Der freche Kavalier

Illustrierte Filmbühne Nr. 154  (E. S.) – Während sich Max Schmeling, Conny Rux, Richard Grupe, Walter Neusel, Richard Vogt, Hein ten Hoff und andere im Deutschland durch die Nachkriegszeit boxen, macht Errol Flynn in dem großartigen autobiographischen Boxer-Film Der freche Kavalier (Gentlemen Jim), der Anfang 1947 in die Kinos kommt, mit unwiderstehlichem Charme Furore und straft dabei die Mär von den ungehobelten Faustkämpfern Lüge.

Der freche KavalierMax Schmeling feiert nach Kriegspause und im reifen Alter von immerhin 42 Jahren ein Comeback im Frankfurter Waldstadion. Er muss nach jetzt achtjähriger Boxpause nur noch deshalb in den Ring klettern, weil er finanziell ziemlich klamm ist. Und obwohl „Maxe” – er hat 17 Jahre zuvor gegen Jack Sharkey den WM-Titel gewonnen–, nicht in allen Belangen überzeugen kann, knockt er in diesem wichtigen, ersten „Aufbaukampf” den Magdeburger Richard Vollmer in der 7. Runde aus. Fast 40 000 Zuschauer sind bei diesem Fight dabei, was umso beachtlicher ist, als zu dieser Zeit an Sonntagen keine Straßenbahnen unterwegs sind und die Taxifahrer bei ihrer Preisgestaltung nicht zimperlich sind.

Verlangt werden – so berichtet damals jedenfalls das Magazin „Der Spiegel” – für eine Fahrt vom Hauptbahnhof in den Stadtwald glatte 200 Reichsmark. Wer sich das nicht leisten kann, kommt zu Fuß oder Fahrrädern. Das ist die harte Realität und das wirkliche Leben hierzulande. Der Film dagegen erzählt nett und phantasievoll die Geschichte vom James J. Corbett, der als junger Bankmensch von einer glanzvollen Laufbahn als Karriere als Boxer träumt, und tatsächlich Weltmeister im Schwergewicht wird, als er 1892 dem bis dahin einzigen und bereits seit zehn Jahre amtierenden Champion James L. Sullivan schlägt.

Corbett hatte zu seiner Zeit in düsteren Hallen und auf im Hafen liegenden Schiffen kämpfen müssen, da der Faustkampf nicht gesellschaftsfähig und in den „besseren Kreisen” mehr als verpönt ist und oft auch durch Polizeieinsätze unterbunden wird. Da hat es Max Schmeling im Waldstadion – es heißt zu dieser Zeit noch Victory Park, weil es von den amerikanischen Militärbehörden beschlagnahmt ist – schon wesentlich besser. Er steht in einem ordentlichen Ringgeviert.

Die Story von Corbett ist eine der üblichen Aufsteiger-Geschichten. Er gelangt als Bankangestellter mit Hilfe der Millionärstochter Victoria Ware in den exklusiven Olympic Club. Dort erregt er durch seine Aufschneiderei erst einmal Missfallen, gleichwohl beginnt Corbett einen kometenhaften Aufstieg als „Gentleman Jim“. Schließlich fordert er sein früheres Idol, den ersten amtierenden Weltmeister, John L. Sullivan, heraus. Der Fight wird ein harter, unerbittlicher Kampf. Doch Corbett gewinnt und bleibt für die nächsten fünf Jahre Champion und erringt auch das Herz der zunächst ablehnenden Victoria. Der Australier Errol Flynn aber stellt Corbett, den ersten „modernen“ Boxchampion, mit sehr viel Charme und Chuzpe dar; es war seine Lieblingsrolle.

Daten zum Film

Der freche Kavalier –  Gentlemen Jim (Illustrierte Filmbühne Nr. 154 – zuvor Nr. 62 des zweiten Jahrgangs), auch bekannt unter dem zusammengefassten Titel: Gentleman Jim, der freche Kavalier ist eine  Sportler-Biographie von Warner Bros. aus dem Jahr 1942. Regie führt Raoul Walsh, als Darsteller treten Errol Flynn (als Herausforderer James J. Corbett), Alexis Smith (als Millionärstochter Victoria Ware) und Ward Bond (als Weltmeister John L. Sullivan) auf. Weitere Mitwirkende sind Jack Carson und Alan Hale. Deutsche Stimmgeber sind Axel Monjé (Errol Flynn) und Carola Höhn (Alexis Smith). – Erstaufführungen am 14. November 1942 USA-weit, Festpremiere am 25. November in New York City. In Frankfurt am 16. Januar 1947 zu sehen.