Liebesrausch auf Capri

Illustrierte Filmühne Nr. 1087 & DNF (E. S.) – Ohne nähere Einzelheiten über den Film „Liebesrausch auf Capri“ zu wissen, lockt doch der Titel in den Frankfurter Filmpalast. Denn Ende der Vierziger, auch noch Anfang der Fünfziger Jahre, ist in der Bundesrepublik ein Schlager in aller Ohren: „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt…”

Liebesrausch auf Capri

Viele Interpreten haben das Lied von Gerhard Winkler (Text: Ralph Maria Siegel) schon gesungen, am bekanntesten ist in dieser Zeit die einschmeichelnde Version mit Rudi Schuricke. Doch das Paramount-Melodram Liebesrausch auf Capri hat nun rein gar nichts zu tun, mit dem schnulzigen Ohrwurm, obwohl es sich im Film durchaus um eine Romanze der außergewöhnlichen Art handelt – wenn auch mit ernsterem Hintergrund. Liebesrausch auf Capri weiterlesen

Oh, Susanne!

Illustrierte Filmbühne Nr. 182 (E. S.) – Die Frankfurter Erstaufführung in den Scala-Lichtspielen Anfang Januar 1949. „Susanne verzaubert New York und ganz Amerika” trommelt die kleine Zeitungsanzeige und fügt fast bescheiden, wenn auch nachdrücklich hinzu: „…und auch uns in Frankfurt.” Mit dabei in dem Film sind Joan Fontaine und George Brent, das Ganze heisst Oh’ Susanne! Schau’n wir also mal.

Oh SusanneDer Film ist für  Heranwachsende jedenfalls sehr lehrreich – vor allem in diesen schwierigen, ersten Jahren nach dem Krieg, in denen von den Menschen oft vorschnell gedacht (und gehandelt) wird. Dass man sich jedoch nicht zu leicht und unüberlegt von den Urteilen anderer beeinflussen lassen soll, ist für uns junge Besucher eine wichtige Erkenntnis nach den anderthalb Stunden im Kino. Das Problem wird dem Zuschauer auf überaus originelle Weise vermittelt. Während einer Party mitten in New York trifft Roger Berton (George Brent) drei ehemalige Freunde seiner Braut Susan Darell (Joan Fontaine), die er demnächst zu ehelichen gedenkt. In mehreren Gesprächen – und unterstützt von zahlreichen Rückblenden – zeichnet jeder der Männer aus seinem ganz persönlichen Blickwinkel ein völlig anderes Bild der jungen Frau und Robert  schlingert nun immer tiefer in die eigenen Zweifel, ob er Susan Darell tatsächlich heiraten soll oder nicht. Was natürlich sogleich die Frage aufwirft: Kennt er sie wirklich? Oh, Susanne! weiterlesen

Die Waise von Lowood

Illustrierte Filmbühne Nr. 4  (E. S.) – Im Sommer 1947 wird der Film Die Waise von Lowood von der „Motion Pictures Export Association (MPEA)”, der großen Export-Organisation der Major Companies aus den USA, in Zusammenarbeit mit dem US-Militär in die deutschen Kinos gebracht. In den Hauptrollen sind Joan Fontaine  – sie hat gerade kurz vorher in dem Hitchcock-Drama „Rebecca” eine ähnliche Rolle gespielt – sowie Orson Welles zu sehen, doch die Zuschauer in Deutschland haben beim Kampf um das Überleben in der Nachkriegszeit noch ganz andere Sorgen als sich mit einem solch schwermütigen Stoff zu „vergnügen”. 

Waise von LowoodWohl deshalb wird der Film, der immerhin auf dem Roman „Jane Eyre”, einer Perle der Weltliteratur beruht, hierzulande nicht gerade zu einem finanziellen Erfolg und verschwindet bald schon wieder aus den Lichtspielhäusern. Auch in Frankfurt ist der Film inmitten der Trümmerberge nur kurz zu sehen. Dabei ist es eine aufwühlende, aber zugleich auch eine recht romantische Melodramatik, die den im Jahr 1847 erschienenen autobiografischen Roman der britischen Schriftstellerin Charlotte Brontë  – er ist zunächst unter dem männlichen Pseudonym Currer Bell im Verlag „Smith, Elder und Co.” herausgekommen – von der ersten bis zur letzten Seite innewohnt.

Denn nach einer ziemlich freudlosen Jugend in England kommt Jane Eyre als Erzieherin in das Schloss des herrischen Mr. Edward Rochester. Der Hausherr fühlt sich bald zu der intelligenten Gouvernante hingezogen, und auch sie entwickelt Zuneigung zu dem älteren Mann. Doch Rochester verbirgt ein düsteres Geheimnis, was die spröde Liebe der beiden ungleichen Menschen überschattet.

Die Dramatik wird offenbar, als Jane Eyre am Tage ihrer geplanten Hochzeit mit Rochester erfährt, dass dieser noch verheiratet ist und seine unheilbar geisteskranke und zudem gewalttätige Gattin verborgen hält. Die Waise von Lowood weiterlesen

Verdacht

Illustrierte Filmbühne Nr. 1 (M. F.) – Ende des Jahres 1946 läuft in den drei westlichen Besatzungszonen der amerikanische RKO-Film Verdacht an. Es ist einer der ersten Filme von Alfred Hitchcock in den USA und ab 9. März 1947 ist er auch im Offenbacher Gloria-Theater zu sehen.

VerdachtDie Hauptdarsteller sind Cary Grant und Joan Fontaine. Zu dieser Zeit sind die beiden hierzulande noch unbekannte Größen, was sich allerdings sehr bald ändern wird. Höchst interessant ist dabei vor allem, dass der bekannte Filmprogramm-Verlag von Paul Franke (Berlin, später München) zu diesem Psycho-Thriller das erste Exemplar der Reihe „Filmbühne”, die einige Zeit später als „Illustrierte Filmbühne” reüssieren wird, auf den Markt bringt. Sage und schreibe weitere 8068 schöne Exemplare werden noch folgen.

Der Film ist nebenbei bemerkt auch einer der ersten, die nach dem Krieg in der amerikanischen und britischen Zone in deutscher Sprache gezeigt werden, was natürlich bei den potentiellen Zuschauern die Lust erhöht, ins Kino zu gehen. Die deutschen Schauspieler Axel Monjé und Viktoria von Ballasko leihen den US-Stars dabei ihren Stimmen. Verdacht weiterlesen