Flammendes Tal

Illustrierte Filmbühne Nr. 1099 (E. S.) – In den Scala-Lichtspielen in der Frankfurter Innenstadt läuft im Sommer 1951 der Western „Flammendes Tal“ an – keine außergewöhnlich erwähnenswerte Sache, denn in diesem Technicolor-Streifen der Paramount werden die Zutaten der Wildwest-Geschichte nur auf die übliche Weise zusammengebraut, ohne jedoch nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Es sind ehemalige Soldaten des amerikanischen Bürgerkriegs, die nach Ende der Kampfhandlungen als Farmer arbeiten. Als auf ihrem Grundstück Kupfer gefunden wird, werden sie von kriminellen Geschäftsleuten aus der Stadt und dem windige Sheriff Lane Travis (McDonald Carey) auf übelste Art und Weise über den Tisch gezogen. Erst als der Revolverheld und Kunstschütze Johnny Carter (Ray Milland) den gebeutelten Schürfern auf die Sprünge hilft und sie sich mit seiner Hilfe zur Wehr setzen, müssen die Lumpen klein beigeben. Vorher freilich kommt es im Tal zu einer wilder Reiterschlacht unter den verfeindeten Gruppen, und danach versteht es sich von selbst, dass nicht nur die Guten gewinnen, sondern der auf der „richtigen” Seite kämpfende Carter und das schwarzhaarig-gelockte Tanzmädchen Lisa (Hedy Lamarr) – ihr Herz hatte zuvor noch einem der üblen Gesellen gehört –, sich selig den Armen liegen. Flammendes Tal weiterlesen

Ekstase

Illustrierte Filmbühne Nr. 903 (E. S.) – Als am 22. Oktober des Jahres 1950 in den Scala-Lichtspielen der österreichische Film Ekstase anläuft, wird die Vorführung vom Klang schriller Trillerpfeifen unterbrochen. Bei den Protestierenden handelt sich um eine christliche Jugendgruppe, die auf diese Weise ihren Unmut über „das Ärgernis dieser Vorführung“ kundtut.

EkstaseDie Scala-Direktion hat zusammen mit dem „Rex“-Filmverleih eine aggressive Werbung betrieben, denn dieser Film war vor 17 Jahren bei seiner Premiere in Prag und Wien ein großes Ereignis. Das ist jedoch weniger dem Inhalt oder der Handlung geschuldet – die Sehnsucht nach einem Kind treibt eine junge Frau nach der Trennung von ihrem Mann zu einem Liebhaber, den sie dann auch verlässt, um nur für das Kind zu leben –, als vielmehr der Tatsache, dass die Hauptdarstellerin Hedy Kiesler in einer zehnminütigen Nackteinstellung – erst beim Baden in einem See, dann im Wald – zu sehen ist und in einer Liebesszene nur ihr erregtes Gesicht präsentiert wird. Das ist 1933 eine große Sensation und Provokation, 1950 aber, nachdem viele Jahre in’s Land gegangen sind, wirkt das ganze mehr als antiquiert. Und die seelischen und körperlichen Nöte der jungen Frau reizen – vor allem nach den Kriegsereignissen – höchstens noch die Lachmuskeln, obwohl Deutschland in den ersten Jahren der Adenauer-Ära von extremer Prüderie geprägt ist – was sich ja unschwer auch am Trillerpfeifen-Protest ablesen lässt. Ekstase weiterlesen

Mädchen im Rampenlicht

Illustrierte Filmbühne Nr. 8  (E. S.) – 1947 kommt ein amerikanischer Revue-und Musikfilm in die deutschen Kinos, der persönliche Geschichten rund um die berühmten und legendären „Ziegfield Follies” erzählt. Ziegfeld selbst taucht nicht auf in dem Streifen – im Blickpunkt stehen vor allem die weiblichen Stars Judy Garland, Hedy Lamarr und Lana Turner; James Stewart ist in einer Nebenrolle zu sehen.

Mädchen im RampenlichtDer Film läuft dann in Frankfurt irgendwann auch im Lichtspiel-Theater von Herrn Gustav Kilian in der Wallstraße 22 in Sachsenhausen und der Zeitzeuge Erich S. berichtet, auf welch eher eigenartige Weise er den Film Mädchen im Rampenlicht – und das sogar ohne jedes Billett – gleich mehrmals, aber nur in kleinen Häppchen zu sehen bekommt.

„Die Kopien waren sehr knapp und so mussten sich meistens zwei Kinos, die ziemlich dicht beieinander lagen, eine Wochenschau teilen. In Sachsenhausen waren das die Harmonie und das Wall-Kino. Mehrmals am Tag musste also die Kopie von dem einen in das andere Kino geschleppt werden. Und so wurden dann auch die Anfangszeiten so aufeinander abgestimmt, so dass das irgendwie immer klappte. Dabei gab es für uns kleine Botenjungen oft Gelegenheit, Teile des Hauptfilms zu sehen. So richtig komplett aber nie. Das spielte aber auch keine so große Rolle, denn es interessierte uns nicht so sehr die Handlung als vielmehr ein Blick auf Judy Garland, Hedy Lamarr und Lana Turner.” Mädchen im Rampenlicht weiterlesen