Die Sünderin

Illustrierte Filmbühne Nr. 1030 und DNF (E. S.) – Wieder einmal gibt es in Frankfurt großen Starrummel. Zur deutschen Erstaufführung des Films Die Sünderin im Turmpalast erscheinen der Regisseur Willi Forst sowie die Hauptdarsteller Hildegard Knef und Gustav Fröhlich. Alle drei verneigen sich artig vor einen Beifall klatschenden Publikum, doch bei den Pressegesprächen kommt auch reichlich Frust auf. Vor allem Forst gibt sich pikiert, weil sein Werk bei der Freiwilligen Filmkontrolle in Wiesbaden zunächst durchgefallen ist.

Die SünderinWilli Forst bittet die Journalisten eindringlich darum, ihn in der Wirrnis des deutschen Nachkriegsfilms nun „nicht im Stich zu lassen”. Täte man dies, dann würde es in Zukunft wohl nur noch „Das Dritte Schwarzwaldmädel von rechts” geben. Der Verdruss des Regisseurs ist durchaus verständlich. Der Österreicher hat schon bei den Vorbereitungen der Dreharbeiten erfahren müssen, dass das Thema seines Films nicht überall wohlgelitten ist. Forst will den Film ursprünglich in München realisieren, muss jedoch kurzfristig in die Studios der Jungen Filmunion nach Bendestorf  bei Hamburg ausweichen, da ihm in Bayern aufgrund des strittigen Filmthemas kein Atelier zur Verfügung gestellt wird. Weil in der Lüneburger Heide die Dreharbeiten dann ohne größere Aufmerksamkeit verlaufen, ahnt er nicht, dass sein Film bald Schlagzeilen in Deutschland verursachen wird. Die Aufregung um den melodramatischen Streifen beginnt drei Tage vor der geplanten Premiere am 18. Januar. Die Sünderin weiterlesen

Unter den Brücken

Illustrierte Filmbühne Nr. 798 (E. S.)  – Als sich am 24. Juli 1951 im Frankfurter Kino Bieberbau der Vorhang öffnet, ist ein Film zu sehen, der von den meisten Kritikern über den grünen Klee gelobt wird. Einer der professionellen Beobachter schreibt dann auch unter anderem, „das Glucksen des Wassers und das Rauschen der Schilfhalme (bilde) einen unaufdringlichen Hintergrund zu der zarten Liebesmelodie, unter der sich der Alltag der Schiffer verschönt.” (Dieter Fritko am 25. Juli 1951 in der Frankfurter Rundschau).

Unter den BrückenDie Handlung des Films ist eher schlicht und zeigt das einfache und karge Leben im rauen Alltag von Flussschiffern. Unter den Brücken erzählt dabei atmosphärisch sehr dicht die  Geschichte von zwei Männern und einer Frau. Das Zusammenleben dieser drei Menschen wird der Liebe wegen auf eine sehr harte Zerreissprobe gestellt. Hendrik Feldkamp (Carl Raddatz) und Willy (Gustav Knuth) sind die knorrigen Männer, die auf einer ihrer Fahrten die vom Leben enttäuschte Anna Altmann (Hannelore Schroth) auf ihrem Lastkahn mitnehmen. Beide verlieben sich in die junge Frau, so dass Spannungen und eine vorübergehende Trennung unvermeidlich sind. Doch ihre lange Freundschaft hält diesen Belastungen stand, und nachdem sich die junge Frau schließlich für Hendrik Feldkamp entschieden hat – was Willi eher notgedrungen dann auch akzeptiert –, setzten alle drei gemeinsam ihre Fahrt fort. Obwohl Unter den Brücken in den letzten Monaten der Nazi-Herrschaft gedreht worden ist, hebt er sich von vielen oberflächlichen Produktionen dieser „staatstragenden” Zeit ab. Die Schlichtheit der Bilder ist beeindruckend. Kameramann Igor Oberberg rückt nicht allein die Schauspieler und ihre Figuren in den Blickpunkt, sondern lässt auch die karge Landschaft, den Fluss und den Schleppkahn erzählen. Unter den Brücken weiterlesen

Die Mörder sind unter uns

Illustrierte Filmbühne Nr. 241  (E. S.) – Der erste deutsche Spielfilm nach dem Zweiten Weltkrieg wird von Wolfgang Staudte bei der DEFA in Berlin realisiert. Das Drama um Schuld und Sühne wird am 15. Oktober des Jahres 1946 im sowjetisch besetzten Sektor (Admiralspalast) uraufgeführt. Die Mörder sind unter uns ist ein hochpolitischer Film und begründet nebenbei den Weltruhm von Hildegard Knef, die in ihrem fünften Film erstmals die Hauptrolle übernimmt.

Mörder sind unter unsHartnäckig hat sich die Legende gehalten, dieser Film sei im Westen Deutschlands erstmals 1971 gezeigt worden, was auch in der Enzyklopädie Wikipedia so angegeben wird. Korrekt ist dagegen, dass der Film in der französischen Zone bereits im April 1947 in Baden-Baden und danach im Mai auch in Ludwigshafen gezeigt wird, zwei Monate vor den Starts in der britischen und amerikanischen Zone (darunter auch in Frankfurt). Und in Hannover wird der Film zum Beispiel am 4. September des Jahres 1948 im bekannten Palast-Theater gezeigt. Richtig ist aber auch, dass der Streifen bald wieder aus den Kinos verschwindet, da die geistige Restauration zu diesem Zeitpunkt offensichtlich bereits so weit fortgeschritten ist, dass das Publikum sich mit der Verantwortung für die Vergangenheit nicht auseinandersetzen will.

Die Zeitung „Hannoversche Presse” beklagt in ihrer Ausgabe vom 11. September 1948 die Reaktionen vieler Kinobesucher und kommentiert: „Die Reihe der Zuschauer, die protestierend das Theater verließ, beweist sehr genau, dass der Film unsere geistige Situation widerspiegelt; man sieht nun mal nicht gern in einen so nackten und scharfen Spiegel, sondern setzt lieber eine rosarote Brille auf.”  Die Mörder sind unter uns weiterlesen

Film ohne Titel

Illustrierte Filmbühne Nr. 69  (E. S.) Die ersten Monate 1948 werden von recht interessanten Ereignissen begleitet, Ereignissen, die für die Entwicklung in Deutschland von großer Bedeutung für die Zukunft sind. Ein Mann namens Heinrich Nordhoff wird Generaldirektor beim VW-Konzern in Wolfsburg und unter seiner Leitung wird der Käfer zum Auto für breite Bevölkerungsschichten – in Frankfurt am Main nimmt am 1. März zudem die „Bank Deutscher Länder” ihre Arbeit auf, die bald eine zentrale Rolle im Wirtschaftsleben der Westzonen und der Bundesrepublik spielen wird.

Film ohne TitelEnde Januar wird in West-Berlin ein Film ohne Titel uraufgeführt, in dem ebenfalls die komplizierte Kriegs- und Nachkriegszeit eine zentrale Rolle spielt. In Frankfurt wird die Camera-Produktion im neuen Bieberbau an der Hauptwache gezeigt. Worum geht es? Ein Regisseur, ein Drehbuchautor und ein Schauspieler diskutieren darüber, wie ein Film in Nachkriegsdeutschland aussehen könnte und zu gestalten wäre. Der Zufall kommt ihnen dabei zu Hilfe. Denn Als das frische Bauernmädchen Christine (Hildegard Knef) und ihr zukünftiger Ehemann Martin (Hans Söhnker) ihnen einen Besuch abstatten, erzählt der Autor seinen Kollegen (in Rückblenden) die Liebesgeschichte der beiden. Der Regisseur glaubt, hier den idealen Stoff gefunden zu haben, obgleich alle Beteiligen die Situationen für den Film unterschiedlich interpretieren. Ein passendes Ende fehlt allen dreien. Daher müssen Christine und Martin selbst erzählen… Film ohne Titel weiterlesen

Zwischen gestern und morgen

Illustrierte Filmbühne Nr. 33 (E. S.) – Es sind bewegende Monate im Frühjahr des Jahres 1948 in Frankfurt. In der aus den Trümmern aufgebauten Paulskirche steht die Jubiläumsveranstaltung der Nationalversammlung (vom 18. Mai 1848 bis zum 31. Mai 1849) auf dem Programm. Genau vor 100 Jahren hat in dieser Kirche das erste frei gewählte Parlament für die „deutschen“ Nachfolgestaaten des Heiligen Römischen Reichs getagt. Im März wird auch der Luftverkehr zwischen Frankfurt und Berlin wieder aufgenommen, das traditionsreiche Hotel „Frankfurter Hof” beherbergt schon wieder erste Gäste und vor allem: die Währungsreform wirft nach drei entbehrungsreichen Nachkriegsjahren ihre Schatten voraus.

Zwischen gestern und morgenIm April startet in Frankfurt auch der erste deutsche Film, der mit US-Lizenz entstanden ist. Er heisst Zwischen gestern und morgen, und läuft nach seiner Premiere vor vier Monaten in München seit dem 4. April 1948 im Bieberbau an der Hauptwache. Dieses Kino hat kurz vor Weihnachten 1947 mit dem unter britischer „Schirmherrschaft” entstandenen Camera-Streifen „…und über uns der Himmel” seine Pforten geöffnet und ist zu dieser Zeit d a s Frankfurter Kino Nr. 1 für Erstaufführungen. Hier werden alle wichtigen in- und ausländischen Filme gestartet, weil außer der Scala (Eröffnung Mitte September 1947) und dem Luxor (27. März 1948) andere Häuser noch nicht wieder zur Verfügung stehen. Erst im Laufe des Jahres 1948 kommen im Zuge des Wiederaufbaus der Stadt weitere Lichtspielhäuser in der Innenstadt dazu (Roxy, Eden). Zwischen gestern und morgen weiterlesen