Stromboli

Illustrierte Filmbühne Nr. 933 (E. S.) – Der italienische  Film Stromboli, in Zusammenarbeit zwischen dem neorealistischen Regisseur Roberto Rosselini und dem Hollywoodstar Ingrid Bergman entstanden, wird bei seinem Start in Deutschland 1951 von Zuschauern und Kritikern als zähes Melodram eher zwiespältig aufgenommen. 

Titel- StromboliWeil filmästhetische Gesichtspunkte für viele ohnehin keine große Rolle spielen, bleibt dieser Film vor allem in Erinnerung wegen der „echten“ Romanze zwischen Ingrid Bergman und dem Regisseur Robert Rosselini, die von den Hollywood-Mächtigen, ihren sehr willfährigen Schreiblakaien und der überaus prüden Öffentlichkeit zum „Skandal“ erhoben wird. Denn Ingrid Bergman ist zur Zeit dieser Liason noch mit dem schwedischen Arzt Petter Lindström verheiratet – und obwohl diese Ehe schon als zerrüttet beschrieben wird, lassen die tugendhaften Sittenwächter der USA kein gutes Haar mehr an der Schwedin.

Vor allem christlich-religiöse und puritanische Gruppen erheben ihre Stimme gegen die Schauspielerin. Der Senator Edwin C. Johnson, der sich lange, aber vergeblich um ein Verbot des Films in den Vereinigten Staaten bemüht, scheut sich nicht, das Paar sogar als „Apostel der Entartung“ zu apostrophieren und bedauert, dass aus seiner früheren Lieblingsschauspielerin nun eine „mächtige Kraft des Bösen“ geworden ist.

Die Verleihfirma RKO in Deutschland versucht freilich – Geschäft ist schließlich Geschäft – aus der eigentlich privaten Angelegenheit noch kräftig Kapital zu schlagen und lässt bei der Erstaufführung in Zeitungsanzeigen wenig zurückhaltend verlauten: „Der Film, der Ingrid Bergman zum Schicksal wurde!“ Klappern gehört zum Handwerk!

Der Film selbst erzählt die Geschichte der jungen Litauerin Karin Björsen (Ingrid Bergmann), die in einem Flüchtlingslager einen aus Stromboli stammenden italienischen Soldaten (Mario Vitale) kennenlernt. Um dem unwirtlichen Verhältnissen in dem Lager zu entfliehen, lässt sich sie auf eine Ehe mit dem Mann ein, der in seiner Heimat Stromboli als Fischer arbeitet. Doch statt der Geborgenheit, sie sie bei ihm sucht, wird sie von ihm gedemütigt, erlebt zudem Hass und Anfeindungen durch die Frauen des Dorfes.  Obwohl sie schwanger geworden ist und das düstere Eiland mit seinen schwarzen Stränden und Felsen zunächst verlassen will, bleibt sie dann doch auf Dauer – um den Demütigungen zu trotzen, aber auch, weil der Vulkan, der am Anfang so bedrohlich auf sie gewirkt hat, immer mehr seine Schrecken verliert.

Heißt der Film doch in seinem Untertitel „Terra di Dio“, was „Gottes Erde“ bedeutet. Als einer der wenigen Kritiker in Deutschland sieht offensichtlich Dieter Fritko von der Frankfurter Rundschau das kraftvolle Potenzial des Films, als er schreibt:

„Die Bergman braucht nichts weiter zu tun, als schweigend über den düsteren Boden zu schreiten, und schon springt einen die Tragik der Deplacierung, des Verlorenseins der blonden Karin aus dem Norden unter dem grollenden Vulkan, überzeugend an. Einsamer als sie kann niemand sein. Lemurengleich starren sie die schwarz gekleideten Einheimischen an. Karin wirbt um sie, stößt aber auf feinselige Abwehr. Und eines Tages bricht es aus heraus. die Empörung gegen die fremde Erde, der Hass gegen ihren Mann… Sie taumelt zum Vulkan hinauf, sie will fliehen, auf die andere Seite der Insel – doch da erhebt sich der Gott des Feuers und speit ihr glühend Asche entgegen.“

Daten zum Film

Stromboli (Illustrierte Filmbühne Nr. 933 und Das Neue Filmprogramm ohne Nummer) mit dem Originaltitel Stromboli, Terra di Dio ist ein italienisches Melodram, hergestellt und verliehen von RKO Radio Pictures. aus dem Jahr 1949. Unter der Regie des Mitproduzenten Roberto Rosselini spielen in dem 105 Minuten langen Film Ingrid Bergman (als Flüchtlingsmädchen Karin Björsen), Mario Vitale (als italienischer Soldat und Fischer Antonio), Renzo Cesana (als Priester), Mario Sponza (als Leuchtturmwärter). Fünf Autoren haben am Drehbuch gearbeitet, nämlich Roberto Rossellini, Art Cohn, Renzo Cesana, Sergio Amidei und Gian Paolo Callegari. Die Kamera führt Otello Martelli, die Musik stammt von Renzo Rossellini, einem Bruder von Roberto Rosselini. – Die deutsche Stimme von Ingrid Bergman ist dem Autor nicht bekannt. –  Die Erstaufführungen sind am 15. Februar 1950 in den USA, im September 1950 bei den Filmfestspielen in Venedig (für Italien), am 9. Februar 1951 in der Bundesrepublik Deutschland, am 16. Februar 1951 in Frankfurt am Main (Turm-Palast).