Achtung: Grün

Illustrierte Filmbühne Nr. 179  (E. S.) – Im Sachsenhäuser Wall-Kino von Herrn Kilian läuft Ende August 1948 der englische Kriegskrimi Achtung: Grün. Der Film ist Anfang des Jahres in der britischen Besatzungszone als deutsche Erstaufführung gezeigt worden. Das mysteriöse Geschehen spielt sich im Mediziner-Milieu ab.

Achtung GrünInteressanter als der Film ist eine neue Bestandsaufnahme der Kino-Situation in Frankfurt. Bei einem Blick in die diversen Kinoanzeigen der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” – etwa drei Jahre nach dem Kriegsende und zwei Monate nach der Währungsreform – wird Schwarz auf Weiß dokumentiert, dass zu dieser Zeit bereits schon wieder 24 Kinos Vorstellungen geben, die meisten davon freilich in den Vororten oder den Stadtteilen. Im stark zerstörten Zentrum der Stadt arbeiten bisher nur das ganz neue Luxor am Hauptbahnhof, die Scala am Rande zum Nordend sowie der Bieberbau direkt an der Hauptwache. Am Eden wird derweil letzte Handwerker-Hand vor der Eröffnung angelegt. Es fällt auf, dass dem Publikum überwiegend deutsche Filme angeboten werden, die meisten davon noch aus der Produktion von vor 1945. In 17 von den 24 Kinos der Stadt Frankfurt laufen solche Streifen – darunter allein viermal „Die Frau meiner Träume” mit Marika Rökk, zweimal „Der Herr vom anderen Stern” mit Heinz Rühmann.

Die sieben ausländischen Filme dagegen kommen fast alle aus England; nur ein einziger US-Streifen flimmert in diesen Tagen über die Leinwand. Das ist das Alkoholiker-Drama „Das verlorene Wochenende” in der Harmonie, unweit der Wall-Lichtspiele.

Was aber hat es mit dem Film Achtung: Grün auf sich? Die seltsame Geschichte basiert auf dem Roman „Green for Danger” von Christianna Brand, in dem erzählt wird, wie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ein Postbote aus einem kleinen Dorf nahe Landon nach einer Verletzung durch einen Bombenangriff auf dem Operationstisch stirbt, was nicht nach einem Unglücksfall, sondern nach Mord aussieht. Alle am Eingriff beteiligten Menschen haben ein Motiv für die Tat, was der von Scotland Yard zur Hilfe entsandte Inspektor Cockrill (Alastair Sim) schnellstens ermittelt. Gleichwohl stellt sich der Fall als kompliziert und schwierig dar, findet aber doch dank starker geistiger Anstrengung von Cockrill seine Aufklärung.

Aufgrund der in den Frankfurter Zeitungen veröffentlichten Handlung verlockt Achtung Grün auf jeden Fall zum Filmbesuch, ohne jedoch im weiteren eine tiefere Spur im Gedächtnis zu hinterlassen. Aber auch das ist Nachkriegskino in deutschen Landen.

Daten zum Film 

Achtung: Grün (Illustrierte Filmbühne Nr. 179) ist ein im Jahr 1947 in Großbritannien produzierter Kriminalfilm mit mysteriösem Hintergrund nach einem Roman von Christianna Brand. Die Regie übernahm Sidney Gilliat, als Darsteller agieren Trevor Howard (als Dr. Barnes), Leo Genn (Mr. Eden), Rosamund John (Krankenschwester), Alastair Sim (Inspektor Cockrill), Judy Campbell und Sally Gray (Krankenschwestern). – Die Uraufführung erfolgt am 5. Dezember 1946 in London, deutsche Erstaufführung ist am 30. Januar 1948, gezeigt wird der Film am 27. August 1948 in den Wall-Lichtspielen in Sachsenhausen.