Trommeln am Mohawk

Illustrierte Filmbühne Nr. 544 (E. S.) – Im Frankfurter Lichtspiel-Theater Roxy läuft am 31. März 1950 der Centfox-Film Trommeln am Mohawk an. Es ist eine Story, die nicht nur zum geschichtlichen Ursprung der Vereinigten Staaten von Nordamerika führt, sondern auch zur US-Politik im Westen Deutschlands in der Nachkriegszeit.

TrommelnWas der us-amerikanische Filmverleih in seiner Pressearbeit suggeriert, ist freilich oberflächlich. Die Werbeleute stellen in ihren Botschaften vor allem die „Kampfszenen zwischen Indianern und Farmern” in den Vordergrund oder kaprizieren sich ganz auf Mitteilungen dieser Art: „Wenn der Schlachtruf der Indianer gellt, (dann) werden Erinnerungen an die Zeiten Karl Mays wach.” Der Streifen scheint also einer der üblichen Western zu sein, in denen wild geritten, geschossen und mit den Fäusten zu Werke gegangen wird. Tatsächlich aber geht es um mehr. Zwar stehen Kämpfe zwischen den Farmern und Indianern im Mittelpunkt, aber da der Film im Jahr 1776 spielt – wenige Monate zuvor hat der Kampf der 13 verbündeten Kolonialstaaten Nordamerikas um die Unabhängigkeit von der britischen Krone begonnen – spielt auch dieser blutige Krieg (von 1775 bis 1783) eine zentrale Rolle. Es geht also um ein Stück wichtiger amerikanischen Geschichte, das nach 1945 auch den Deutschen in vielen Facetten vermittelt werden soll.

Deshalb entstehen in den Großstädten der amerikanischen Zone auch schnell die ersten Amerika-Häuser (offiziell: United States Information Center). Die Einrichtung gehört zum Programm der Militärbehörden, um nach zwölf Jahren Nazi-Herrschaft ihre eigenen Ideale von Demokratie, Kultur und Politik nach Deutschland zu transportieren. Trommeln am Mohawk weiterlesen

Das Ei und ich

Illustrierte Filmbühne Nr. 191 (E. S.) – Der Inhalt des Film Das Ei und ich ist in wenigen Worten erzählt: Ein junges Ehepaar aus einer größeren Stadt in den USA stürzt sich in das Abenteuer, in ländlicher Umgebung im us-amerikanischen Bundesstaat Washington eine Hühnerfarm zu bewirtschaften.

Das Ei und ichDiese Komödie ist nach der autobiografischen Romanvorlage von Betty MacDonald gedreht worden und überaus sehenswert. Der hübsch gemachte Film basiert auf eigenen Erlebnissen der Autorin. Die von ihr 1945 veröffentlichte Geschichte ist in den USA ein Riesenerfolg und steht auf den Bestseller-Listen ganz oben. Und innerhalb eines Jahres werden über eine Million Bücher verkauft. Die Erlebnisse, die Betty MacDonald (Claudette Colbert) als junge Frau zusammen mit ihrem Mann Bob (Fred MacMurray) bei der Bewirtschaftung der einsam gelegenen Hühnerfarm hat, schreien geradezu nach einer Verfilmung, sind sie doch für die „Traumfabriken“ in Hollywood wie geschaffen für ein gutes Geschäft. Die Universal sichert sich schnell die Rechte, der Film über Hühner und Eier hat im April 1947 in Los Angeles Premiere. Das ist just zu jener Zeit, als in Frankfurt am Main rund um den Hauptbahnhof von den Schwarzhändlern für ein Ei rund 10 Mark verlangt werden, wenn es denn überhaupt welche im „Angebot“ der Schieber gibt. Das Ei und ich weiterlesen

Keine Zeit für Liebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 99  (E. S.) – Im Sommer des Jahres 1946 haben in Frankfurt nur wenige Kinos nach den massiven Zerstörungen im Krieg ihren Betrieb wieder aufgenommen, darunter befinden sich auch die im nordöstlichen Stadtteil Bornheim die Schauburg-Lichtspiele (Berger Straße Nr. 161) und das Apollo (Berger Straße 179). Mit nur einer Kopie des Filmes Keine Zeit für Liebe werden im Juni beide Häuser gleichzeitig bespielt.

Keine Zeit für die LiiebeKopien sind oft rar in diesen Tagen. Nicht selten wird ein Film gleichzeitig in zwei Kinos gespielt. Das verursacht ein kleines organisatorisches Problem, aber die Menschen jener Tage sind sehr erfinderisch. Die Anfangszeiten werden einfach  entsprechend zeitlich versetzt, es werden auch Schulbuben engagiert – meist sind es Kinder der Kino-Besitzer, des Filmvorführers oder andere Schulkameraden, die dann für ihre Tätigkeit mit Freikarten „entlohnt“ werden –, um die  Filmrollen sind zwischen den Kinos hin- und herzutragen. Dabei muss natürlich der Ablauf perfekt sitzen, aber wenn einmal Verzögerungen eintreten, werden diese vom geduldigen Publikum recht gelassen hingenommen. Die meisten Menschen sind schließlich Schlimmeres gewohnt aus der Zeit des Krieges und den Monaten danach, in denen die permanente Jagd nach Nahrungsmitteln aufgrund der Zuteilungen von Lebensmittelmarken zum Alltag gehört. Der Film – in englischer Sprache mit einkopierten deutschen Untertiteln – ist hübsch und unterhaltsam. Keine Zeit für Liebe weiterlesen

Echo der Jugend

Illustrierte Filmbühne Nr. 90  (E. S.) – Eine winzige Anzeige in der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ wirbt Anfang März 1947 für die Aufführung des Films Echo der Jugend in den Zoo-Lichtspielen am Alfred-Brehm-Platz. Mit dem daraufhin folgenden Filmbesuch hat es für einige Schüler eine besondere Bewandtnis.

Echo der JugendDer Filmtitel sagt den meisten Schülern in der Frankensteiner Schule rein gar nichts, die lockenden Werbeworte „Geschichte einer großen Frauenliebe” klingen in den Ohren der Jungens allerdings eher verlockend. Die Anfangszeiten im Kino selbst sind irgendwie komisch, denn es wird an jedem Tag  gespielt, aber nur um 13,45 und um 15.00 Uhr. Die erste Vorstellung kommt wegen des Unterrichts und des weiten Weges von Sachsenhausen bis in das Frankfurter Ostend für einen Besuch nicht in Frage, also machen sich einige Schüler für die Aufführung am Nachmittag auf den Weg. Das hat seinen guten Grund. In der Schule wird neuerdings Englisch unterrichtet und Lehrer Heinz Martin empfiehlt dazu als unterstützende Maßnahme den Besuch von englischsprachigen Filmen. Ob das was hilft? Keine Ahnung. Im Unterricht wird bisher nur ein hübsches und sehr melodisches Kinderlied geübt:

„My Bonny is over the ocean, my Bonny is over the sea. My Bonny is over the ocean, o bring back my Bonny to me!“ 

Oh, wie gefühlvoll! Es ist von einem unbekannten Autor, wird viel an Lagerfeuern von Jugendgruppen zu Klampfen und Gitarren zum Besten gegeben, viele international bekannte Interpreten haben es immer wieder gesungen. Und irgendwie passt dieses Lied zum Thema des Films. Echo der Jugend weiterlesen