So grün war mein Tal

Illustrierte Filmbühne Nr. 766 (E. S.) – An diesen Film erinnere ich mich aus zwei Gründen besonders gut. Zunächst bringt die 20th Century Fox den Film unter der Bezeichnung Schwarze Diamanten heraus, ändert aber bereits kurz darauf den Titel in Anlehnung an den Roman und das US-Original in So grün war mein Tal. Außerdem verzichten die professionellen Zeitungskritiker auf ihre spitzen Federn und überlassen in Absprache mit dem Centfox-Verleih und dem Theaterbesitzer Wollenberg vom „Metro im Schwan“ in Frankfurt den Zuschauern die Beurteilung, was bei der Qualität des Films einigermaßen überrascht.

So-grün-war-mein-TalImmerhin ist der Film schon mit fünf Oscars ausgezeichnet worden und beruht auf dem berühmten Roman des Walisers Richard Llewellyn. Schwere Arbeit für die Laien also. Auch ich versuche mich mit einer Kritik an dem Film, der die Geschichte einer Familie namens Morgan am Ende des 19. Jahrhunderts in Südwales erzählt. Diese Familie führt im idyllischen Tal ein einfaches, aber zufriedenes Leben. Ruhe und Beschaulichkeit finden jedoch ein plötzliches Ende, als in der Gegend Kohlevorkommen entdeckt werden. Das ruft natürlich geldgierige Schlotbarone aus den Industriezentren auf den Plan, und die Arbeiter und Gewerkschaften halten dagegen. Auf der Jagd nach einer möglichst hoher Rendite nehmen die Grubenbetreiber nur wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der Einheimischen und der vielen zugewanderten Kumpel, es kommt zum Streik und zu klassenkämpferischen Auseinandersetzungen, die tief in die Familie hineinwirken. Das Leben im Tal und auch die Menschen selbst verändern sich.

Wie durch diese Vorkommnisse auch der Zerfall der Familie Morgan beeinflusst wird, erzählt in Rückblenden der inzwischen alt gewordene Sohn Huw Morgan (Roddy McDowall). Dabei wird sein eigenes Leben als kleiner Junge, aber auch das Schicksal seiner Eltern (Donald Crisp und Sara Allgood), seiner Schwester (Maureen O’Hara) und seiner Brüder in den Zeitenläuften für die Zuschauer nachvollziehbar.

Auch ich (E. S.) beteilige mich als junger Mann an dem Kritiker-Wettbewerb, komme aber nicht in die engere Auswahl der Preisträger. Da ich mir auch keine Kopie meiner Kritik angefertigt habe, weiß ich nach vielen Jahren nicht mehr, zu welcher Bewertung ich damals gekommen bin. Gleichwohl steht fest, dass die Betrachtungen der Einsender recht unterschiedlich ausfallen, wie wenige Wochen später nachzulesen ist.

Ein Herr Pons zum Beispiel, offensichtlich harmoniebedürftig, ist angetan und schreibt: „Es ist ein Film, der alle Probleme des arbeitenden Menschen anrührt und sie auf die einzig lösbare Weise löst: dass, unabhängig von der äußeren Lage, der Wert eines Menschen danach zu messen ist, wie groß sein Verantwortungsbewusstsein sich und anderen gegenüber ist, und dass nur die Bereitschaft, die anderen zu verstehen und zu helfen, uns einen Weg aus der Misere des Lebens finden lässt.“

Viel kritischer mit den aufscheinenden Klassengegensätzen hält es allerdings ein Herr Grund: „Die Kulissen schiebt ein Produzent, also ein Geldmann. Danach ist auch die Tendenz: Verulkung der Bergleute. Der Himmel blaut zwar kräftig über dem grünen, blumenreichen Bergarbeitertal in Wales, Lämmerwölkchen ziehen – aber so sieht es in Wirklichkeit eben nicht aus. Was da über die Leinwand stelzt, sind Filmbergleute, im Atelier sorgfältig mit Kohlenstaub betupft und pomadisiert, ansonsten leicht parfümiert und im sonnigen Kalifornien beheimatet.“

Daten zum Film

Schwarze Diamanten (auch Schlagende Wetter), später: So grün war mein Tal, beruhend auf dem Originaltitel How Green Was My Valley, ist ein Sozialdrama der 20th Century Fox nach dem Roman von Richard Llewellyn aus dem Jahr 1941. In dem  knapp zweistündigen Film spielen unter der Regie von John Ford die Darsteller Donald Crisp (als Vater Gwilym Morgan), Sara Allgood (als Mutter Beth Morgan), Roddy McDowall (als Sohn Huw Morgan), Maureen O’Hara (als seine Schwester Angharad Morgan), Walter Pidgeon (als Prediger Mr. Gruffydd). Produzent ist Darryl F. Zanuck, das Drehbuch kommt von Philip Dunne, an der Kamera steht Arthur Miller. Die Musik ist von Alfred Newman. Die deutschen Synchronsprecher sind Hans Nielsen (Huw Morgan), Eva Vaitl (Maureen O’Hara), Walter Holten (Donald Crisp), Gertrud Spalke (Sara Allgood), Peter Pasetti (Walter Pidgeon).

Die Welturaufführung erfolgt am 28. Oktober 1941 in New York City, weitere US-Premieren am 26. November 1941 in Pennsylvania und am 8. Januar 1942 in Kalifornien. Deutsche Erstaufführung am 28. April 1950. In Frankfurt am 24. November 1950 im Metro im Schwan.

Auszeichnungen

Der Film wird 1942 für zehn Oscars nominiert und erhält schließlich fünf, wobei er in der Kategorie bester Film sogar Die Spur des Falken und Citizen Kane aussticht. Die Preisträger: Bester Film (Produzent Darryl F. Zanuck), bester Nebendarsteller (Donald Crisp), beste Regie (John Ford), beste SW-Kamera (Arthur Miller), beste SW-Ausstattung (Richard Day, Nathan Juran, Thomas Little)