Duell in den Bergen

Illustrierte Filmbühne Nr. 928 (E. S.) – Als ich kurz vor Weihnachten 1951 in den Astra-Lichtspielen im Frankfurter Gallusviertel den Film Duell in den Bergen (mit Luis Trenker und Marianne Hold) sehe, erlebte ich ein Bergdrama rund um das imaginäre Dolomiten-Dorf Valleverde. Zwei Zollbeamte werden dabei von Schmugglern erschossen. Ein krimineller Bergsteiger, der mit den üblen Gesellen zu tun hat, wird „umgedreht” und soll nun helfen, die bösen Buben zu schnappen – und deshalb kommt es hoch oben in den Dolomiten zum entscheidenden, letzten Kampf…

Duell in den BergenDer Namen Luis Trenker sagt mir nichts, als ich den Film sehe, der auch unter dem Titel Schmugglerkönig der Dolomiten erschienen ist. Erst später erfahre ich einiges über seine Rolle in den Jahren von 1933 bis 1945, in denen der gelernte Architekt, Bergsteiger, Bücherschreiber und Filmemacher sich bei den Nazis angebiedert hat, was wohl vor allem daran liegt, dass Trenkers Sicht der Bergwelt, seine Auffassung von Kameradschaft oder sein „Gemeinschaftssinn“ weitgehend mit dem Gedankengut der Nazis korrespondiert. Viele Kritiker sehen in ihm allerdings nicht nur einen opportunistischen „Mitläufer“, sondern einen Nutznießer des Regimes, obwohl er zeitweise bei den Mächtigen des Dritten Reiches in Ungnade gefallen ist. Doch über seine politische Vergangenheit ist anderswo genaueres zu erfahren… Luis Trenker kann jedenfalls nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland nicht sofort wieder Fuss fassen – im Gegensatz zu vielen anderen Filmschaffenden, die nahtlos aus der Ufa-Zeit in den deutschen Nachkriegsfilm herüber geschwappt sind.

Trenker dreht also zunächst einmal in Italien. Zunächst beendet er den bereits während des Krieges begonnenen Film „Im Banne des Monte Miracolo“, dann dreht er Duell in den Bergen. Er arbeitet auch am Drehbuch mit, ein Jahr später wird er wesentliche Elemente des Films in einem Roman gleichen Titels verarbeiten.

Trenker spielt Trenker

Die Figur des Bergsteigers Stefan Hasssler bleibt im Film eher holzschnittartig. Trenker, der kein gelernter Schauspieler ist, sondern ein „schauspielernder“ Bergfex, bleibt immer und in jeder Minute Trenker selbst. Das Ganze wirkt deshalb wohl auf mich dürftig, die Dialoge erscheinen mir oft als zu hölzern, als notwendiges Beiwerk zu den Bildern der mächtigen Dolomiten, die beeindruckend wirken. Ein kleiner Lichtblick ist auch die 21-jährige Marianne Hold, die hier in ihren ersten Film mitspielt. Zwar wirkt sie noch unfertig, ist aber hübsch anzusehen. Ansonsten ist der Film bei mir schnell in Vergessenheit geraten. Erst das Filmprogramm der „Illustrierten Filmbühne“ bringt diese Erinnerungen zurück.

Daten zum Film

Duell in den Bergen (Illustrierte Filmbühne Nr. 928) mit dem italienischen Originaltitel Barriera a Settentrione und auch vertrieben als Schmugglerkönig der Dolomiten ist ein Bergfilm mit kriminalistischem Hintergrund aus Italien (1950.) Hergestellt von der Firma  Gallo und in Deutschland verliehen von der „Deutschen Commerz-Film“. Die Länge beträgt 95 Minuten. Unter der Regie von Luis Trenker, der zusammen mit Enrico Santamaria auch am Drehbuch mitschreibt, spielen Luis Trenker (als Bergsteiger Stefan Hassler), Saro Urzi (als sein Bruder Marco Hassler), Marianne Hold (als ihre Nichte Sandra), Amedeo Nazzari (als Carabinieri-Major Mauro), Margarete Genske (als Margaret), Gabriele Ferzetti (als Grenzpolizist Berti).

Deutsche Synchronsprecher sind Til Kiwe (Gabriele Ferzetti), Wolfgang Eichberger (Amedo Nazzari), Marianne Hold (Marianne Hold), Luis Trenker (Luis Trenker). Die Aufnahmen machen Ernst Elsigan und Domenico Scala, die Musik komponiert Carlo Rustichelli. –  Die  Erstaufführung ist am 5. Oktober 1950 in Stuttgart, danach in Frankfurt in den Kinos, vom Autor am 22. Dezember in den Astra-Lichtspielen gesehen.