Späte Sühne

Illustrierte Filmbühne Nr. 1065 (E. S.) – Der Kriminalfilm Späte Sühne, viel besser einzuordnen als ein Streifen der so genannten Schwarzen Serie (Film Noir), bietet eine überaus spannende Handlung, knappe Dialoge, Milieuschilderungen von lebendiger Echtheit und in Humphrey Bogart einen Schauspieler von Format.

Als ich den Film Anfang Januar 1952 im Frankfurter „Roxy” sehe, werde ich an zwei andere Filme erinnert, in denen Humphrey Bogart die Hauptrolle spielt. „Der Malteser Falke” und „Tote schlafen fest”. Bogart wandelt als ehemaliger Offizier und Fallschirmspringer in Späte Sühne den Typ der Privatdetektive Sam Spade aus „Der Malteser Falke” und Philipp Marlowe aus „Tote schlafen fest” nur geringfügig ab. Die Handlung, die nach dem Zweiten Weltkrieg spielt, ist natürlich anders angelegt, was teilweise auch eine anderes Herangehe erfordert. Allerdings zeichnet sich der Film (leider) auch durch einige überaus brutale Szenen aus, und der weibliche Co-Star Lizabeth Scott erreicht nie das Niveau von Mary Astor (Der Malteser Falke) oder Lauren Bacall (Tote schlafen fest), so dass ihre Rolle als gerissene Verbrecherin, die am Schluss bei einem Autounfall um’s Leben kommt, insgesamt wenig glaubhaft wirkt. Späte Sühne weiterlesen

Tokio Joe

Illustrierte Filmbühne Nr. 996 (E. S.) – Ein Mann namens Tokio Joe wird in dem aufgewühlten Japan der Nachkriegszeit in die Tragödie einer Ehe und in die Machenschaften skrupelloser Elemente verwickelt, die in der Atmosphäre nach dem Ende des Krieges ihren kriminellen und politischen Geschäften nachgehen. Ein Film, der am 22. Mai 1951 im Filmpalast seine Frankfurter Erstaufführung erlebt.

Tokio-JoeDie Nachkriegsjahre unter amerikanischer Besatzung sind in Japan  turbulent – ähnlich wie auch in Deutschland. Schmuggler und Schieber machen im Land der aufgehenden Sonne ihre zweifelhaften Geschäfte. Das wird begünstigt, weil die Menschen im Land nach den verheerenden amerikanischen Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki mit Hunderttausenden von Toten und Verwundeten tief verunsichert und verängstigt sind. Gleichwohl wird in dem Film einer eher menschliche, private Tragödie im Umfeld politisch-krimineller Elemente thematisiert. So entsteht ein gravierender Gegensatz zwischen dem harten Realismus des Milieus und der romanhaft überladenen Handlung, in der Pflichterfüllung und Liebe sich immer wieder gegenüberstehen. In der fiebrigen Atmosphäre des Films fehlen zwar auch kleine Seitenhiebe auf Militärbürokratie und Geheimdienst nicht, doch in erster Linie ist das Ganze ein Starporträt für Humphrey Bogart geworden, der diesen Film mit seiner Produktionsgesellschaft „Santana“ verwirklicht. Gleichwohl ist er am Ende nicht der strahlende Held, sondern als völlig desillusionierter Mann zum Scheitern verurteilt, den Opfertod mit eingeschlossen. Tokio Joe weiterlesen

Goldschmuggel nach Virginia

Illustrierte Filmbühne Nr. 887 (E. S.) – Der blutige amerikanische Bürgerkrieg in den Jahren von 1861 bis 1865 bildet den Hintergrund des Films Goldschmuggel nach Virginia, obwohl das auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. Der Konflikt, der mit der Niederlage der Konföderierten aus dem Süden endet, ist in den 105 Minuten allgegenwärtig, wenngleich das Ganze eher als einer der üblichen Western dargeboten wird. 

GoldschmuggelDer Film kommt mit allen Zutaten daher, die einen solchen unterhaltsamen Western eben ausmachen: die schrillen Saloons und Bars, staubige Straßen, Prügeleien, Revolverduelle, rasante Ritte, Kerle von Schrot und Korn, Schlauheit und Feigheit, Heldentum – und natürlich die große Liebe. Dass bei solchen Ingredienzien die tieferen Ursachen für den Krieg weitgehend ausgeblendet bleiben, ist aus Sicht der Filmproduzenten durchaus verständlich. Denn Aufklärung ist nicht ihre Sache, sie haben das kalkulierbare Geschäft mit viel Profit auf ihren Fahnen geschrieben. Wohl deshalb auch erfährt der Zuschauer nur ganz am Rande des Films von der permanent andauernden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten, von der Sklaverei in den Südstaaten, der Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten und dem nach und nach folgenden Austritten von South Carolina, Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana, Texas, Virginia, Tennessee, Arkansas, North Carolina aus der Union. Goldschmuggel nach Virginia weiterlesen

Die schwarze Natter

Illustrierte Filmbühne Nr. 862  (E. S.) – Im Jahr 1950 jagt immer noch eine Filmpremiere die andere; überall in Westdeutschland eröffnen Lichtspielhäuser aller Größenordnungen ihre Pforten. Besonders amerikanische Filme überschwemmen das Land. So wird auch am 29. September erstmals der Warner-Streifen Die schwarze Natter gezeigt. Doch vier Tage vorher geschieht – weitgehend jedoch unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit – etwas, das die Kinolandschaft bald entscheidend verändern wird.

Schwarze NatterNoch ahnt zwar niemand von den vielen Kinobesitzern oder -pächtern wirklich Schlimmes, doch als der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) in einem ehemaligen Bunker in Hamburg zur Probe den ersten Fernsehsender in Betrieb nimmt – die regulären Sendungen beginnen allerdings erst Ende 1952 –, werden bereits die Weichen für die tiefe Krise der Branche gestellt. Von all dem haben wir – eine kleine Gruppe von Kino-Enthusiasten – jedoch keine Ahnung, als wir uns zum spontanen Besuch des Kriminalfilms Die schwarze Natter entschließen. Denn Fernsehen liegt für uns noch außerhalb jeder Betrachtung und interessiert uns auch nicht. Wir sind vielmehr gespannt auf das Geschehen im Film, von dem uns in den Zeitungsinseraten 110 Minuten Spannung pur versprochen werden. Der Film ist tatsächlich interessant, aber in einer Hinsicht doch auch enttäuschend. Wir gehen ins Kino, um Bogart zu erleben, werden aber lange mit einer unwirklichen Gestalt konfrontiert, die nur in Umrissen zu sehen ist und die Umgebung nur aus ihrer eigenen Perspektive wahrnimmt. Die schwarze Natter weiterlesen

Hafen des Lasters

Illustrierte Filmbühne Nr. 698 (E. S.) – Als ich im Jahr 1951 in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Süd den Spielfilm Hafen des Lasters sehe, werde ich an einen vierwöchigen Besuch in Hamburg erinnert. Meine Bekannten haben sich einen Spaß daraus gemacht, mich trotz meines jugendlichen Alters auf die Reeperbahn zu schleppen und mir dort genüsslich die „sündigste Meile der Welt” vorzuführen.

HafenTrotz leichter Beklemmungen hat mich das Vergnügungsviertel in St. Pauli fasziniert. Die „verruchte” Atmosphäre mit den glitzernden, tanzenden Lichtern, die laute Musik, die düsteren Kneipen, und die vielen Tanzetablissements sind mir ebenso in guter Erinnerung geblieben wie der sehr verstohlene Blick zu den leicht bekleideten Frauen in der Herbertstraße. Aber auch der nahe Hafen, in dem die Frachter aus aller Welt ihre Ladung löschen, die gewaltigen Kräne an den Kais, das hektische Treiben der Hafenarbeiter, die abgemusterten und vorübergehend  arbeitslosen Seemänner auf dem Weg von den Schiffen zum Hamburger Kiez – das sind doch sehr beeindruckende Bilder.

Ähnliches erwarte ich natürlich von einem Film, der als Hafen des Lasters firmiert. Doch von einem Hafen nach St. Pauli-Muster ist nichts zu sehen, der von der Verleihfirma Warner Bros. für Deutschland gewählte Titel für den Gangsterstreifen ist schlicht irreführend. Das amerikanische Original mit der knappen Ortsbezeichnung Key Largo ist treffender und präziser, noch besser ist der spätere Fernseh-Titel Gangster in Key Largo. Hafen des Lasters weiterlesen

Konflikt

Illustrierte Filmbühne Nr. 606 (E. S.) – Die Trennung von Ehepartnern wird in der Regel durch eine vom Gericht ausgesprochene Scheidung vorgenommen. 1950 stehen in der Bundesrepublik Deutschland zum Beispiel einer halben Million Eheschließungen rund 75.000 Trennungen gegenüber, was in etwa 14 Prozent ausmacht. Doch sowohl aus „moralischen” als auch finanziellen Gründen und wegen der immer wieder schwierigen „Schuldfrage” bleiben viele Paare doch zusammen. 

KonfliktVor allem engstirnige Moralapostel spielen in dieser Zeit – hierzulande, aber natürlich auch anderswo – eine wichtige Rolle. So löst nach Zeitungsberichten aus den USA sogar die eher belanglose Nachricht, dass die Schauspielerin Ingrid Bergman einen Sohn zur Welt gebracht hat, helle Entrüstung unter den Sittenwächtern aus. Denn Vater des Kindes ist nicht Bergmans Ehemann Petter Lindström, sondern der Italiener Roberto Rosselini. Mit dem Regisseur lebt die Schwedin schon seit der gemeinsamen Arbeit an dem Film „Stromboli” im Jahr 1949 zusammen. Unter dem einengenden Druck solcher Moralbegriffe versucht mancher Scheidungswillige das Problem einer Trennung auf ganz individuelle Weise zu lösen. Der Film Konflikt aus den USA veranschaulicht das eindrucksvoll. Ein völlig frustrierter Ehemann ermordet seine ungeliebte Frau. Der Grund dafür ist  sehr banal und in einer bürgerlichen Gesellschaftsschicht angesiedelt, in der Konflikte ohnehin immer eher unter der Oberfläche vor sich schwelen. Konflikt weiterlesen

Der Schatz der Sierra Madre

Illustrierte Filmbühne Nr. 383  (E. S.) – Mexiko, in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts: Der heruntergekommene Abenteurer Dobbs (Humphrey Bogart) schürft mit seinen Kumpanen Curin (Tim Holt) und Howard (Walter Huston) in der heißen Sierra Madre nach Gold. Je mehr sie ausbuddeln, umso stärker wird die Gier und das gegenseitige Misstrauen – und sie verlieren alles.

SchatzSierraMadreEine  Leihbücherei im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen ist in den ersten Nachkriegsjahren täglich Treffpunkt vieler Schüler, die sich dort für kleines Geld Abenteuer- und Kriminalromane ausborgen. Hier nimmt der Filmbesuch von Der Schatz der Sierra Madre seinen Anfang. Zahlreiche Geschichten von Zane Grey und Max Brand über den Wilden Westen, dazu Krimi-Serien von Hermann Hilgendorff (FBI-Agent Jack Kelly, Inspektor Percy Brook) sind zu dieser Zeit die  beliebten Renner. Herr Zaun, der freundliche Besitzer des Ladens, macht eines Tages auf den Roman „Der Schatz der Sierra Madre” von B. Traven aus dem Jahr 1927 aufmerksam, der gerade in einer Neuauflage bei ihm angeliefert worden ist. Es ist eine gute Empfehlung, viele von uns lesen das Buch, was bald daran zu erkennen ist, dass auf der vorletzten Seite die Rubrik der Ausleihdaten überquillt.

Auch  fasziniert der mysteriöse Traven, weil niemand weiß, wer sich hinter den Pseudonym in Wahrheit verbirgt und darüber ein großes Rätselraten herrscht. Als dann der gleichnamige Film in die deutschen Kinos kommt, ist der Besuch geradezu Pflicht, zumal Humphrey Bogart – inzwischen ist er durch andere Filme für uns zu einem Begriff geworden – eine der Hauptrollen spielt. Der Schatz der Sierra Madre weiterlesen

Die Spur des Falken

Illustrierte Filmbühne Nr. 83  (E. S.) – Im Jahr 1946 läuft im Rahmen des von den amerikanischen Militärbehörden installierten Filmverleih-Programms der Motion Pictures Export Association (MPEA) auch der Film Die Spur des Falken an. Die Hauptrolle des hartgesottenen Privatdetektivs Sam Spade ist Humphrey Bogart auf den Leib geschneidert und die sehr spannende Story mit der Jagd nach einer kostbaren antiken Figur passt so recht in die Frankfurter Nachkriegszeit, in der ebenfalls alles versilbert wird, was nur irgendwie die Lebensverhältnisse verbessern kann.

Spur des FalkenNatürlich ist die übergroße Mehrheit der Menschen durchaus sehr ehrenwert geblieben in dieser schwierigen Zeit und versucht sich tagtäglich irgendwie ehrlich durch die Widrigkeiten des Lebens zu schlagen, aber gleichwohl tummeln sich zwielichtige Gestalten – wie auch im Film – in der Gegend um den Hauptbahnhof, der Schwarze Markt blüht, immer wieder gibt es Razzien, kleine und große Händel; Schiebereien sind ohnehin an der Tagesordnung, die Kriminalität ist hoch, Tauschgeschäfte bestimmen den Kampf der Bevölkerung. Und viele teure Wertsachen wie etwa Kameras, Silberbesteck, Porzellan, Teppiche und ähnliches – soweit sie die Fliegerangriffe überhaupt unbeschädigt überstanden haben – werden entweder auf den dunklen Straßen unter der Hand verhökert oder in der gerade neu eröffneten offiziellen Tauschzentrale der Amerikaner an der Ecke Weser- und Kaiserstraße gegen Nahrungsmittel eingetauscht.

Genau in diese Atmosphäre passt Die Spur des Falken, der einerseits nüchtern, aber auch mit Zynismus und einer Portion hintergründigem Humor angereichert ist. Die Frankfurter Nachkriegssituation passt dazu wie die Faust auf’s Auge… Die Spur des Falken weiterlesen

Abenteuer in Panama

Illustrierte Filmbühne Nr. 81  (E. S./M. F.) – Humphrey Bogart begegnet vielen deutschen Kinogängern zum ersten Mal im Jahr 1947 in Frankfurt in dem Film Abenteuer in PanamaAcross the Pacific, wie der Originaltitel heisst, läuft schon in synchronisierter Fassung, die politischen Akzente sind selbst für unbedarfte Jugendliche durchschaubar, allerdings gefällt vielen davon auch das abenteuerlich-exotische Milieu, in der die Handlung spielt.

Abenteuer in PanamaIn den ersten Dezembertagen des Jahres 1941 haben die sogenannten „Kaiserlichen Luftstreitkräfte der japanischen Marine“ die Pazifikbasis der USA in Pearl Harbor auf Hawaii überraschend angegriffen, was zum offiziellen Kriegseintritt der USA im Zweiten Weltkrieg führt. Solche Ereignisse werden von den Studio-Filmemachern in Hollywoods Traumfabrik durchaus gerne propagandistisch unterstützt und dienen dazu, innerhalb der Vereinigten Staaten in der Bevölkerung positive Verhaltensweisen für den Kriegseintritt zu erzeugen. Bei diesen Voraussetzungen ist der Konflikt zwischen den USA und Japan im Grunde genommen das zentrale Thema der 97 Leinwand-Minuten. Der unehrenhaft aus der US-Armee entlassene Hauptmann Rick Leland (Humphrey Bogart) soll dabei vom japanischen Spionagedienst angeworben werden – was jedoch eher zweifelhaft erscheint, ist Leland doch in jeder Minute des Films seine wirkliche und „patriotische” Gesinnung im Gesicht abzulesen. Abenteuer in Panama weiterlesen