Tal der Leidenschaften

Illustrierte Filmbühne Nr. 1139 (E. S.) – Bürgerkriege haben ihre ganz eigenen Gesetze wie jedermann aus der Geschichte weiß. In Korea tobt in den Jahren zwischen 1950 und 1953 ein schlimmes Gemetzel zwischen dem Norden und den Süden. Schon früher gab es diese unheilvollen Auseinandersetzungen, die eingebrannt sind in das Gedächtnis der Menschheit. Zur Zeit des Koreakrieges läuft in Deutschland der Film Das Tal der Leidenschaften, der sich mit dem amerikanischen Bürgerkrieg beschäftigt.

Titelblatt der Filmbühne (© Filmverlag Unucka)

Erstmals ist dieser groß angelegte US-Film am 24. April 1951 im Frankfurter Metro im Schwan zu sehen und er vermittelt dem Zuschauer Ausschnitte aus der amerikanischen Geschichte. Dabei werden sowohl politische als auch private Geschehnisse lebendig gemacht. Alles spielt während der Präsidentschaft von Abraham Lincoln um 1861, zu einer Zeit also, als der Abfall der Südstaaten zum Ausbruch dieses unbarmherzig geführten Bürgerkriegs in den Vereinigten Staaten führt. Ganz eng verknüpft mit den vielfältigen kriegerischen Ereignissen ist das Geschick der Familie Dabney, die das wilde und fruchtbare Lebanon-Tal im Süden des Staates Mississippi in jahrelanger Arbeit kultiviert hat und nun mitsamt ihrer großen Plantage in den Strudel des Bürgerkriegs hineingerissen wird. Tal der Leidenschaften weiterlesen

Blutsfeindschaft

Illustrierte Filmbühne Nr. 962 (E. S.) – Mit politischen Tyrannen und Herrschern haben wir genug zu tun gehabt in den vergangenen Jahren, und auch in einer Familie der Nachbarschaft habe ich einen kleinen Despoten erlebt – soll ich mir also diesen Film ansehen, bei dem es genau um dieses Thema geht und der Anfang November 1951 im Frankfurter Roxy anläuft? Das Kinos in der Innenstadt ist eher für Gangsterfilme Thriller, Krimis oder Western bekannt. Und jetzt ein Drama? Ich gehe trotzdem…

BlutsfeindschaftUnd werde auch nicht enttäuscht. Spannung und Dramatik sind eben doch nicht nur in Krimis oder Western zu erleben, auch in eher „seriösen“ und gut gemachten Streifen wird oft exzellente Unterhaltung geboten. Dabei ist die Geschichte nicht einmal so ungewöhnlich. Der italienische Einwanderer Gino Monetti (Edward G. Robinson) macht als Bankier eine steile Karriere in New York. Der frühere Barbier ist rücksichtslos und tyrannisch, aber gerade das ermöglicht ihm den steilen gesellschaftlichen Aufstieg. Auf der Strecke bleibt seine Familie, die er unbarmherzig seinem despotischen Willen unterwirft. Nur der Freigeist Max (Richard Conte), einer seiner vier Söhne und Rechtsanwalt, lässt sich nicht „unterbuttern“, fühlt sich frei und unabhängig und ist vielleicht deshalb der einzige, den sein Vater nicht wie einen ABC-Schützen schulmeistert. Joe, Petro und Toni (Luther Adler, Paul Valentine, Efrem Zimbalist jr.) dagegen sind die „Sklaven“ des hasserfüllten Vaters. Doch auch Max ist abhängig von seinem Vater, wenn auch auf andere Art. In gewisser Weise ist auch er ihm hörig, denn als die dunklen Geschäfte seines Vaters aufzufliegen drohen, nimmt er die Schuld auf sich, schwört sogar einen Meineid und muss mehrere Jahre ins Gefängnis. Während er seine Strafe verbüsst, stirbt sein Vater und die drei anderen Söhne leiten nun im Auftrag der Mutter die Bankgeschäfte. Blutsfeindschaft weiterlesen

Angst vor der Schande

Illustrierte Filmbühne Nr. 809 (E. S.) – Im Frankfurter Kino Bieberbau startet am 27. Juli 1951 ein Film, in dem es um die einsame, junge Eloise Winters (Susan Hayward) geht, die der zarten Liebe zu Walt Dreiser (Dana Andrews) nachtrauert, der kurz vor der geplanten Hochzeit bei einem Manöver getötet worden ist. Der Soldat Dreiser ist eines der Millionen Opfer des barbarischen Krieges; und das Schicksal von Eloise Winters müssen unzählige Frauen in aller Welt hinnehmen – und auch Eloise spätere Vernunftehe mit einem Jugendfreund kann die aufgerissenen Wunden nicht heilen. 

Angst vor der SchandeFast alle diejenigen Mitarbeiter, die sich bei den ausländischen Verleihern deutsche Filmtiteln ausdenken müssen, orientieren sich offensichtlich allzu leicht am so genannten Zeitgeist. Denn der für diesen Film sehr zutreffende US-Originaltitel „My foolish Heart” („Mein törichtes Herz”) wird in der Frankfurter RKO-Zentrale in der Taunusstraße in die kitschige und unpassende Formulierung Angst vor der Schande umgemodelt. Das heikle Thema wird völlig verwässert, ja konterkariert, passt jedoch genau in die stark verkrampfte Atmosphäre der Adenauer-Ära zu Beginn der Fünfziger Jahre, als „Schande” den Beigeschmack einer prüden Gesellschaft hat. Immerhin steht ja – man mag es kaum glauben – in dieser Zeit auch noch der Kuppel-Paragraph in völler Blüte. Dabei spielt im Film die „Schande” gar keine Rolle, es geht vielmehr um die subtile Darstellung von Eloises Leben, das unbestimmt und widersprüchlich verläuft. Eloise Winters teilt das Schicksal unzähliger anderer Frauen, denen der Krieg den Partner genommen hat. In Rückblenden schildert Eloise Winters nun einer Freundin ihre Gefühle und Sehnsüchte. Angst vor der Schande weiterlesen

Piraten im Karibischen Meer

Illustrierte Filmbühne Nr. 783  (E. S.) – Der 1. September 1951 ist für die Entwicklung der Kino- und Filmwirtschaft in der Bundesrepublik ein ziemlich interessantes Datum: Die Filmbewertungsstelle (FBW) der Länder nimmt in Wiesbaden ihre Arbeit auf. Ihre Aufgabe besteht darin, die von den Filmverleihern und Produzenten vorgelegten Kultur-, Dokumentar- und Spielfilme zu beurteilen. Und Filme, welche die Prädikate „wertvoll” oder „besonders wertvoll” erhalten, werden steuerlich begünstigt, was die Betriebskosten in den Kinos erheblich senken kann.

PiratenDer Film Piraten im Karibischen Meer, den ich eine Woche zuvor in Preungesheim im  Frankfurter Norden in der Nachtvorstellung sehe, hat aber keines dieser Prädikate erhalten: – schon deshalb nicht, weil die Institution ihre Tätigkeit noch gar nicht aufgenommen hat; allerdings ist auch kaum anzunehmen, dass der Streifen bei den Juroren aufgefallen wäre, handelt es sich schließlich doch „nur“ um ein spannendes Abenteuer-Spektakel, wenn auch mit einer für ein solches Genre glänzenden Besetzung (John Wayne, Ray Milland, Paulette Goddard und Susan Hayward). Einzelheiten des Geschehens auf der Leinwand sind dem Autor jedoch kaum noch in Erinnerung – John Wayne als Bösewicht zu sehen, ist ohnehin ein seltenes Vergnügen. Immerhin steht der Mann nach 80 mehr oder weniger unbedeutenden B-Filmen (Ausnahmen: „Höllenfahrt nach Santa Fe” und „Das Haus der sieben Sünden”) zu diesem Zeitpunkt noch am Anfang seiner Weltkarriere.

Auf die vielen raubeinigen „Helden” in Western, Kriegsfilmen und anderen Streifen ist er aus diesem Grund noch nicht festgelegt. Gleichwohl ist hier ein Abenteuerfilm über räuberische Piraten und ihr wildes Leben an der amerikanischen Ostküste entstanden, der sehr kurzweilig ist. Piraten im Karibischen Meer weiterlesen

Tulsa

Illustrierte Filmbühne Nr. 760 (E. S.) – Als im Juli des Jahres 1950 im Kino „Metro im Schwan” in Frankfurt der Abenteuerfilm Tulsa anläuft, geht auch ein Blick in das nachbarschaftliche Hessische Ried. Dort – nur rund 40 Kilometer südwestlich der Mainmetropole – werden zur gleichen Zeit Vorbereitungen für die Ölförderung getroffen. Im Raum Stockstadt, Gernsheim und Crumstadt sollen in Zukunft entsprechende Vorkommen ausgebeutet werden, genauso wie in der US-Stadt im Bundesstaat Oklahoma an der berühmten Route 66.

TulsaWährend das noch kleinstädtische Tulsa bereits als d i e Erdöl-Hauptstadt der Welt gilt, sind die überwiegend ländlichen Gemeinden im Landkreis Groß-Gerau in dieser Hinsicht „weiße Flecken” auf der Landkarte. Zwar ist das „schwarze Gold” bei Probebohrungen bereits in den 30er Jahren entdeckt worden, doch erst jetzt – zu Beginn der Fünfziger Jahre – geht es wirklich ernsthaft an die Förderung. In den Zeitungen der Umgebung häufen sich jedenfalls die Berichte über eine bald beginnende Bohrung. Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und der enorm zunehmende Energiebedarf in der Bundesrepublik stellt auch die Industrie vor neue Herausforderungen – immerhin fließt mehr und mehr Benzin durch die Vergaser der Autos. Etwa zur gleichen Zeit ist im Jahr 1949 der Abenteuerfilm Tulsa entstanden, der in der Epoche des großen Oklahoma-Goldbooms Anfang der Zwanziger Jahre spielt.

Und dabei Dramatik pur. Kisten voller Dynamit explodieren, Bohrtürme stürzen in sich zusammen, mächtige Fackeln lodernden Feuers überstrahlen die Szenerie. Eine Katastrophe jagt die andere. Dazu tummeln sich Spieler und andere Glücksritter in den Saloons. Zwischen all dem agiert die temperamentvolle Cherokee Lansing (Susan Hayward), die ehrgeizige Tochter eines Viehzüchters, der an einer Bohrstelle um’s Leben gekommen ist. Tulsa weiterlesen

Meine Frau, die Hexe

Illustrierte Filmbühne Nr. 77 (E. S.) – Wer kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Frankfurter Stadtteil Bockenheim in der Basaltstraße die amerikanische Komödie Meine Frau die Hexe anschaut  – ein turbulenter Spaß mit der glänzend aufgelegten Hexe Veronica Lake (Jennifer), der unvergessenen Susan Hayward (als Estelle) und dem Charakter-Darsteller Frederic March – bewegt sich auf politisch-historischem Grund, denn hier hat Rosa Luxemburg am 26. September 1913 eine flammende Rede gegen den Ersten Weltkrieg gehalten, worauf sie von den kaiserlichen Behörden umgehend „wegen Aufruhrs” verhaftet wird.

HexeDas Titania hat  eine recht bewegte Vergangenheit, was mir durchaus bewusst ist. Dort, wo ich die hinreissend schöne Hexe zu sehen bekomme, stand seit 1900 eine kleine Eisfabrik – sie belieferte den direkt daneben liegenden Schlachthof – und bald danach entstand erst eine Liederhalle und kurz darauf ein Treffpunkt der Gewerkschaften und Sozialdemokraten mit Bibliothek. Im Jahr 1928 errichtet der Gastwirt Müller ein Kino, modernisiert es 1941 und schliesst den alten Gastraum, um ein grösseres Foyer einzurichten. In den beiden Weltkriegen dient das Titania-Kino zeitweise als Lazarett, nach 1945 – das Gebäude ist bei den Fliegerangriffen fast unversehrt geblieben – werden die Titania-Lichtspiele wieder eröffnet, das Aus kommt Ende der Siebziger Jahre. 1985 nämlich wird das Gebäude von der Katholischen Kirche gekauft, und bald darauf von der Frankfurter Saalbau übernommen und zum Bürgerhaus umfunktioniert. Seit 1997 ist es vorübergehend Spielstätte des Galli-Theaters, ab Oktober 2005 heißt es wieder Titania-Theater und ist seit September 2011 die Heimstatt des „Freien Schauspiel Ensembles Frankfurt”. Meine Frau, die Hexe weiterlesen