Flammendes Tal

Illustrierte Filmbühne Nr. 1099 (E. S.) – In den Scala-Lichtspielen in der Frankfurter Innenstadt läuft im Sommer 1951 der Western „Flammendes Tal“ an – keine außergewöhnlich erwähnenswerte Sache, denn in diesem Technicolor-Streifen der Paramount werden die Zutaten der Wildwest-Geschichte nur auf die übliche Weise zusammengebraut, ohne jedoch nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Es sind ehemalige Soldaten des amerikanischen Bürgerkriegs, die nach Ende der Kampfhandlungen als Farmer arbeiten. Als auf ihrem Grundstück Kupfer gefunden wird, werden sie von kriminellen Geschäftsleuten aus der Stadt und dem windige Sheriff Lane Travis (McDonald Carey) auf übelste Art und Weise über den Tisch gezogen. Erst als der Revolverheld und Kunstschütze Johnny Carter (Ray Milland) den gebeutelten Schürfern auf die Sprünge hilft und sie sich mit seiner Hilfe zur Wehr setzen, müssen die Lumpen klein beigeben. Vorher freilich kommt es im Tal zu einer wilder Reiterschlacht unter den verfeindeten Gruppen, und danach versteht es sich von selbst, dass nicht nur die Guten gewinnen, sondern der auf der „richtigen” Seite kämpfende Carter und das schwarzhaarig-gelockte Tanzmädchen Lisa (Hedy Lamarr) – ihr Herz hatte zuvor noch einem der üblen Gesellen gehört –, sich selig den Armen liegen. Flammendes Tal weiterlesen

Piraten im Karibischen Meer

Illustrierte Filmbühne Nr. 783  (E. S.) – Der 1. September 1951 ist für die Entwicklung der Kino- und Filmwirtschaft in der Bundesrepublik ein ziemlich interessantes Datum: Die Filmbewertungsstelle (FBW) der Länder nimmt in Wiesbaden ihre Arbeit auf. Ihre Aufgabe besteht darin, die von den Filmverleihern und Produzenten vorgelegten Kultur-, Dokumentar- und Spielfilme zu beurteilen. Und Filme, welche die Prädikate „wertvoll” oder „besonders wertvoll” erhalten, werden steuerlich begünstigt, was die Betriebskosten in den Kinos erheblich senken kann.

PiratenDer Film Piraten im Karibischen Meer, den ich eine Woche zuvor in Preungesheim im  Frankfurter Norden in der Nachtvorstellung sehe, hat aber keines dieser Prädikate erhalten: – schon deshalb nicht, weil die Institution ihre Tätigkeit noch gar nicht aufgenommen hat; allerdings ist auch kaum anzunehmen, dass der Streifen bei den Juroren aufgefallen wäre, handelt es sich schließlich doch „nur“ um ein spannendes Abenteuer-Spektakel, wenn auch mit einer für ein solches Genre glänzenden Besetzung (John Wayne, Ray Milland, Paulette Goddard und Susan Hayward). Einzelheiten des Geschehens auf der Leinwand sind dem Autor jedoch kaum noch in Erinnerung – John Wayne als Bösewicht zu sehen, ist ohnehin ein seltenes Vergnügen. Immerhin steht der Mann nach 80 mehr oder weniger unbedeutenden B-Filmen (Ausnahmen: „Höllenfahrt nach Santa Fe” und „Das Haus der sieben Sünden”) zu diesem Zeitpunkt noch am Anfang seiner Weltkarriere.

Auf die vielen raubeinigen „Helden” in Western, Kriegsfilmen und anderen Streifen ist er aus diesem Grund noch nicht festgelegt. Gleichwohl ist hier ein Abenteuerfilm über räuberische Piraten und ihr wildes Leben an der amerikanischen Ostküste entstanden, der sehr kurzweilig ist. Piraten im Karibischen Meer weiterlesen

California

Illustrierte Filmbühne Nr. 783 (E. S.) _ Im Luxor-Filmtheater am Hauptbahnhof in Frankfurt ist Ende Oktober 1950 ein Wildwest-Film zu sehen, der die Grenzen des Genres in manchen Bereichen überschreitet und neben dem Goldgräber-Wahn auch noch  hintergründige, politische Ränkespiele aufzeigt und außerdem in mancher Beziehung wie ein Abziehbild deutscher Nachkriegsgeschichte wirkt.

CaliforniaAuch das ferne Kalifornien ist im Jahr 1848 ein prächtiges Dorado für Glücksritter jeder Art: viele korrupte und karrieresüchtige Politiker sind ebenso darunter wie arbeitsame Goldgräber. Und alles, was der Kinobesucher in California vorfindet, gehört zwar zur klassischen Ausstattung von Wildwest-Filmen jedweder Art: diverse Tanzbars und Spielhöllen, Saloons, leichte Mädchen, Trecks, Cowboys, Soldaten, Rinderbarone, Gold-Claims, Geldgier. Das alles ist dem Publikum hinlänglich bekannt. Doch der Film geht über die üblichen Klischees weit hinaus und thematisiert die vorhandene  gesellschaftliche Strukturen des Landes an der Westküste. In der Zeit kurz nach dem Krieg gegen Mexiko will fast jeder sein Schäfchen in’s Trockene bringen – ob es nun um die winzigen Nuggets geht oder um politische Macht, die Motive ähneln sich. Das wird auch im Film sichtbar.

Die meisten Menschen, die diesen zusammen gewürfelten Haufen bilden, plädieren für einen Anschluss des Landes an die Vereinigten Staaten, weil sie sich davon einen persönlichen Vorteil erhoffen. Die korrupte Oberschicht will Kalifornien jedoch selbst beherrschen und ihre Macht absichern. Das Sein bestimmt das Bewusstsein. California weiterlesen

Der unheimliche Gast

Illustrierte Filmbühne Nr. 717 (E. S.) – Ein leicht gruseliger Film erwartet uns Anfang Juli 1950 im Frankfurter Roxy-Kino: Gespenstisch ja, aber doch nicht im Bereich des Horrors. Zwar sind die Zutaten durchaus vorhanden, aber weil die Erzählung – trotz einiger humoristischer Einlagen – nicht als Komödie angelegt ist, wirkt manches  kaum glaubhaft, auch mit der Logik hapert es gelegentlich. Es ist eben eine „Geistergeschichte”.

Der-unheimliche-GastSo etwas stösst natürlich immer auf großes Interesse, zumal Filme dieses Genres zu dieser Zeit nicht übertrieben oft vorgeführt werden. Und die von dem Stückeschreiber Shakespeare niedergeschriebene Erkenntnis eines gewissen Herrn Hamlet an Freund Horatio, es gäbe ja Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich niemand träumen lasse, beflügelt die Phantasie und weckt auch leichte Furcht. So geht es wohl auch den neuen Bewohnern eines alten und einsamen Landhauses, das auf den Klippen des südenglischen Cornwalls steht. Spukt dort nachts Der unheimliche Gast? Die Geschwister Pamela (Ruth Hussey) und Roderick Fitzgerald (Ray Milland), die nach einem Urlaub das leer stehende Anwesen vom alten Commander Beech (Donald Crisp) gekauft haben, vermuten es jedenfalls, denn in der Finsternis knarrt es hinter den Wänden, tiefes Seufzen verunsichert die Bewohner, ein geheimnisvolles Klopfen ist zu hören, die Haustiere sind mehr als verschreckt.

Welches Geheimnis also birgt das Haus, das Pamela vor dem Erwerb so anziehend fand; was ist hier einstmals geschehen? Diese Fragen stellen sich nicht nur die Beteiligten, sondern auch das Kinopublikum, das den Film 1950 im Frankfurter Roxy goutiert. Der unheimliche Gast weiterlesen

Das verlorene Wochenende

Illustrierte Filmbühne Nr. 60  (E. S./M. F.) – Als der Paramount-Film Das verlorene Wochenende im Jahr 1948 in die Frankfurter Kinos kommt, ist es für viele Zuschauer ein bedrückendes Ereignis, denn in den Jahren davor ist das Publikum durch die deutschen Firmen UFA, Terra, Tobis und andere  weitgehend mit leichten Komödien, seichter Unterhaltung oder Durchhaltestreifen „verwöhnt” worden.

Das verlorene WochenendeUnter solchen Umständen ist ein Film der so genannten „Schwarzen Serie” aus Hollywood dann doch ein recht starkes Kontrastprogramm. Doch abgesehen davon spielt Alkohol zu dieser Zeit auch im realen und wirklichen Leben des zerteilten Deutschlands durchaus eine Rolle. Bei den Bauern auf dem so genannten flachen Land ist noch immer der selbst gebrannte Schnaps aus Kartoffeln in „Mode”, in Frankfurt wird gelegentlich Bier-Ersatz auf Brotmarken der Lebensmittelkarten ausgegeben; klar, die Kriegsereignisse haben viele Menschen ohnehin aus der Bahn geworfen; die  Schwarzhändler verschieben Spirituosen. Das Thema Alkohol ist für die Zuschauer also nicht außergewöhnlich, sie sind jedoch stark beeindruckt von der intensiven Darstellung des Alkoholismus und seiner Folgen auf der Leinwand, kein Wunder auch, lässt das Drama um den New Yorker Schriftsteller und Trinker Don Birnam den meisten Besuchern den Atem stocken. Das Geschehen des Films bezieht sich dabei auf nur drei Tage, ein verlängertes Wochenende. Das verlorene Wochenende weiterlesen