Scotts letzte Fahrt

Illustrierte Filmbühne Nr. 769 (E. S.) – „Matinee-Vorstellungen“, „Kulturfilm-Bühnen“ für Erwachsene oder alternativ „Märchenstunden“ für Kinder gehören Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre zum Standard-Angebot der Kinos in Deutschland. An Ostern 1951 zeigt deshalb der „Turmpalast“ in Frankfurt jeweils um 11.00 Uhr am Karfreitag, Ostersonntag und -montag in drei Sondervorführungen einen „neuen Farb-Kulturfilm über die Entdeckung des Südpols“ mit dem Titel Scotts letzte Fahrt.

Scotts letzte FahrtIrritierend aber ist bei der Anzeige jedoch der diskrete Hinweis von Verleih und Kinobesitzer auf einen „Kulturfilm“. Denn die britische Produktion gehört zweifellos zum Genre Spielfilm – wenn allerdings mit einer starken Tendenz zum Tatsachenbericht. Gleichwohl wird der Ealing-Farbfilm nach seiner deutschen Erstaufführung Ende Juli 1950 tatsächlich oft nur noch in Matineen gezeigt. Ihn jedoch als „Kulturfilm“ einzuordnen, bleibt doch einigermaßen verblüffend. Zumal der Regisseur Charles Frend und Produzent Michael Balcon – der alerte Brite hat bereits in den Dreissiger Jahren zahlreiche Filme mit dem jungen Anfänger Alfred Hitchcock gemacht – mit ihrem sachlichen Herangehen an die Katastrophe den dokumentarischen Charakter des Films noch unterstreichen. Der Film ist jedenfalls in der schlichten Klarheit sehr beeindruckend, zumal er auf jede Effekthascherei verzichtet. Bei der Umsetzung wird präzise den Notizen von Scott in dessen aufgefundenen Tagebüchern gefolgt.

Es geht im Film um den Wettlauf zum Südpol in den Jahren 1911/12 zwischen dem britischen Offizier und Polarforscher Robert F. Scott (John Mills) einerseits und dessen Widersacher Roald Amundsen andererseits. Während Amundsen mit seinen Männern den Südpol am 14. Dezember 1911 erreicht, und danach die Rückkehr ins Basislager schafft, kommt Scott erst am 18. Januar 1912 an’s Ziel, 35 Tage später.

Auf dem Rückweg aber sterben seine Weggefährten Dr. Wilson (Harold Warrender), Leutnant Bowers (Reginald Beckwith), Hauptmann Oates (Derek Bond) und Offizier Evans (James Robertson Justice) in bitterer Kälte und von Blizzards überrascht an völliger Erschöpfung. Als Letzter wahrscheinlich Scott: – nur rund 18 Kilometer vor dem rettenden Stützpunkt entfernt. Acht Monate später werden ihre Leichen von einer Suchkolonne gefunden.

Daten zum Film

Scotts letzte Fahrt (Illustrierte Filmbühne Nr. 796) trägt den britischen Originaltitel Scott of the Antarctic und ist eine dokumentarische Biografie der Ealing Studions aus dem Jahr 1948. Der Film hat eine Länge von 113 Minuten. Unter Leitung von Charles Frend spielen John Mills (als Captain Robert F. Scott), Diana Churchill (als Kathleen Scott), Harold Warrender (als Dr. Wilson), James Robertson Justice (als Officer Taff „Evans“), Derek Bond (als Captain Oates). Die deutsche  Synchronspreher sind Richard Münch (John Mills), Eva Vaitl (Diana Churchill), Anton Reimer (Harold Warrender), August Riehl (Derek Bond), Carl Wery (James Robertson Justice).

Weltpremiere ist am 29. November 1948 in London, landesweite Erstaufführung in Großbritannien am 7. Dezember 1948. In der Bundesrepublik am 21. Juli 1950 in die Kinos lanciert. In Frankfurt vom Autor gesehen am Karfreitag, 23. März 1951, im Turmpalast.