Der blaue Engel

Das Neue Filmprogramm (© E. S.) Ein Wiedersehen mit dem Heinrich Mann-Drama Der blaue Engel gibt es im Februar 1951 im Frankfurter Filmpalast: Der Film erzählt die Tragödie des Gymnasialprofessors Rath, der sich durch ungehemmte Leidenschaft für die Tingeltangel-Sängerin Lola gegen Ende des 19. Jahrhunderts zugrunde richtet.

Blauer EngelEin blauer Engel ist mir seit frühester Kindheit ein Begriff. Als dien Eltern in der Elisabethenstraße im südlichen Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen wohnen, gibt es eine Kneipe dieses Namens direkt im Eckhaus der Dreikönigsstrasse zur Brückenstrasse hin, nur wenige Meter von unserem Haus entfernt, das aber bei den Bombenangriffen im März 1944 völlig niederbrennt. Nach der Rückkehr aus der Evakuierung finden wir eine Bleibe in der Wallstrasse, aber auch von da ist es nicht viel weiter hin zum „Blauen Engel“ als vorher. Die Wirtschaft hat erhebliche Schäden davongetragen, auffällig ist aber, dass das mächtige Gasthaus-Schild – es zeigt einen stilisierten blauen Engel – erhalten geblieben ist, wenn auch beschädigt. Ob der Name des Lokals mit dem Film Der blaue Engel zu tun hat, oder nicht, bleibt mir verborgen, spielt aber keine große Rolle. Als ich jedoch diesen berühmten Film im Jahr 1950bei seiner Wiederaufführung zu sehen bekomme, erinnere ich mich sogleich an dieses Wirtshausschild, prangt es doch immer noch – leicht beschädigt –, über dem Eingang des Lokals, ehe es später dem Wiederaufbau der Fünfziger Jahre zum Opfer fällt. Der blaue Engel weiterlesen

Die rote Lola

Illustrierte Filmbühne Nr. 867 (E. S.) – Das ist überaus ein zwiespältiger Film. Als ich als junger Mann 1951 Die rote Lola in der Harmonie sehe, empfinde ich ihn als nicht besonders überzeugend. Die Rückblende zu Beginn erscheint verwirrend, zumal sie sich am Ende des Films als glatte Lüge erweist. 

Rote LolaDas geht mir nicht alleine so. Auch viele Kritiker urteilen nicht anders, sehen den Film sogar als eine „Verhohnepiepelung“ des Publikums; wahrscheinlich, weil sowohl den Zuschauern als auch den professionellen Beobachtern diese Art der Filmerzählung Anfang der Fünfziger Jahre noch recht fremd ist. Allerdings ändert sich die Betrachtung später grundlegend. Es wird nun anerkannt, dass der Regisseur Alfred Hitchcock mit seiner Darstellung  seiner Zeit (wieder einmal) weit voraus gewesen ist. Abgesehen davon bleibt für mich trotz mancher Einwände schon 1951 die Hand des „großen Meisters“ spürbar. Allerdings ist der in Deutschland vom Warner-Verleih gewählte Titel wieder einmal völlig verfehlt. Er hat mit dem Inhalt des Films nichts zu tun, und wird von vielen Filmhistorikern als ein kommerzielles Trittbrettfahren im Zusammenhang mit Marlene Dietrich und ihrem früheren deutschen Erfolgsfilm „Der blaue Engel“ interpretiert.

Gleichwohl fasziniert wieder einmal, wie Hitchcock hier seine Figuren agieren lässt. Es entsteht ein höchst interessantes Bild über die Natur des Rollenspiels und damit über die Welten zwischen Phantasie und Wirklichkeit. Die rote Lola weiterlesen

Die Freibeuterin

Illustrierte Filmbühne Nr. 539 (E. S.) – Als der 42 Jahre alte deutsche Profiboxer Walter Neusel am Sonntag, 19. März 1950, in Berlin gegen den 24jährigen Conny Rux im Ring steht, hat er zweifellos die Schnauze gestrichen voll vom jahrelangen Preisboxen um Börsen, Titel, Pokale. Denn nachdem er vier Runden lang die Schläge von Rux hat über sich ergehen lassen, lässt er sich in der fünften auszählen und erklärt dem überraschten Publikum kurz und knapp: “Ich trete ab.”

Die FreibeuterinNeusel hat also keine Lust mehr auf Schlägereien, was man zu dieser Zeit im Kino von den Westernhelden John Wayne und Randolph Scott nicht unbedingt behaupten kann. In dem Film Die Freibeuterin (später Stahlharte Fäuste) liefern sie sich zum Gaudi eines begeistert johlenden Publikums eine der aufregendsten und spektakulärsten Schlägereien der Western-Geschichte.

Der Film ist schon 1942 gedreht worden und läuft ab 31. Januar 1950 in den deutschen Kinos. Wer Wildwest-Atmosphäre und Abenteuer jedweder Art zu schätzen weiß, kommt jedenfalls vor der Leinwand voll auf seine Kosten, ist doch die „regelfreie“ Prügelei zwischen den Kampfhähnen Wayne und Scott weit interessanter als im Berliner Ring der Faustkampf zwischen den Kontrahenten Walter Neusel und Conny Rux.

Es geht ja im Film auch um spannenderes als nur um drei läppische Kampfminuten bis zum nächsten Gong. Bestechliche Beamte, eine Saloon-Schönheit, raue Goldgräber und sonstiges zwielichtiges Gesindel, das sich in einer kleinen Stadt in Alaska versammelt hat, um im Goldfieber der 1890er Jahre ihre (ehrlichen oder meist unehrlichen) Geschäfte zu machen, prägen das Geschehen. Die Freibeuterin weiterlesen

Das Haus der sieben Sünden

Illustrierte Filmbühne Nr. 365 (E. S.) – Die attraktive  Barsängerin Mijou (Marlene Dietrich) und der Armeeoffizier Bruce Whitney (John Wayne) sind die Hauptdarsteller des Universal-Films Das Haus der sieben Sünden, bei dem nicht so schnell klar wird, ob er als Melodram oder vielleicht humoristischer Abenteuerfilm angelegt ist. Der Streifen ist 1940 in Filmstudios in Hollywood aufgenommen worden, einige wenige Außenaufnahmen werden in einem kalifornischen Hafen gedreht.  Also weit weg von der Südsee, die den Hintergrund der Handlung abgibt.

Haus der 7 sündenZu dieser Zeit gilt der Pazifische Ozean aus Sicht der Produzenten trotz der bereits starken Präsenz der US-Flotte durchaus als ein paradiesisches Stück unserer Erde. Und niemand von den Filmemacher ahnt, dass am 7. Dezember 1941 – wenige Monate nach dem Ende der Dreharbeiten  – ein japanischer Angriff auf den Stützpunkt Pearl Harbor erfolgen wird, der dann den Kriegseintritt der USA zur Folge hat. Weil vorher alles noch ruhig ist auf dem großen Wasser zwischen dem amerikanischen und asiatischen Kontinent, haben es die Marines also hauptsächlich mit so renitenten Leuten wie der Barsängerin Bijou zu tun, die von Insel zu Insel reist und dabei nicht nur die Soldaten und Einheimischen mit ihren Liedern unterhält, sondern ständig für Ungemach sorgt. Schlägereien wegen ihr sind an der Tagesordnung. Immer wieder wird sie von den Behörden  ausgewiesen.

Bei ihrer ruhelosen und nicht immer freiwilligen Fahrt durch die Südsee – so verrät uns jedenfalls die „Illustrierte Filmbühne Nr. 365” – lernt sie jedenfalls auf dem Stützpunkt Boni-Komba in der Bar „der sieben Sünden” den jungen Marineoffizier Bruce Whitney (John Wayne) kennen, der sich nicht nur in sie verliebt und sie heiraten, sondern wegen ihr auch seinen Dienst quittieren will. Doch Bijou weist nach „schwerem seelischen Qualen” seinen Antrag ab, weil sie seine Karriere nicht zerstören will.

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Martin Roumagnac

Illustrierte Filmbühne Nr. 263  (E. S.) – Die Hansa-Lichtspiele in der Friedrich Ebert-Straße, wie die alte Kaiserstraße nach dem Krieg von 1947 bis zum 12. Mai 1955 in Frankfurt am Main offiziell bezeichnet wird  – eine Umbenennung, die der Neuordnung nach dem Krieg geschuldet ist, in der Bevölkerung aber wenig beliebt ist –, machen 1948 in einer Werbeanzeige darauf aufmerksam, dass „das Theater gut geheizt” ist, eine keineswegs absurde Einlassung der Kinobesitzer.

Martin RoumanacDer wertvolle Hinweis auf ein warmes Plätzchen ist der Tatsache geschuldet, dass die Winter in den Nachkriegsjahren bitterkalt sind in Frankfurt am Main und auch Heizmaterial trotz der bereits durchgeführten Währungsreform noch immer Mangelware ist. Außerdem steht Weihnachten vor der Tür. Gezeigt wird an den Feiertagen der französische Film Martin Roumagnac. Die Hauptdarsteller in dem Melodram sind Marlene Dietrich und Jean Gabin. In Tageszeitungen wird berichtet, Jean Gabin habe nach sieben Jahren Abwesenheit  aus Frankreich – er war vorübergehend (relativ erfolglos) in Hollywood und danach in der französischen Armee tätig – erstmals wieder einen Film in seinem Heimatland Frankreich gedreht, Marlene Dietrich dagegen steht nach dem Kriegsende erstmals wieder in Europa vor der Kamera. Es ist also durchaus eine filmische Attraktion. Über die Handlung des Films ist allerdings doch nicht so arg viel übrig geblieben. Martin Roumagnac weiterlesen

Die Abenteuerin

 Illustrierte Filmbühne Nr. 243 (E. S.) – Irgendwie geht es fast immer um’s Geld. Und nicht nur um Liebe. In der Ausgabe der  Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” von Heiligabend, 24. Dezember 1948, sucht eine überaus gesunde und schlanke Bauerntochter einen Holzfachmann zum Heiraten, und offeriert ein zum Hof gehörendes Sägewerk als Zugabe. Gleich nebenan stehenden die Kinoanzeigen und dort wird kräftig für den Film Die Abenteuerin geworben. Und diese Abenteuerin sucht nun ebenfalls einen Mann – allerdings hat sie im Gegensatz zur Bauerntochter außer ihrem Aussehen nichts zu bieten.

Die AbenteuerinAus diesem Grund hält die attraktive Claire Ledeaux (Marlene Dietrich) Ausschau nach einem gut betuchten Mann. Und sie findet ihn in Gestalt des reichen Bankiers Charles Giraud (Roland Young). Dass am Ende dann aber der eher arme Mississippi-Kapitän Robert Latour (Bruce Cabot) das Rennen macht, ist nur der Liebe geschuldet. Als Claire am Tag der geplanten Hochzeit den Bankmenschen verlässt und mit Robert Latour auf dessen Dampfer davon schippert, wirft sie ihr Brautkleid erleichtert in den Mississippi. Wieder einmal: Ende gut, alles gut! Die geläuterte Claire fährt in eine finanziell ungewisse, aber gleichwohl von Liebe geprägte Zukunft. Eine überaus ansehnliche Romanze rund um Orleans, angereichert mit vielen komödiantischen Elementen geht mit einem Happyend zu Ende. Wer hätte das nicht geahnt. Der Vorhang fällt… Die Abenteuerin weiterlesen

Der große Bluff

Illustrierte Filmbühne Nr. 30  (E. S.) – Einer der ersten und auch besten Western, die in den westlichen Besatzungszonen in die Kinos kommen, ist der 1939 gedrehte Film Der große Bluff mit James Stewart und Marlene Dietrich. Dabei darf ausreichend geschmunzelt werden, zählen doch die heiteren Szenen zum Besten in diesem Genre, vor allem, wenn der von den Bösewichten erwartete Revolverheld Destry mit dem Vogelkäfig aus der Postkutsche steigt und sich (anscheinend) der Lächerlichkeit preisgibt. 

Der-große-BluffDie Jugendlichen zwischen Zugspitze und Flensburg, die in der Nazi-Zeit solche Filme nicht mehr gesehen haben, mögen das natürlich durchaus, auch wenn  der gerade zu Ende gegangene Krieg auf der Leinwand im ballernden „Kleinformat” weitergeführt wird. Die raue und wilde Kleinstadt Bottle Neck (Flaschenhals) jedenfalls wird von ziemlich rüden Gangstern beherrscht (am der Spitze Brian Donlevy), der ehrenwerte Sheriff ermordet; als Witzfigur wird vom korrupten Bürgermeister (und Richter) der stadtbekannte Säufer Washington Dimsdale eingesetzt. Der jedoch hört unerwartet mit dem Trinken auf und holt seinen Freund Destry in die Stadt, um das böse Gesindel zu verjagen.

Doch dieser Destry hält sich – zur Enttäuschung von Dimsdale – eher an die Buchstaben des Gesetzes anstatt das Schießeisen zu benutzen. Es ist klar, dass  in diesem Film das Gute siegen wird – und ideologisch gesehen ist der Streifen gerade deshalb auch bestens dazu geeignet, die alliierten Maßnahmen zur „Umerziehung und Demokratisierung der Deutschen” in ihrer Zone zu befördern. Vor allem die Tendenz zu Recht und Ordnung prädestiniert den Film für diesen Zweck. Der große Bluff weiterlesen