Meuterei auf der Bounty

Illustrierte Filmbühne Nr. 1112 und Berliner Filmkurier 2520 (E. S.) – Die „Meuterei auf der Bounty“ ist ein amerikanischer Filme, der bereits 1936 in Deutschland gezeigt worden ist, zu einer Zeit, als die Nazis den Vertrieb unliebsamer ausländischer Filme noch nicht unterbunden haben. Im Jahr 1951 wird der Streifen von Metro-Goldwyn-Mayer in einer  nagelneuen, synchronisierten Fassung wieder die deutschen Kinos geschickt.

Bounty

Der Film beruht auf dem Roman „Schiff ohne Hafen” von Charles Nordhoff und James Norman Hall und beschäftigt sich mit einem historisch verbürgten Ereignis aus dem Jahr 1789, wobei allerdings die Buch- und Filmdarstellungen nichts mit der Realität zu tun haben. Es wäre an dieser Stelle übertrieben, die wirklichen Geschehnisse im Detail zu beschreiben, denn inzwischen ist alles Wesentliche rund um die Meuterei von Historikern erforscht und niedergeschrieben worden. Doch als ich den Streifen Mitte Juni 1951 im Frankfurter Turmplast sehe, ist mir das alles noch unbekannt. So sehe ich einen spannenden und aufwühlenden Film, wenngleich die Brutalität und unmenschliche Härte von Kapitän William Bligh (Charles Laughton) erschreckend ist. Meuterei auf der Bounty weiterlesen

Unter schwarzer Flagge

Illustrierte Filmbühne Nr. 850 (E. S.) – Ein Film, der wieder einmal für ein wenig Verwirrung sorgt. Unter schwarzer Flagge heisst der Streifen, der bereits 1948 vom Amerikanischen Militärverleih  (AFI) über die „Motion Pictures Export Association“ (MPEA) in englischer Sprache in deutschen Lichtspielhäusern zu sehen ist  – 1950 kommt er in einer synchronisierten Fassung erneut auf den Kino-Markt; diesmal vertrieben von der Prisma.

Unter schwarzer FlaggeAus diesem Grund gibt es – wie zu dieser Zeit häufiger geschehen – auch wieder einmal verschiedene Programme zum selben Film. Zunächst erscheint 1948 eine Ausgabe der Serie „Illustrierter Filmkurier“ in Berlin; der Schriftzug auf der Titelseite wird jedoch vom Logo „Filmbühne“ mit der Nr. 196  abgelöst. Als der Film zwei Jahre später bei der Ultra-Film in München synchronisiert worden ist, gibt es ein völlig neu gestaltetes  Programm, das als Nummer 850 der „Illustrierten Filmbühne“ an den Kinokassen feilgeboten wird. Ich selbst sehe beide Filme in einem gewissen Abstand: im Jahr 1947 in den Wall-Lichtspielen in Sachsenhausen die ursprüngliche Version, die neuere Fassung in deutscher Sprache später einmal in der Lichtburg am Frankfurter Hauptbahnhof. Unter schwarzer Flagge weiterlesen

Die ewige Eva

Illustrierte Filmbühne Nr. 70  (E. S.) –  Ende Juli, Anfang August 1945 gibt es in Frankfurt am Main bewegte Tage. Die Lichtburg in der Kaiserstraße 74 nimmt als erstes Kino nach Ende des Krieges ihren Betrieb wieder auf. Das ist so wichtig für die Stadt, dass OB Dr. Kurt Blaum eine ziemlich aufmunternde Rede hält. Am 1. August des Jahres erscheint dann die Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” als erste lizenzierte Tageszeitung in der amerikanischen Besatzungszone, 14 Tage später spielt die Schauburg in der Bornheimer Bergerstraße als zweites Frankfurter Lichtspieltheater die Die ewige Eva.

Die ewige EvaDer Film ist der erste amerikanische Spielfilm, der in Frankfurt gezeigt wird. Die erzählte Geschichte ist in diesem Zusammenhang nicht von allzu großer Bedeutung, wichtiger ist wohl, dass inmitten der Trümmer von Frankfurt das Kinoleben langsam aber sicher wieder Fahrt aufnimmt und den frustrierten Menschen in dem täglichen Wahnsinn wieder Hoffnung für die nahe Zukunft gemacht wird. Gerade deshalb ist diese leichte Kost – wenn auch nur in englischer Sprache und auch noch garniert mit deutschen Untertiteln, was das Publikum noch vor ziemliche Probleme stellt – genau das Richtige. Der witzige Streifen stammt vom jüdischen, deutschen Emigranten Henry Koster (Hermann Kosterlitz), der auf jeden Fall eine recht romantische Komödie abliefert und dabei mit einem Charles Laughton in einer Glanzrolle punkten kann. Die Story ist schlicht, aber ergreifend und durchaus gut erzählt. Um seinem schwerkranken Vater (Charles Laughton) eine letzte Freude zu machen, stellt der Millionärssohn Jonathan Reynolds jr. (Robert Cummings) dem Todgeweihten ein fremdes Mädchen (Deanna Durbin) als seine Braut vor, um ihm eine bevorstehende Hochzeit vorzugaukeln. Die ewige Eva weiterlesen

Der Glöckner von Notre Dame

Illustrierte Filmbühne Nr. 29  (© E. S.) Im Jahr 1831 schrieb der französische Autor Victor Hugo die im 16. Jahrhundert unter König Ludwig XI. spielende Geschichte Der Glöckner von Notre Dame, die zu einem der Klassiker der Weltliteratur wurde und mehr als einmal verfilmt worden ist. In der RKO-Fassung von 1939 spielt Charles Laughton den weitgehend stummen Glöckner Quasimodo, Maureen O’Hara gibt die Esmeralda.

Glöckner von Notre DameAls der us-amerikanische Film am 3. Februar 1948 (zunächst mit einkopierten Untertiteln, ein Jahr später synchronisiert) in die deutschen Kinos kommt, hat er zwar den Charakter eines etwas gruseligen Horrorfilms, kann aber die zahlreichen Besucher nicht wirklich erschrecken. Sie haben zu viel zu tun beim Wiederaufbau des Landes und werden ohnehin täglich von diversen Sorgen heimgesucht, denn es hapert noch an Ecken und Enden. Und die Lage ist keineswegs rosig. In der britischen wie auch der amerikanischen Zone treten rund drei Millionen Angestellte und Arbeiter aus Protest gegen die schlechte Versorgung mit Lebensmitteln in den Streik. Immerhin geht es anderswo vorwärts: Berlin wird zu dieser Zeit wieder an das internationale Telefonnetz angeschlossen. Auch die Kinoversorgung ist bereits gewährleistet. Die Filme, die von den amerikanischen Militärbehörden zur Vorführung freigegeben werden, sind zwar meistens schon älteren Datums, aber doch auch in vielerlei Hinsicht faszinierend – so wie Der Glöckner von Notre Dame eben.  Der Glöckner von Notre Dame weiterlesen