Mädchen mit Beziehungen

Illustrierte Filmbühne Nummer. 893 (E. S.) – Zur Frankfurter Premiere dieses Lustspielchens an Weihnachten 1950 trommelt der Allianz-Filmverleih in den Zeitungsannoncen wieder einmal mit markigen Worten. Angeboten wird dabei „ein Spiel von sprühender Lebenslust und unbesiegbarem Optimismus“ sowie „Irrungen und Wirrungen um Liebe und Geschäft.“ Gut gebrüllt! Aber falsch.

Mädchen mit BeziehungenDenn das angebotene „Filmchen“ ist ein nichtiges und einfallsloses Produkt, dem auch das bewährte Drehbuchschreiber-Duo Just Scheu und Ernst Nebhut kein tieferes Leben einzuhauchen vermag. Die Geschichte eines arbeitslosen Ingenieurs, der sich von seiner Braut nicht protegieren lassen möchte, und der seinen zukünftigen Chef eher zufällig und aus harmlosen Anlass – natürlich ohne ihn zu kennen – beleidigt, ist dann doch (auch schon in der literarischen Vorlage von László Vadnay) viel zu dürftig, um wirklich zu gefallen. Diese simple Idee wird dann ausgequetscht bis zum Geht-nicht-mehr, wobei immerhin die flotte Musik von Michael Jary (“Es wär‘ alles nicht so schwer, wenn es etwas leichter wär‘“) wenigstens für ein bisschen Wohlbefinden sorgt.

Unter diesen Umständen ist dem Film auch nur eine kurze Laufzeit im Luxor beschert. Selbst die immer wohlwollende Filmkritikerin Renate Bang von der „Frankfurter Rundschau“ sieht in diesem Lustspiel wenig Positives. Zwar attestiert sie, dass alle Darsteller wieder einmal ihre tausendmal bewährten Typenrollen spielen dürften, mag dem „Humor“ allerdings wenig abzugewinnen.

Am 21. Dezember kommt sie in der Zeitung zu dem Schluss: „Akos von Ratony serviert die zahlreichen Gags mit dem Holzhammer der Routine, dass es nur so kracht.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Frage ist, warum es dem Autor wichtig erscheint, trotzdem auf diesen Film einzugehen, der erst durch das Auffinden der „Illustrierten Filmbühne Nr. 893“ wieder ins Gedächtnis gekommen ist.

Die Antwort ergibt sich aus den Geschehnissen der Nachkriegszeit, in der eben nicht nur die Bemühungen sichtbar geworden sind, die Ereignisse zwischen 1933 und 1945 filmisch aufzuarbeiten, sondern sich zugleich mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage für die Bevölkerung auch das Niveau des Filmangebots drastisch senkte. Das aber ist ein eigenes Thema, das den Historikern vorbehalten bleiben mag.

Der Zusammenhang wird aber auch für den Laien deutlich. Im Jahr 1950 hat sich die Ernährungslage in der Bundesrepublik Deutschland so weit normalisiert, dass die Lebensmittelmarken nach über zehn Jahren abgeschafft werden können. Die Hungerjahre nach dem Zweiten Weltkrieg sind also vorbei, obwohl noch nicht alle Lebensmittel in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen. Offensichtlich verführt das zu Heißhunger vieler Art und in der Unterhaltungsbranche zu der Ansicht, die Finger  lvon ernsten Themen wegzulassen – auch wenn einige Ausnahmen diese Regel bestätigen.

Daten zum Film

Mädchen mit Beziehungen (Illustrierte Filmbühne Nr. 893) ist ein Lustspiel aus Deutschland, beruhend auf einer literarischen Vorlage von László Vadnay; als Drehbuchautoren arbeiten Just Scheu und Ernst Nebhut. Hergestellt von der Real-Film im Jahr 1950. Unter der Regie von Akos von Ratony spielen in dem 93 Minuten langen Streifen die Darsteller Rudolf Prack (als Peter Hauff), Bruni Löbel (als seine Verlobte Magda), Willy Fritsch (als Chef Dr. Kobel), Rudolf Platte (als Oskar), Ursula Herking (als seine Frau Ulla), Roma Bahn (als Sekretärin Frl. Kirchner). Weitere Mitwirkende sind Paul Kemp, Bruno Fritz, Ernst Waldow. Die Kamera führt Willy Winterstein, die Musik stammt von Michael Jary. – Erstaufführung am 15. September 1950, Frankfurter Premiere am 20. Dezember im Luxor am Hauptbahnhof.