Das grünende Korn

Illustrierte Filmbühne Nr. 120 (E. S.) – Der Titel dieses Films erzeugt eine mehr als positive Wahrnehmung. In Wirklichkeit ist es oft nur äußerlich so grün in Wales; der soziale Hintergrund der von Kohle geschwärzten Kumpel im Jahr 1895 in einer Bergarbeitersiedlung setzt freilich ganz andere Akzente.

Das-grünende-KornIn unserer Schule wird 1946 das Fach Gemeinschaftskunde eingeführt. Lehrer Heinz M. versucht den Schülern, die in der Nachkriegszeit mit vielen eigenen Problemen konfrontiert sind, die Sinne zu schärfen für die Not anderer. Im Zusammenhang mit der Lage der Kumpel im deutschen Kohlenpott erklärt er uns auch die Situation der Bergarbeiter im 18. und 19. Jahrhundert in Wales. Er berichtet vom harten Leben in den Schächten; von der Armut  und den täglichen Sorgen der Familien. Die Löhne sind niedrig, die Mieten in den Werkswohnungen der Unternehmer überhöht. Die Abhängigkeit geht so weit, dass die Arbeiter die Lebensmittel zu überhöhten Preisen von den Bergwerksgesellschaften kaufen müssen, die diese vorher in Massen eingekauft haben. Die meisten Unternehmer ziehen die Kosten für diese Waren gleich vom Lohn ab. Vermeintliche (oder tatsächliche) schlechte Arbeitsleistung wird mit Lohneinbußen bestraft.

Kinderarbeit ist an der Tagesordnung, besonders betroffen davon sind die Buben. Wenn sie selbstständig genug sind, müssen sie als Handlanger in den Hüttenwerken zupacken. Weil sie noch klein sind, werden sie insbesondere dazu benutzt, um unter Tage die Förderwagen aus den hintersten, niedrigen Stollen herauszuziehen. Das, was uns der Lehrer berichtet, ist alles  auch im Film Das grünende Korn zu sehen, den ich wenige Tage später sehe. Das grünende Korn weiterlesen