zeitung „Frankfurter Rundschau” vom Freitag, 1. September, verrät jedenfalls eindeutig, dass im „Lorsbacher Tal” in Sachsenhausen an diesem Abend neben dem üblichen und obligatorischen Äppelwoi außerdem „frische Metzelsuppe” feilgeboten wird. Die Städte Rüdesheim und Mainz laden gleichzeitig zu ihren Weinfesten (Eintritt mit Glas 0,80 DM, ohne Glas 0,60 DM) und versprechen, rundum für das leibliche Wohl der Besucher zu sorgen.

Gleichwohl zieht es uns – meine Feunde und mich – in den Filmpalast. Der spannende Abenteuerfilm um Robin Hood mit den Hauptdarstellern Errol Flynn und Olivia de Havilland verspricht schließlich beste Unterhaltung.

Die Geschichte auf der großen Leinwand ist aber auch zu interessant: Während Englands König Richard Löwen­herz bei den Kreuzzügen im Heiligen Land weilt, reißt sein Bruder John die Macht an sich. Robin Hood – eigentlich selbst ein Landadliger – bietet gewissermaßen „under cover” und in den Wäldern von Sherwood nicht nur dem Bösewicht erfolgreich die Stirn, sondern erobert ganz nebenbei auch das Herz von Lady Marian. Wer hätte das (nicht) gedacht?

Es ist im Film jedenfalls das übliche Intriganten-Spiel um Einfluss und Machtpolitik: so wie im wirklichen Leben! Wenn die Ballade wohl auch erfunden ist – die Existenz von Robin Hood und sein Feldzug für soziale Gerechtigkeit, die ihm zugeschrieben werden, sind historisch nicht belegt – , sind meine Freunde und ich natürlich recht angetan, entspricht der Streifen doch unserer allgemeinen Stimmungslage in dieser Zeit. Vor allem, weil es am Ende gut ausgeht für die Unterdrückten.

Daten zum Film

Robin Hood, König der Vagabunden (Illustrierte Filmbühne Nr. 609) ist ein Abenteuerfilm von Warner Bros. aus dem Jahr 1938 mit dem Originaltitel The Adventures of Robin Hood. Die Regie führen William Keighley und Michael Curtiz. Als Hauptdarsteller fungieren Errol Flynn (als Robin Hood), Olivia de Havilland (als Lady Marian), weitere wichtige Mitwirkende sind Claude Rains, Basil Rathbone, Patrick Knowles, Alan Hale, Ian Hunter und Una O’Connor. Die deutschen Stimmen der Hauptdarsteller kommen von Hans Nielsen (Errol Flynn) und Ilse Werner (Olivia de Havilland).

Die Erstaufführungen sind am 14. Mai 1938 (USA), am 25. August 1950 (Bundesrepublik Deutschland) im Filmpalast in Frankfurt, dort gesehen vom Autor am 1. September 1950.