Die Liebesabenteuer des Don Juan

Illustrierte Filmbühne Nr. 1080 (E. S.) – Friedrich Wollenberg, Besitzer des „Metro im Schwan” an der Hauptwache in Frankfurt, hat sich wieder einmal etwas Besonderes ausgedacht, als der Warner-Streifen Die Liebesabenteuer des Don Juan Premiere hat. Nicht gerade verwunderlich, denn Wollenberg ist stadtbekannt für seine außergewöhnliche Werbemaßnahmen.  

Die Liebesabenteuer des Don JuanAls der Film Anfang März 1951 vor seiner Erstaufführung in der Mainmetropole steht, ordert Wollenberg sage und schreibe 10 000 kleine Blumensträußchen bei einschlägigen Händlern, lässt die gleiche Zahl von winzigen Visitenkärtchen drucken, und fügt sie den Gebinde bei. Die Geschenke werden von Pagen in der Innenstadt verteilt. Auf den Kärtchen steht nicht viel, nur einige Worte: „Ihr Don Juan erwartet Sie. Telefon 34668!“ Es ist eine eigens eingerichtete Nummer für den Vorverkauf. Im Gefolge der Pagen rollt – wie die Zeitung „Frankfurter Rundschau” am 6. März zu berichten weiß –, ein von Ponys gezogener Wagen des Zoologischen Gartens durch die Stadt, der ebenfalls zur eingesetzten Werbekolonne gehört. Klappern gehört für den Kinozar einfach zum Handwerk. Es ist nicht überliefert, inwieweit die Aktion den Besuch des Kinos tatsächlich positiv beeinflusst hat, immerhin ist Hauptdarsteller Errol Flynn zu dieser Zeit auch ohne massive Werbung immer noch ein Kassenmagnet, obwohl sein Stern in der Heimat wegen diverser Alkoholprobleme bereits am Sinken ist. Die Liebesabenteuer des Don Juan weiterlesen

Der Verrat des Surat Khan

Illustrierte Filmbühne Nr. 961 (E. S.) – Der Warner-Streifen Der Verrat des Surat Khan ist Mitte April 1950 im Frankfurter Filmpalast zu sehen – und es ist ein durch und durch zwiespältiger Film: Auf der einen Seite die Verharmlosung britischer Kolonialgeschichte, pathetische Glorifizierung des Heldentodes, andererseits spektakuläre Bilder, die zu den ausgefeiltesten der Filmgeschichte zählen dürften.

Der Verrat-des-Surat-KhanUnverhohlen wird der Krieg verherrlicht, der „Heldentod“ als eine durchaus ehrenwerte Sache dargestellt. Fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinen Millionen Toten wirkt der Film zu dieser Zeit deshalb eher ein wenig befremdlich. Die Freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Filmwirtschaft (FSK) in Wiesbaden hat an dieser Tendenz freilich nichts auszusetzen. Anfang der Fünfziger Jahre entspricht das auch durchaus dem Zeitgeist in der Bundesrepublik. Abgesehen von diesem Aspekt überzeugen die mehr als kunstvoll arrangierten Actionszenen. Regisseur Michel Curtiz greift dabei auch beim zweiten großen Film von Errol Flynn nach dem erfolgreichen „Captain Blood“ („Unter Piratenflagge“) mit Bravour und Geschick in die Trickkiste Hollywoods. Der Spielleiter erweist sich dabei als Meister seines Faches, insbesondere bei der Anordnung spektakulärer Szenen. Eine groß angelegte Leopardenjagd, untermalt vom Dröhnen unzähliger Trommeln und der großartigen Filmmusik Max Steiners, die Erstürmung eines Forts, kreischende Frauen und brüllende Kinder –  das hinterlässt einen starken Eindruck und weist hin auf die meisterliche Hand von Kameramann Sol Polito. Der Verrat des Surat Khan weiterlesen

Goldschmuggel nach Virginia

Illustrierte Filmbühne Nr. 887 (E. S.) – Der blutige amerikanische Bürgerkrieg in den Jahren von 1861 bis 1865 bildet den Hintergrund des Films Goldschmuggel nach Virginia, obwohl das auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. Der Konflikt, der mit der Niederlage der Konföderierten aus dem Süden endet, ist in den 105 Minuten allgegenwärtig, wenngleich das Ganze eher als einer der üblichen Western dargeboten wird. 

GoldschmuggelDer Film kommt mit allen Zutaten daher, die einen solchen unterhaltsamen Western eben ausmachen: die schrillen Saloons und Bars, staubige Straßen, Prügeleien, Revolverduelle, rasante Ritte, Kerle von Schrot und Korn, Schlauheit und Feigheit, Heldentum – und natürlich die große Liebe. Dass bei solchen Ingredienzien die tieferen Ursachen für den Krieg weitgehend ausgeblendet bleiben, ist aus Sicht der Filmproduzenten durchaus verständlich. Denn Aufklärung ist nicht ihre Sache, sie haben das kalkulierbare Geschäft mit viel Profit auf ihren Fahnen geschrieben. Wohl deshalb auch erfährt der Zuschauer nur ganz am Rande des Films von der permanent andauernden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten, von der Sklaverei in den Südstaaten, der Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten und dem nach und nach folgenden Austritten von South Carolina, Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana, Texas, Virginia, Tennessee, Arkansas, North Carolina aus der Union. Goldschmuggel nach Virginia weiterlesen

San Antonio

Illustrierte Filmbühne Nr. 768 (E. S.) – Das ist ein Wildwest-Film wie er so rechts typisch ist für die Zeit Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre. Ein integer und einwandfrei daherkommender Held legt sich mit einer Bande von  Strauchdieben und anderen Verbrechern an, besiegt sie – einerseits mit der moralischen Keule, gelegentlich aber auch mit ein paar gut gezielten Schüssen – und landet  mit einer Stadthübschen im Hafen der Ehe, wobei die Dame auch mal  eine durchaus verruchte Sängerin sein darf.

San AntonioEs sind vor allem die ständigen Reibereien und handfesten Duelle mit Fäusten oder Revolvern zwischen Ranchern und Viehdieben, die viele dieser Filme prägen. Manches wirkt wie ein Abziehbild der internationalen Politik. Die Guten gegen die Bösen, wobei durchaus im wirklichen Leben nicht immer klar ist, wer denn nun eigentlich wer ist…

Als San Antonio im Februar 1951 im Harmonie-Kino in Frankfurt zu sehen ist, lockt aber vor allem die Besetzung mit Errol Flynn und Alexis Smith ins Kino. Die beiden Hollywood-Stars bleiben dem Zuschauer nichts schuldig. Der elegante Westerner Flynn, der als Clay Hardin im Clinch mit dem zwielichtigen Roy Stuart (Paul Kelly) liegt, befreit als einsamer Kämpfer für Recht und Ordnung  San Antonio von den Bösewichten dieser Welt. Ein Mann wie Flynn – wer hätte das nicht erwartet? – ist natürlich über jeden Zweifel erhaben, und so starren wir alle gebannt auf die Leinwand und warten darauf, dass der gute Errol dem Spitzbuben schnellstmöglich das unsaubere Handwerk legt. San Antonio weiterlesen

Unter Piratenflagge

Illustrierte Filmbühne Nr. 747  (E. S.) – Fünf lange Jahre ist das so genannte „Reichssportfeld” im Frankfurter Stadtwald bereits von den US-Militärbehörden für eigene Zwecke beschlagnahmt gewesen und in Victory Park umbenannt worden, als nach und nach immer mehr Teilbereiche des Stadion wieder für die deutsche Bevölkerung freigegeben werden – als letztes im Sommer 1950 das von den Frankfurtern so sehr geschätzte Schwimmbad.

Unter PiratenflaggeDieser Vorgang ist durchaus erfreulich. Denn die sehr lapidare Feststellung, dass es in Deutschland zu dieser Zeit warm ist, wäre gewiss maßlos  und ziemlich untertrieben: Es ist gnadenlos heiss! Die Temperaturen steigen fast überall auf satte 30 Grad; in München werden Anfang Juli sogar knapp 35 Grad gemessen. Eigentlich keine Motivation für einen Kinobesuch. Gleichwohl zieht es mich aber in den Filmpalast in der Innenstadt. Dort wird seit dem 4. Juli der Abenteuerfilm Unter Piratenflagge gezeigt. Als Stars werden Errol Flynn und Olivia de Havilland offeriert. Der Seeräuber-Streifen, den wir hier vorgesetzt bekommen, hat zu dieser Zeit jedoch schon satte 15 Jahre auf dem Buckel (die Premiere war 1935 in den USA).

Nach fünf eher belanglosen und in Vergessenheit geratenen Filmen war Captain Blood  – so der amerikanische Originaltitel – Flynns erster großer Erfolg, der zugleich eine Konjunktur der Piratenfilme auslöste. Doch als sich im Sommer ‘50 der elegante Draufgänger Flynn vor unseren Augen über die große Leinwand kämpft, ist er im wirklichen Leben gezeichnet von Alkoholsucht und Drogenkonsum, so dass sich seine Karriere dem Ende zuneigt. Unter Piratenflagge weiterlesen

Herr des Wilden Westens

Illustrierte Filmbühne Nr. 660 (E. S.) – Die Eisenbahnen spielen in den USA zur Erschließung des Westens im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Der Bau der Strecke durch die „Union”- und „Central Pacific” in den Jahren von 1865 bis 1869 kostet Hunderte von Menschen das Leben, wofür vor allem das durch Profitgier erzeugte höllische Bautempo verantwortlich ist Mehrere Spielfilme dokumentieren später die Ereignisse. 

Herr des Wilden WestensAn die historische Bedeutung der Ost-West-Verbindung in den USA werde ich erinnert, als ich im Sommer 1950 in der Zeitung lese, dass US-Präsident Harry S. Truman die Eisenbahn-Trusts der Regierungskontrolle unterstellt hat, weil 300 000 ihrer Angestellten für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt haben. Just in dieser Zeit sehe ich in Frankfurt auch den Western Herr des Wilden Westens, in dem der Trassenbau ebenfalls Anlass für reichlich Mord und Totschlag gibt. Im Film löst die Ankunft der Bahnlinie in Dodge City jedenfalls eine Welle der Gewalt aus. Verbrecher und Betrüger beherrschen die Stadt; Korruption, Falschspiel, leichte Mädchen und Trinkgelage in den vollen Vergnügungstempeln prägen das Bild.

Als „Mann des Gesetzes” sorgt jedoch ein gewisser Wade Hatton (Errol Flynn) im Auftrag des Bürgertums in der wirtschaftlich aufstrebenden Viehmetropole von Kansas für Ordnung. Das zunächst durchaus geduldete Gangsterunwesen stört zunehmend ihre Geschäfte, und die örtlichen Politiker greifen bei ihren Bemühungen, für Ordnungen zu sorgen, auch auf Männer zurück, die selbst oft zweifelhaften Ruhm als Revolvermänner genießen. Auch Wade Hatton? Herr des Wilden Westens weiterlesen

Robin Hood – König der Vagabunden

IFB Nr. 609 (© E. S.) Nach dem Zweiten Weltkrieg, der vor elf Jahren ausgelöst worden ist, und den Zerstörungen in den Großstädten, gibt es am 1. September 1950 in Frankfurt und den Vororten schon wieder rund 50 Kinos. Eines davon ist der prächtige Filmpalast, in dem am 25. August der bereits zwölf Jahre alte Film Robin Hood, König der Vagabunden gestartet wird.

RobinHood„Robin Hood” der König der Vagabunden“, das ist „ein Film in einer Farbenpracht wie nie zuvor”, wie der Werbebotschaft in der Tagespresse in Frankfurt zu entnehmen ist. Doch nicht nur in den Kinos geht es immer bunter zu, auch das tägliche Leben pulsiert schon kraftvoller als zuvor zwischen den immer noch herumliegenden Trümmern in der Stadt. In den kleinen, intimen Lauben des Weinlokals „Grinzing“ in der Weserstraße sorgen „schöne Frauen für den richtigen Anschluss im Haus der Tischtelefone”. Und tatsächlich ist das Angebot an Unterhaltung zu dieser Zeit bereits recht variantenreich.

Ein Blick in den Anzeigenteil der  Zeitung „Frankfurter Rundschau” vom Freitag, 1. September, verrät jedenfalls eindeutig, dass im „Lorsbacher Tal” in Sachsenhausen an diesem Abend neben dem üblichen und obligatorischen Äppelwoi außerdem „frische Metzelsuppe” feilgeboten wird. Die Städte Rüdesheim und Mainz laden gleichzeitig zu ihren Weinfesten (Eintritt mit Glas 0,80 DM, ohne Glas 0,60 DM) und versprechen, rundum für das leibliche Wohl der Besucher zu sorgen.

Gleichwohl zieht es uns – meine Feunde und mich – in den Filmpalast. Der spannende Abenteuerfilm um Robin Hood mit den Hauptdarstellern Errol Flynn und Olivia de Havilland verspricht schließlich beste Unterhaltung. Robin Hood – König der Vagabunden weiterlesen

Der freche Kavalier

Illustrierte Filmbühne Nr. 154  (E. S.) – Während sich Max Schmeling, Conny Rux, Richard Grupe, Walter Neusel, Richard Vogt, Hein ten Hoff und andere im Deutschland durch die Nachkriegszeit boxen, macht Errol Flynn in dem großartigen autobiographischen Boxer-Film Der freche Kavalier (Gentlemen Jim), der Anfang 1947 in die Kinos kommt, mit unwiderstehlichem Charme Furore und straft dabei die Mär von den ungehobelten Faustkämpfern Lüge.

Der freche KavalierMax Schmeling feiert nach Kriegspause und im reifen Alter von immerhin 42 Jahren ein Comeback im Frankfurter Waldstadion. Er muss nach jetzt achtjähriger Boxpause nur noch deshalb in den Ring klettern, weil er finanziell ziemlich klamm ist. Und obwohl „Maxe” – er hat 17 Jahre zuvor gegen Jack Sharkey den WM-Titel gewonnen–, nicht in allen Belangen überzeugen kann, knockt er in diesem wichtigen, ersten „Aufbaukampf” den Magdeburger Richard Vollmer in der 7. Runde aus. Fast 40 000 Zuschauer sind bei diesem Fight dabei, was umso beachtlicher ist, als zu dieser Zeit an Sonntagen keine Straßenbahnen unterwegs sind und die Taxifahrer bei ihrer Preisgestaltung nicht zimperlich sind.

Verlangt werden – so berichtet damals jedenfalls das Magazin „Der Spiegel” – für eine Fahrt vom Hauptbahnhof in den Stadtwald glatte 200 Reichsmark. Wer sich das nicht leisten kann, kommt zu Fuß oder Fahrrädern. Das ist die harte Realität und das wirkliche Leben hierzulande. Der Film dagegen erzählt nett und phantasievoll die Geschichte vom James J. Corbett, der als junger Bankmensch von einer glanzvollen Laufbahn als Karriere als Boxer träumt, und tatsächlich Weltmeister im Schwergewicht wird, als er 1892 dem bis dahin einzigen und bereits seit zehn Jahre amtierenden Champion James L. Sullivan schlägt. Der freche Kavalier weiterlesen

Der Herr der sieben Meere

Illustrierte Filmbühne Nr. 32 (E. S.) – Als im Frühjahr 1948 der Seeräuber-Film Der Herr der sieben Meere in die deutschen Kinos kommt, ist es nicht nur ein spannend-spektakuläres Abenteuer-Drama, sondern – wahrscheinlich von den Warner-Studios eher unbeabsichtigt – auch ein durchaus politischer Streifen, wobei Drehbuchautor Howard Koch und Regisseur Michael Curtiz einige diskrete Fingerzeige auf die Situation von 1940 liefern.

Herr der sieben MeereImmerhin lässt sich der Anspruch auf die Weltherrschaft des spanischen Königs Philipp zweifellos auch als Hinweis auf Adolf Hitler interpretieren, währenddessen die britische Regentin Elizabeth zunächst einmal eine  taktisch motivierte Beschwichtigungspolitik betreibt, eine Haltung, die sich später auch zeitweise in der Tätigkeit von Winston Churchill wieder findet. Es geht in dem mit glanzvollen Seegefechten und harten Enter-Szenen ausgestatteten Film also um harte Politik – letztlich um die totale Beherrschung der Weltmeere, was insbesondere auch wirtschaftlichen Konflikte zwischen Spanien und England hervorruft. Zwar herrscht offiziell Frieden zwischen diesen Staaten, doch der Schein trügt. Die Spanier rüsten ihre Flotte auf und bereiten sich unverhohlen auf einen Krieg gegen die Insel vor, England hält sich noch zurück, lässt aber viele seine Kapitäne als Seeräuber fungieren. Der Herr der sieben Meere weiterlesen