Späte Sühne

Illustrierte Filmbühne Nr. 1065 (E. S.) – Der Kriminalfilm Späte Sühne, viel besser einzuordnen als ein Streifen der so genannten Schwarzen Serie (Film Noir), bietet eine überaus spannende Handlung, knappe Dialoge, Milieuschilderungen von lebendiger Echtheit und in Humphrey Bogart einen Schauspieler von Format.

Als ich den Film Anfang Januar 1952 im Frankfurter „Roxy” sehe, werde ich an zwei andere Filme erinnert, in denen Humphrey Bogart die Hauptrolle spielt. „Der Malteser Falke” und „Tote schlafen fest”. Bogart wandelt als ehemaliger Offizier und Fallschirmspringer in Späte Sühne den Typ der Privatdetektive Sam Spade aus „Der Malteser Falke” und Philipp Marlowe aus „Tote schlafen fest” nur geringfügig ab. Die Handlung, die nach dem Zweiten Weltkrieg spielt, ist natürlich anders angelegt, was teilweise auch eine anderes Herangehe erfordert. Allerdings zeichnet sich der Film (leider) auch durch einige überaus brutale Szenen aus, und der weibliche Co-Star Lizabeth Scott erreicht nie das Niveau von Mary Astor (Der Malteser Falke) oder Lauren Bacall (Tote schlafen fest), so dass ihre Rolle als gerissene Verbrecherin, die am Schluss bei einem Autounfall um’s Leben kommt, insgesamt wenig glaubhaft wirkt.

Was indessen den Auftritt Humphrey Bogarts angeht, ist er wieder der routinierte, kaltschnäuzige Einzelkämpfer wie wir ihn schon kennen. Als Warren (Rip) Murdock schert er sich weder um Tod und Teufel, schon gar nicht um die allgegenwärtigen, bösen Gangster und auch nicht um die Polizei, die ihn seltsamerweise bei seinem Tun nicht einmal ansatzweise stört. Mord und Erpressung, etwas verwickelt inszeniert, sind die Zutaten, aus denen sich das alles speist…

Daten zum Film

Späte Sühne (Illustrierte Filmbühne Nr. 1065) trägt den Originaltitel Dead Reckoning (Alternativtitel auch: Ein Mensch verschwindet) und ist ein amerikanischer Kriminalfilm mit Film Noir-Charakter aus dem Jahr 1946 (Columbia-Film) in einer Länge von 100 Minuten. Unter der Regie von John Cromwell spielen Humphrey Bogart (als Capt. Warren Murdock), Lizabeth Scott (als Coral Chandler), Morris Carnovsky (als Martinelli), Charles Cane (als Lt. Kincaid), William Prince (als Johnny Drake). Produzent ist  Sidney Biddell, das Drehbuch schreiben  Oliver H. P. Garrett, Steve Fisher und Allen Rivkin. An der Kamera arbeitet Leo Tover, die Musik stammt von Marlin Skiles.

Deutsche Synchronstimmen Ernst Fritz Fürbringer (Humphrey Bogart), Ursula Traun (Lizabeth Scott), Bum Krüger (Charles Kane), Wolfgang Eichberger (Morris Carnowsky). – Welt-Premiere am 2. Januar 1947, USA-landesweit ab 16. Januar 1947 angelaufen, in der Bundesrepublik ab 30. Januar 1951 in den Kinos, in Frankfurt ab 11. Januar 1952 im Roxy zu sehen.