Schön muss man sein

Das Neue Filmprogramm (E. S.) Die Lustspiel-Welle schwappt Anfang der 50er Jahre immer mehr in die deutsche Kino-Landschaft. Neben rührseligen Heimatschnulzen haben auch so genannte Komödien, die doch nur kleine Klamotten sind, Hochkonjunktur. Einer dieser Filme heisst Schön muss man sein und stammt aus den Hamburger Realfilm-Studios. Frankfurter Erstaufführung ist am 2. August 1951 im Bieberbau.

Schön-muss-man-seinIrgendwie entsprechen diese Filme dem herrschenden Zeitgeist. Sechs Jahre nach Kriegsende sind höchst melodramatische und dazu schnulzenhafte oder seicht unterhaltende Streifen aus Deutschland alltäglich geworden. Sie entsprechen der Stimmungslage der Menschen, die die Schrecken der Vergangenheit hinter sich lassen möchten. Das drückt sich auch in den optimistischen, modischen Gepflogenheiten aus. Die Farben rot und weiß dominieren im Sommer auf den Straßen, obwohl die textile Versorgungslage auf dem Bekleidungssektor bei weitem noch nicht perfekt ist. Es gibt in der noch jungen Bundesrepublik allerdings schon wieder Stoffe in allen Preislagen, außerdem unterstreichen modische Accesoires jeder Art den damenhaften Chic. Weil die Konfektion gleichwohl noch etwas unterentwickelt ist, haben Schnittmusterhefte – zum Beispiel die „Sogra-Schnitte“, das „GeJo Modenblatt“ oder „Der neue Schnitt“ – Hochkonjunktur. Diese Zeitschriften werden zu begehrten Arbeitsjournalen in den Wohnungen. Auch Schneiderinnen, die in’s Haus kommen, sind selbstverständlich, viele Frauen nähen sich ihre Kleider aber auch selbst, wobei sie sich auch Anregungen aus locker-leichteren Filmen holen.

Schön muss man sein ist so ein Streifen. Regisseur Ákos von Ráthony agiert dabei mit bewährtem Unterhaltungsrezept. Theaterdirektor Zwickel (Rudolf Platte) bangt um die Premiere einer neuen Operette. Es steht nur noch ein Tag zur Verfügung, um aus unfertigen Fragmenten der Komponisten Jupp Holunder (Willy Fritsch) und seinem Junior (Hardy Krüger) ein komplettes Bühnenstück zu zimmern, zumal das gesamte Finale fehlt. Während Zwickel sich hektisch bemüht, den beiden Komponisten Beine zu machen, wird hinter den Kulissen kräftig zwischen dem Star Rose de Lila (Anny Ondra) und der Choristin Maria Schippe  (Sonja Ziemann) ein „Zickenkrieg“ ausgefochten. Der beleidigte Star weigert sich am Tag der Erstaufführung aufzutreten, was für Maria die Chance für eine blendende Karriere eröffnet…

Altbewährtes Muster

Das alles hat es schon hundertfach gegeben in Filmen ähnlicher Machart, vor allem der Verwechselungsklamauk ist nicht neu. Selbstverständlich muss der Star dabei durch eine unbekannte Choristin ersetzt werden (wer hätte das nicht geahnt?), wobei Sonja Ziemann mit koketter Niedlichkeit auffällt. In dem allgemeinen Wirbel freut sich der Zuschauer auch an Rudolf Plattes nervöser Geschwätzigkeit, an Hardy Krügers jungenhafter Nonchalance. Marina Ried. Bruno Fritz und Hans Richter runden das Bild des Filmes ab, in dem die Musik von Michael Jary, der Auftritt der Hiller-Girls und das Musizieren des Hohner-Orchesters weitere Unterhaltungspunkte sind.

Daten zum Film

Schön muss man sein (Das Neue Filmprogramm – keine Ausgabe der Illustrierten Filmbühne) ist ein Real-Film der Walter Koppel GmbH aus Hamburg (ausführender Produzent: Gyula Trebisch) aus dem Jahr 1951. In dem 91 Minuten langen Film spielen unter der Leitung von Regisseur Àkos von Ráthony unter anderen Sonja Ziemann (als Chorgirl Maria Schippel), Willy Fritsch (als Komponist Jupp Holunder), Anny Ondra (als Operettenstar Rose de Lila), Rudolf Platte (als Theaterdirektor Enrico Zwickel), Hardy Krüger (als Jupp Holunder jr.). In weiteren Rollen sind Hans Richter, Ursula Herking, Marina Ried, Joseph Offenbach und Wolfgang Neuss zu sehen. Der Filmkomponist Michael Jary tritt als Bandleader auf, es tanzen außerdem die Hiller-Girls und es spielt das Original Hohner-Orchester. Das Drehbuch stammt von Gustav Kampendonk und Kurt Schwabach, an der Kamera steht Willy Winterstein. – Erstaufführung am 1. Februar 1951, Frankfurter Premiere am 2. August 1951 im Bieberbau.