Gehetzt

Illustrierte Filmbühne Nr. 1093 (E. S.) Psychologische Differenzierung, dichte Atmosphäre und die analytisch-kritische Darstellung einer aus Dummheit und Engherzigkeit geborenen Massenhysterie machen ihn zum Klassiker seines Genres und zum amerikanischen Gegenstück zu dem dramatischen Streifen „M” (Deutschland 1931).

GehetztGute und spannende Filme starten Anfang der Fünfziger Jahre nicht immer in den Premierentheatern Frankfurts: etwa im Turm- oder Filmpalast oder im Metro im Schwan. Kleinere Verleiher wie etwas die amerikanische United Artists müssen zur Erstaufführung oft in Häuser der zweiten Kategorie ausweichen. Ein Beispiel dafür ist der Film Gehetzt, der erstmals nach dem Krieg für wenige Tage in der Mainmetropole im Hansa und Roxy zu sehen ist. Der Streifen ist schon satte 15 Jahre alt, sein Regisseur heisst Fritz Lang. Von Lang weiß ich zu dieser Zeit nur, dass er in Deutschland mit dem Stummfilm Metropolis (1923) zu Berühmtheit gelangt ist, und 1932 mit „M” einen frühen Tonfilm-Klassiker geschaffen hat – ein Streifen, in dem Peter Lorre als gejagter Mörder eine Glanzleistung abliefert. Gehetzt weiterlesen

Jesse James – Mann ohne Gesetz

Illustrierte Filmbühne Nr. 960 (E. S.) – Wer war Jesse James? Ein Kämpfer gegen das Unrecht oder nur ein gewöhnlicher Bandit?  Darüber streiten sich die Historiker längst nicht mehr, obwohl die filmische Aufarbeitung seines Lebens noch 1950 bei vielen Jugendlichen Kinobesuchern zur allgemeinen Verwirrung beiträgt – wie das so ist mit Biografien, die sich nicht immer an der historischen Wahrheit orientieren. Auch der Film Jesse James, Mann ohne Gesetz dient nicht der Auf-, sondern der Verklärung des lange volkstümlichen, aber auch skrupellosen Verbrechers.

Jesse-JamesDavon weiß ich noch nichts, als ich den Streifen im Januar 1951 in den Scala-Lichtspielen sehe. Jedenfalls glorifiziert der vom amerikanischen Filmverleih 20th Century Fox verbreitete kleine Werbetext – auch im wesentlichen abgedruckt in der „Illustrierten Filmbühne“ Nr. 960 – Jesse James als einen großartigen Gutmenschen: „Jesse James, ein junger Farmer, tapfer, treu und tollkühn, ein Mensch, der nicht begreifen kann, dass Unrecht im Namen des Gesetzes begangen wird, der sich widersetzt und nie die Sehnsucht nach dem Frieden verliert.“ Eine solche heroische Beschreibung ist nicht nur für die noch unbedarften Kinogänger einleuchtend, sondern verkauft sich als „Legende“ auch in den Medien viel besser. Dass das für das Geschäft förderlich ist, versteht sich am Rande.  Die Wahrheit ist jedoch oft viel prosaischer, auch wenn sie vielen von den jungen Kinobesuchern erst später klar wird. Viele Quellen belegen die Entwicklung vom aufmüpfigen, jungen Mann zum Banditen. Und beim Vergleich wird deutlich, dass sich Produzent und Regisseur nicht lange mit der historischen Wahrheit aufgehalten haben. Jesse James – Mann ohne Gesetz weiterlesen

Trommeln am Mohawk

Illustrierte Filmbühne Nr. 544 (E. S.) – Im Frankfurter Lichtspiel-Theater Roxy läuft am 31. März 1950 der Centfox-Film Trommeln am Mohawk an. Es ist eine Story, die nicht nur zum geschichtlichen Ursprung der Vereinigten Staaten von Nordamerika führt, sondern auch zur US-Politik im Westen Deutschlands in der Nachkriegszeit.

TrommelnWas der us-amerikanische Filmverleih in seiner Pressearbeit suggeriert, ist freilich oberflächlich. Die Werbeleute stellen in ihren Botschaften vor allem die „Kampfszenen zwischen Indianern und Farmern” in den Vordergrund oder kaprizieren sich ganz auf Mitteilungen dieser Art: „Wenn der Schlachtruf der Indianer gellt, (dann) werden Erinnerungen an die Zeiten Karl Mays wach.” Der Streifen scheint also einer der üblichen Western zu sein, in denen wild geritten, geschossen und mit den Fäusten zu Werke gegangen wird. Tatsächlich aber geht es um mehr. Zwar stehen Kämpfe zwischen den Farmern und Indianern im Mittelpunkt, aber da der Film im Jahr 1776 spielt – wenige Monate zuvor hat der Kampf der 13 verbündeten Kolonialstaaten Nordamerikas um die Unabhängigkeit von der britischen Krone begonnen – spielt auch dieser blutige Krieg (von 1775 bis 1783) eine zentrale Rolle. Es geht also um ein Stück wichtiger amerikanischen Geschichte, das nach 1945 auch den Deutschen in vielen Facetten vermittelt werden soll.

Deshalb entstehen in den Großstädten der amerikanischen Zone auch schnell die ersten Amerika-Häuser (offiziell: United States Information Center). Die Einrichtung gehört zum Programm der Militärbehörden, um nach zwölf Jahren Nazi-Herrschaft ihre eigenen Ideale von Demokratie, Kultur und Politik nach Deutschland zu transportieren. Trommeln am Mohawk weiterlesen

Faustrecht der Prärie

Illustrierte Filmbühne Nr. 406 (E. S.) – Über den Wahrheitsgehalt der durch viele Filme über alle Maßen berühmt gewordenen Schießerei am 26. Oktober 1881 in Tombstone (Arizona) zwischen des berüchtigten Earp-Brüdern und dem Clanton-Clan klären Historiker des Wilden Westens Amerikas in ihren diversen Veröffentlichungen weit präziser auf, als wir es können (und wollen). Wir verlieren hier nur ein paar Worte über den Western Faustrecht der Prärie, der ab 1. November 1949 in den deutschen Kinos gezeigt wurde.

FaustrechtIn dem Streifen von Regisseur John Ford geht es vordergründig nur um den Konflikt zwischen den „guten” Earp-Brüdern und den vielen „Bösewichten” der „Clanton-Familie“. Oberhäupling Wyatt Earp, dessen Bruder bei einer Schießerei mit den Clantons getötet worden ist, lässt sich deshalb umgehend in Tombstone als Sheriff anheuern und befreit das Städtchen in Arizona mit Hilfe des Spielers Doc Holliday von der gegnerischen Sippe. Alles wahr oder alles Lüge? Egal. Das Publikum mag ja solche Geschichten, in denen meist nur wenige Fakten stimmen, die aber dennoch ins Reich der Hollywood-Träume entführen und historische Tatsachen verbiegen; hinzu kommt auch noch, dass in Deutschland in der Nazi-Zeit über die Geschichte Amerikas wenig gelehrt worden ist. Für die meist sehr jungen Kinobesucher – auch ohne Kenntnisse der tatsächlichen Ereignisse im Wilden Westen – ist der oft dunkel und düster wirkende Film im Jahr 1949 jedenfalls sehr sehenswert, zumal er  viel von den Verhaltensweisen der Amerikaner und ihren politischen Grundhaltungen verrät. Faustrecht der Prärie weiterlesen