Die besten Jahre unseres Lebens

Illustrierte Filmbühne Nr. 193  (© E. S.) Die Wege zum Ruhm sind nicht nur mit Rosen bestreut. Das müssen auch drei US-Soldaten erfahren, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zwar als „große Sieger“ in den amerikanischen Mittelwesten zurückkehren, sich gleichwohl aber auch als Verlierer fühlen und sich erst mit den neuen Gegebenheiten in der Heimat arrangieren müssen.

Die besten JahreAls der Film Die besten Jahre unseres Lebens am 1. Juni 1948 in deutsche Kinos kommt, zeigt er den Deutschen in nachdrücklicher Form, dass auch die Gewinner eines Krieges nicht nur die strahlenden Helden sind, sondern auch sie sich in vielen ungewohnten und auch alltäglichen Situationen bewähren müssen. Immerhin sind durch ihre langjährige Abwesenheit viele ihrer eigenen Werte in Frage gestellt worden – und sie selbst haben sich durch die Kriegsereignisse ebenfalls verändert. Das macht die Rückkehr der drei in ein normales Leben umso schwieriger. Al Stephenson (Frederic March) hat es als ehemaliger Bankmensch, der in seinen Beruf zurückkehren kann, zwar am einfachsten aus dem Trio, muss allerdings erkennen, dass ihn seine Kinder als Fremden betrachten, der mehrfach ausgezeichnete Flieger Fred Derry (Dana Andrews) – von Berufs wegen nur ein Limonadenverkäufer – sieht sich mit einer zerrütteten Ehe konfrontiert und der Seemann Homer Parrish (Harold Russell) ist nach dem Verlust seiner beiden Hände gezwungen, sich in ein völlig anders Leben als vor dem Krieg einzuordnen. Die besten Jahre unseres Lebens weiterlesen

Meine Frau, die Hexe

Illustrierte Filmbühne Nr. 77 (E. S.) – Wer kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Frankfurter Stadtteil Bockenheim in der Basaltstraße die amerikanische Komödie Meine Frau die Hexe anschaut  – ein turbulenter Spaß mit der glänzend aufgelegten Hexe Veronica Lake (Jennifer), der unvergessenen Susan Hayward (als Estelle) und dem Charakter-Darsteller Frederic March – bewegt sich auf politisch-historischem Grund, denn hier hat Rosa Luxemburg am 26. September 1913 eine flammende Rede gegen den Ersten Weltkrieg gehalten, worauf sie von den kaiserlichen Behörden umgehend „wegen Aufruhrs” verhaftet wird.

HexeDas Titania hat  eine recht bewegte Vergangenheit, was mir durchaus bewusst ist. Dort, wo ich die hinreissend schöne Hexe zu sehen bekomme, stand seit 1900 eine kleine Eisfabrik – sie belieferte den direkt daneben liegenden Schlachthof – und bald danach entstand erst eine Liederhalle und kurz darauf ein Treffpunkt der Gewerkschaften und Sozialdemokraten mit Bibliothek. Im Jahr 1928 errichtet der Gastwirt Müller ein Kino, modernisiert es 1941 und schliesst den alten Gastraum, um ein grösseres Foyer einzurichten. In den beiden Weltkriegen dient das Titania-Kino zeitweise als Lazarett, nach 1945 – das Gebäude ist bei den Fliegerangriffen fast unversehrt geblieben – werden die Titania-Lichtspiele wieder eröffnet, das Aus kommt Ende der Siebziger Jahre. 1985 nämlich wird das Gebäude von der Katholischen Kirche gekauft, und bald darauf von der Frankfurter Saalbau übernommen und zum Bürgerhaus umfunktioniert. Seit 1997 ist es vorübergehend Spielstätte des Galli-Theaters, ab Oktober 2005 heißt es wieder Titania-Theater und ist seit September 2011 die Heimstatt des „Freien Schauspiel Ensembles Frankfurt”. Meine Frau, die Hexe weiterlesen

Die Abenteuer Mark Twains

Illustrierte Filmbühne Nr. 5  (E. S.) – Die Kombination Sport und Film war schon immer eine faszinierende Angelegenheit; so wird auch der September-Anfang 1947 ein höchst interessantes Wochenende; am Samstag gibt es zunächst ein Fußball-Freundschaftsspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Schalke 04 (2:1) im Waldstadion, tags darauf der Film Die Abenteuer Mark Twains mit Frederic March und Alexis Smith.

Mark TwainAuch eineinhalb Jahre nach der Kapitulation ist das Leben noch nicht so richtig in Fahrt gekommen, aber der Fußballsport lockt die Massen genauso wie die neuen Filme in den neu erbauten Lichtspielhäusern der Stadt. Das Waldstadion – in der Nazizeit war es „Reichssportfeld” genannt worden – ist schon acht Tage vor Ende des Krieges am 1. Mai 1945 vom Stadtkommandanten Joseph Z. Zwahlen im Auftrag der US-Armee beschlagnahmt worden (“Dieses Eigentum wird von  amerikanischen Streitkräften benötigt”). Das Stadion wird nun erst einmal als „Victory Park” bezeichnet, und gelegentlich gibt die Besatzungsbehörde das Gelände auch für erste Großveranstaltungen deutscher Organisationen frei. So auch am Samstag, dem 6. September 1947, als der FC Schalke zum Freundschaftsspiel anreist.

Rund 40 000 Menschen, so wird damals geschätzt, pilgern nach Niederrad in den Stadtwald. Sie kommen zu Fuß, vor allem mit Fahrrädern, aber auch auf Lastwagen und anderen fahrbaren Untersätzen. Das Wochenende ist also ein großes Fest, das für mich einen Tag später mit einem Kinobesuch abgerundet wird. Wenige Tage zuvor sind Die Abenteuer Mark Twains in der amerikanischen Besatzungszone gestartet worden und laufen auch in Frankfurt. Die Abenteuer Mark Twains weiterlesen