Der Verrat des Surat Khan

Illustrierte Filmbühne Nr. 961 (E. S.) – Der Warner-Streifen Der Verrat des Surat Khan ist Mitte April 1950 im Frankfurter Filmpalast zu sehen – und es ist ein durch und durch zwiespältiger Film: Auf der einen Seite die Verharmlosung britischer Kolonialgeschichte, pathetische Glorifizierung des Heldentodes, andererseits spektakuläre Bilder, die zu den ausgefeiltesten der Filmgeschichte zählen dürften.

Der Verrat-des-Surat-KhanUnverhohlen wird der Krieg verherrlicht, der „Heldentod“ als eine durchaus ehrenwerte Sache dargestellt. Fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Millionen Toten wirkt der Film zu dieser Zeit deshalb eher ein wenig befremdlich. Die Freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Filmwirtschaft (FSK) in Wiesbaden hat an dieser Tendenz freilich nichts auszusetzen. Anfang der Fünfziger Jahre entspricht das auch durchaus dem Zeitgeist in der Bundesrepublik. Abgesehen von diesem Aspekt überzeugen die mehr als kunstvoll arrangierten Actionszenen. Regisseur Michel Curtiz greift dabei auch beim zweiten großen Film von Errol Flynn nach dem erfolgreichen „Captain Blood“ („Unter Piratenflagge“) mit Bravour und Geschick in die Trickkiste Hollywoods. Der Spielleiter erweist sich dabei als Meister seines Faches, insbesondere bei der Anordnung spektakulärer Szenen. Eine groß angelegte Leopardenjagd, untermalt vom Dröhnen unzähliger Trommeln und der großartigen Filmmusik Max Steiners, die Erstürmung eines Forts, kreischende Frauen und brüllende Kinder –  das hinterlässt einen starken Eindruck und weist hin auf die meisterliche Hand von Kameramann Sol Polito. Der Verrat des Surat Khan weiterlesen

Unter Piratenflagge

Illustrierte Filmbühne Nr. 747  (E. S.) – Fünf lange Jahre ist das so genannte „Reichssportfeld” im Frankfurter Stadtwald bereits von den US-Militärbehörden für eigene Zwecke beschlagnahmt gewesen und in Victory Park umbenannt worden, als nach und nach immer mehr Teilbereiche des Stadion wieder für die deutsche Bevölkerung freigegeben werden – als letztes im Sommer 1950 das von den Frankfurtern so sehr geschätzte Schwimmbad.

Unter PiratenflaggeDieser Vorgang ist durchaus erfreulich. Denn die sehr lapidare Feststellung, dass es in Deutschland zu dieser Zeit warm ist, wäre gewiss maßlos  und ziemlich untertrieben: Es ist gnadenlos heiss! Die Temperaturen steigen fast überall auf satte 30 Grad; in München werden Anfang Juli sogar knapp 35 Grad gemessen. Eigentlich keine Motivation für einen Kinobesuch. Gleichwohl zieht es mich aber in den Filmpalast in der Innenstadt. Dort wird seit dem 4. Juli der Abenteuerfilm Unter Piratenflagge gezeigt. Als Stars werden Errol Flynn und Olivia de Havilland offeriert. Der Seeräuber-Streifen, den wir hier vorgesetzt bekommen, hat zu dieser Zeit jedoch schon satte 15 Jahre auf dem Buckel (die Premiere war 1935 in den USA).

Nach fünf eher belanglosen und in Vergessenheit geratenen Filmen war Captain Blood  – so der amerikanische Originaltitel – Flynns erster großer Erfolg, der zugleich eine Konjunktur der Piratenfilme auslöste. Doch als sich im Sommer ‘50 der elegante Draufgänger Flynn vor unseren Augen über die große Leinwand kämpft, ist er im wirklichen Leben gezeichnet von Alkoholsucht und Drogenkonsum, so dass sich seine Karriere dem Ende zuneigt. Unter Piratenflagge weiterlesen

Herr des Wilden Westens

Illustrierte Filmbühne Nr. 660 (E. S.) – Die Eisenbahnen spielen in den USA zur Erschließung des Westens im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Der Bau der Strecke durch die „Union”- und „Central Pacific” in den Jahren von 1865 bis 1869 kostet Hunderte von Menschen das Leben, wofür vor allem das durch Profitgier erzeugte höllische Bautempo verantwortlich ist Mehrere Spielfilme dokumentieren später die Ereignisse. 

Herr des Wilden WestensAn die historische Bedeutung der Ost-West-Verbindung in den USA werde ich erinnert, als ich im Sommer 1950 in der Zeitung lese, dass US-Präsident Harry S. Truman die Eisenbahn-Trusts der Regierungskontrolle unterstellt hat, weil 300 000 ihrer Angestellten für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt haben. Just in dieser Zeit sehe ich in Frankfurt auch den Western Herr des Wilden Westens, in dem der Trassenbau ebenfalls Anlass für reichlich Mord und Totschlag gibt. Im Film löst die Ankunft der Bahnlinie in Dodge City jedenfalls eine Welle der Gewalt aus. Verbrecher und Betrüger beherrschen die Stadt; Korruption, Falschspiel, leichte Mädchen und Trinkgelage in den vollen Vergnügungstempeln prägen das Bild.

Als „Mann des Gesetzes” sorgt jedoch ein gewisser Wade Hatton (Errol Flynn) im Auftrag des Bürgertums in der wirtschaftlich aufstrebenden Viehmetropole von Kansas für Ordnung. Das zunächst durchaus geduldete Gangsterunwesen stört zunehmend ihre Geschäfte, und die örtlichen Politiker greifen bei ihren Bemühungen, für Ordnungen zu sorgen, auch auf Männer zurück, die selbst oft zweifelhaften Ruhm als Revolvermänner genießen. Auch Wade Hatton? Herr des Wilden Westens weiterlesen

Robin Hood – König der Vagabunden

IFB Nr. 609 (© E. S.) Nach dem Zweiten Weltkrieg, der vor elf Jahren ausgelöst worden ist, und den Zerstörungen in den Großstädten, gibt es am 1. September 1950 in Frankfurt und den Vororten schon wieder rund 50 Kinos. Eines davon ist der prächtige Filmpalast, in dem am 25. August der bereits zwölf Jahre alte Film Robin Hood, König der Vagabunden gestartet wird.

RobinHood„Robin Hood” der König der Vagabunden“, das ist „ein Film in einer Farbenpracht wie nie zuvor”, wie der Werbebotschaft in der Tagespresse in Frankfurt zu entnehmen ist. Doch nicht nur in den Kinos geht es immer bunter zu, auch das tägliche Leben pulsiert schon kraftvoller als zuvor zwischen den immer noch herumliegenden Trümmern in der Stadt. In den kleinen, intimen Lauben des Weinlokals „Grinzing“ in der Weserstraße sorgen „schöne Frauen für den richtigen Anschluss im Haus der Tischtelefone”. Und tatsächlich ist das Angebot an Unterhaltung zu dieser Zeit bereits recht variantenreich.

Ein Blick in den Anzeigenteil der  Zeitung „Frankfurter Rundschau” vom Freitag, 1. September, verrät jedenfalls eindeutig, dass im „Lorsbacher Tal” in Sachsenhausen an diesem Abend neben dem üblichen und obligatorischen Äppelwoi außerdem „frische Metzelsuppe” feilgeboten wird. Die Städte Rüdesheim und Mainz laden gleichzeitig zu ihren Weinfesten (Eintritt mit Glas 0,80 DM, ohne Glas 0,60 DM) und versprechen, rundum für das leibliche Wohl der Besucher zu sorgen.

Gleichwohl zieht es uns – meine Feunde und mich – in den Filmpalast. Der spannende Abenteuerfilm um Robin Hood mit den Hauptdarstellern Errol Flynn und Olivia de Havilland verspricht schließlich beste Unterhaltung. Robin Hood – König der Vagabunden weiterlesen

Das goldene Tor

Illustrierte Filmbühne Nr. 126  (E. S.) – Mit den vielen Lichtspielhäusern in der Kaiserstraße, dem einstigen prächtigen Boulevard, der von der Frankfurter Innenstadt schnurgerade  zum Hauptbahnhof führt, hat es eine eigentümliche Bewandtnis. Seit jeher liegen sie alle auf der Nordseite der Straße, dort wo die Hausnummern gerade sind. Auch die Hansa-Lichtspiele, in denen im Frühjahr 1947 der Paramount-Film Das Goldene Tor auf dem Programm steht.

Das goldene TorAn der Ecke zur Neuen Mainzer Straße liegt der Gloria-Palast (Hausnummer 28); er ist allerdings lange von den US-Amerikanern beschlagnahmt, in Richtung Hauptbahnhof schliessen sich das Hansa (Hausnummer 50), das Kaiser-Kino (Nr. 54), die Rex-Lichtspiele (Nr. 64) und die Lichtburg  (Nr. 74) an. Als erstes dieser Kinos hat die altehrwürdige Lichtburg schon im Juli 1945 wieder den Betrieb aufgenommen, die Schauburg in Bornheim beginnt ihre Arbeit im August, als drittes Lichtspiel-Theater folgt das Hansa am 19. Oktober 1945. Das Bahnhofsviertel ist eine üble Gegend, aber durch den Krieg sind viele Menschen abgebrüht und unempfindlich gegen den tristen Alltag. Der Schwarzmarkt blüht, es gibt eine extrem hohe Kriminalität, vor einigen Monaten hat ein Gangster auf der Flucht vier unbeteiligte Passanten und dann sich selbst erschossen. Um die Geschäftemacherei in den Griff zu bekommen, haben die Amerikaner an der Ecke Kaiser/Weserstraße eine Tauschzentrale eingerichtet. Deutsche verscherbeln hier ihre restlichen Wertgegenstände gegen Lebensmittel aus den USA. Das goldene Tor weiterlesen