Rio Grande

Illustrierte Filmbühne Nr. 1201. (E. S.) – Der Western-Klassiker Rio Grande wird Ende September 1951 in verschiedenen deutschen Städten, darunter im Frankfurter Eden im Ostend, für die Bundesrepublik erstaufgeführt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Colonel Kirby Yorke (John Wayne).

Rio Grande grünDieser Streifen, angesiedelt am gleichnamigen Grenzfluss zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko, ist allerdings nicht nur ein Western der üblichen Sorte mit Knallerei und wilden Reiterjagden, sondern ein Kriegsfilm, in dem die US-Truppen einen erbarmungslosen Kampf gegen die indianischen Ureinwohner des Landes führen. Und der Film wird – wie allgemein üblich in US-Filmen (Ausnahmen bestätigen die Regel) – nicht aus der Sicht der Indianer erzählt, sondern aus dem Blickwinkel der Land-Eroberer; voll gestopft mit edlem „Patriotismus”. Wer den Streifen mit vielen Jahrzehnten Abstand im Jahr 2015 noch einmal sieht, erkennt in der erzählten Geschichte aus 1879 jenes System, das die Voraussetzungen für die politisch-militärischen Verhaltensweisen legte, die auch heute noch von den USA „gepflegt” werden – allerdings nicht mehr nur lokal auf dem Boden der USA, sondern weltweit. Eingebettet wird das Ganze in eine Familiengeschichte mit lange anhaltenden Zerwürfnissen, die sich aber in Luft auflösen, als die angreifenden – und natürlich bösen Apachen – von den guten Weißen besiegt werden. Wie könnte es anders sein? Es ist ein durch und durch amerikanischer Film. Rio Grande weiterlesen

Die Seeteufel von Cartagena

Illustrierte Filmbühne Nr. 944 (E. S.) – Unter den Mitwirkenden dieses Piratenfilmes befindet sich ein höchst interessanter Name. Es handelt sich dabei um den weltbekannten österreichischen Komponisten Hanns Eisler, dessen Arbeiten einen weiten Bogen umfassen –  von Klavier- und Orchesterwerken über bekannte Arbeiterlieder, Kammermusik bis hin zu Bühnen- und Filmmusiken. 

SeeteufelHanns Eisler gilt als einer der engsten Weggefährten des Dramatikers und Lyrikers Bertolt Brecht. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und wegen seiner  kommunistischen Überzeugung muss Eisler während der 30er und 40er Jahre lange Zeit im Exil verbringen – zunächst in einigen europäischen Staaten, danach in Mexiko und in den USA. In Hollywood komponiert er auch die Musik zu einigen Filmen – vor allem, um die  finanziellen Schwierigkeiten in der Emigration zu überbrücken – darunter fällt auch die Mitarbeit an dem Piraten-Abenteuerfilm Die Seeteufel von Cartagena. Aber in der Anfangsphase des „Kalten Krieges“ zwischen West und Ost werden in den Vereinigten Staaten gegen ihn und auch seinen Bruder Gerhart Eisler 1947 die ersten Verfahren vor dem „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ durchgeführt. Seine politischen Überzeugungen führen zur Ausweisung Eislers aus den Vereinigten Staaten und zu seiner Rückkehr nach Europa. Von 1949 bis zu seinem Tod 1962 lebt Eisler im Ostteil Berlins, wo er die Meisterklasse für Komposition an der Akademie der Künste leitet. Eisler schreibt auch die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“. Die Seeteufel von Cartagena weiterlesen

Buffalo Bill – der weiße Indianer

Illustrierte Filmbühne 892 (E. S.) – Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. Als am 29. Dezember des Jahres 1950 die deutsche Uraufführung des Farbfilms Buffalo Bill, der weiße Indianer im Frankfurter Kino Luxor ansteht, haben sich Theaterbesitzer Wollenberg und die Verleihfirma 20th Century Fox wieder einmal etwas Besonderes einfallen lassen. Sie präsentieren Saorevo, den angeblich einzigen noch lebenden indianischen Gefährten des legendären weißen Büffeljägers.

Buffalo BillDer 70-Jährige lebt im Westerwald, sein Vater soll Häuptling gewesen sein, sein Großvater sogar „Medizinmann“. Ob das alles stimmt, sei dahingestellt, jedenfalls tritt der Mann in farbenfrohem Federschmuck in mehreren Vorstellungen vor das Publikum und erzählt abenteuerliche Geschichten nicht nur über Buffalo Bill selbst, sondern auch über die vielen Kriege des Weißen Mannes gegen die Indianer bei der Erschließung des Wilden Westens. Er macht das gekonnt und die Auftritte  sind so erfolgreich, dass sich die nahe gelegenen Bars Tabu und Royal sogleich veranlasst sehen, sich der weiteren Dienste des alten Mannes zu versichern. Wollenberg – in Frankfurt für spektakuläre Werbeaktionen bekannt und fast berühmt – geizt in den Zeitungsinseraten außerdem nicht mit zugkräftigen Schlagwörtern.

Als der Film am 5. Januar dann im Luxor am Hauptbahnhof in die zweite Woche geht, ist von „atemberaubender Spannung“ die Rede und von einer „grandiosen Inszenierung, die „alles andere weit in den Schatten“ stellt. Doch es braucht eigentlich solcher Übertreibungen nicht. Denn tatsächlich ist die zwiespältige Lebensgeschichte des Trappers, Postreiters, Kutschenfahrers, Kundschafters, Siedlers und späteren Show-Unternehmers William F. Cody (1846-1917) in dem Technicolor-Film höchst beeindruckend erzählt. Buffalo Bill – der weiße Indianer weiterlesen

Der Seeräuber

Illustrierte Filmbühne Nr. 873 (E. S.) – Ein farbenprächtiger und überdies hervorragend ausgestatteter Piratenfilm aus Amerika erreicht uns Anfang Dezember des Jahres 1950 im Frankfurter Filmpalast – er ist zudem eingebettet in einen Rausch von Technicolor-Farben, versehen mit glänzenden Dialogen, untermalt mit hinreißender Musik. Eine schillernde Ansichtskarte aus der „Traumfabrik“ Hollywoods: Der Seeräuber. Die eigentliche Hauptrolle aber spielt das Karibische Meer.

Der SeeräuberDas hat Bedeutung für die Kinobesucher. Reisen ins Ausland gehören nach wie vor zu den geheimen Wunschträumen. Auch fünf Jahre nach Kriegsende sind aus finanziellen Gründen vor allem Urlaubsreisen nach Oberbayern, Allgäu, Bodensee, Schwarzwald und diverse  Badeorte an Nord- und Ostsee gefragt – obwohl es auch möglich ist, auch erstmals wieder ohne besonderen Anlass und mit geringem Aufwand an Formalitäten ins Ausland zu fahren. Doch noch fehlt das Geld in den Taschen der Bundesbürger, weshalb sich mancher Traum zunächst einmal im Kino erfüllt. Filme, die in fernen Ländern spielen, sind deshalb beliebt. Auch Der Seeräuber gefällt in dieser Hinsicht. Messerstechereien, blutige Duelle, elegante Fechtszenen, brutale Folterungen und natürlich eine romantische Liebesgeschichte prägen das turbulente Geschehen, in der auch der historisch tatsächlich existierende Gouverneur Henry Morgan eine Rolle spielt.

Morgan hat sich zuerst als berüchtigter Seeräuber Namen gemacht, ehe er im Jahr 1674 auf Grund einer Amnestie unverhofft zum Gouverneur von Jamaika mutiert ist. In dieser Eigenschaft lässt er seine einstigen Weggefährten gnadenlos verfolgen. Der Seeräuber weiterlesen

Sindbad, der Seefahrer

Illustrierte Filmbühne Nr. 803 (E. S.) – Nach den vielen Bemühungen in den ersten Nachkriegsjahren, kulturell etwas zu bewegen und auch im Kino und Film  neue Wege zu beschreiten, konsumieren die Menschen 1950 überwiegend Heiteres, was aber nicht unbedingt immer Gutes sein muss. Schnulzen feiern große Erfolge, und gesteigertes Interesse finden auch „gesellschaftliche Ereignisse“ wie etwa die Wahl der ersten Miss Germany, die Heirat von Hollywood-Star Liz Taylor mit dem Erben des Hotelimperiums Hilton oder die Verlobung des Schahs von Persien mit Soraya im Oktober, was ja nichts anderes ist als die Ankündigung einer „Traumhochzeit“.

SindbadDrei Monate nach der Verlobung geht dann im Februar 1951 das „Hochzeitsmärchen“ tatsächlich über die Bühne. Kein Wunder, dass in dieser Zeit besonders all die bunt schillernden Fabrikate aus Hollywood gefragt sind, in denen die pracht- und geheimnisvolle orientalische Märchenwelt eine Rolle spielen. Unter diesen Umständen hat es auch der Film Sindbad, der Seefahrer – westdeutsche Premiere ist am 18. August im Frankfurter Bieberbau – leicht, ein großes Publikum zu finden. Denn anders als bei manchen der vielen deutschen Produktionen dieser Zeit darf trotz mancher   Übertreibungen von unbeschwerter Unterhaltung gesprochen werden. Die vielfältigen Abenteuer von Sindbad (Douglas Fairbanks jr.), der sich auf der Suche nach verborgenen Schätzen befindet und sich zugleich auch um die Zuneigung der schönen Prinzessin Shireen (Maureen O’Hara) bemüht, sind für die meisten Besucher kurzweilige Unterhaltung. Warum auch nicht? Sindbad ist schließlich ein verflixter Teufelskerl. In jeder noch so schwierigen Lebenslage weiß er sich zu helfen und aus prekären Situationen zu befreien. Geld? Das braucht er nicht! Sindbad, der Seefahrer weiterlesen

So grün war mein Tal

Illustrierte Filmbühne Nr. 766 (E. S.) – An diesen Film erinnere ich mich aus zwei Gründen besonders gut. Zunächst bringt die 20th Century Fox den Film unter der Bezeichnung Schwarze Diamanten heraus, ändert aber bereits kurz darauf den Titel in Anlehnung an den Roman und das US-Original in So grün war mein Tal. Außerdem verzichten die professionellen Zeitungskritiker auf ihre spitzen Federn und überlassen in Absprache mit dem Centfox-Verleih und dem Theaterbesitzer Wollenberg vom „Metro im Schwan“ in Frankfurt den Zuschauern die Beurteilung, was bei der Qualität des Films einigermaßen überrascht.

So-grün-war-mein-TalImmerhin ist der Film schon mit fünf Oscars ausgezeichnet worden und beruht auf dem berühmten Roman des Walisers Richard Llewellyn. Schwere Arbeit für die Laien also. Auch ich versuche mich mit einer Kritik an dem Film, der die Geschichte einer Familie namens Morgan am Ende des 19. Jahrhunderts in Südwales erzählt. Diese Familie führt im idyllischen Tal ein einfaches, aber zufriedenes Leben. Ruhe und Beschaulichkeit finden jedoch ein plötzliches Ende, als in der Gegend Kohlevorkommen entdeckt werden. Das ruft natürlich geldgierige Schlotbarone aus den Industriezentren auf den Plan, und die Arbeiter und Gewerkschaften halten dagegen. Auf der Jagd nach einer möglichst hoher Rendite nehmen die Grubenbetreiber nur wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der Einheimischen und der vielen zugewanderten Kumpel, es kommt zum Streik und zu klassenkämpferischen Auseinandersetzungen, die tief in die Familie hineinwirken. Das Leben im Tal und auch die Menschen selbst verändern sich.

Wie durch diese Vorkommnisse auch der Zerfall der Familie Morgan beeinflusst wird, erzählt in Rückblenden der inzwischen alt gewordene Sohn Huw Morgan (Roddy McDowall). Dabei wird sein eigenes Leben als kleiner Junge, aber auch das Schicksal seiner Eltern (Donald Crisp und Sara Allgood), seiner Schwester (Maureen O’Hara) und seiner Brüder in den Zeitenläuften für die Zuschauer nachvollziehbar. So grün war mein Tal weiterlesen

Der Glöckner von Notre Dame

Illustrierte Filmbühne Nr. 29  (© E. S.) Im Jahr 1831 schrieb der französische Autor Victor Hugo die im 16. Jahrhundert unter König Ludwig XI. spielende Geschichte Der Glöckner von Notre Dame, die zu einem der Klassiker der Weltliteratur wurde und mehr als einmal verfilmt worden ist. In der RKO-Fassung von 1939 spielt Charles Laughton den weitgehend stummen Glöckner Quasimodo, Maureen O’Hara gibt die Esmeralda.

Glöckner von Notre DameAls der us-amerikanische Film am 3. Februar 1948 (zunächst mit einkopierten Untertiteln, ein Jahr später synchronisiert) in die deutschen Kinos kommt, hat er zwar den Charakter eines etwas gruseligen Horrorfilms, kann aber die zahlreichen Besucher nicht wirklich erschrecken. Sie haben zu viel zu tun beim Wiederaufbau des Landes und werden ohnehin täglich von diversen Sorgen heimgesucht, denn es hapert noch an Ecken und Enden. Und die Lage ist keineswegs rosig. In der britischen wie auch der amerikanischen Zone treten rund drei Millionen Angestellte und Arbeiter aus Protest gegen die schlechte Versorgung mit Lebensmitteln in den Streik. Immerhin geht es anderswo vorwärts: Berlin wird zu dieser Zeit wieder an das internationale Telefonnetz angeschlossen. Auch die Kinoversorgung ist bereits gewährleistet. Die Filme, die von den amerikanischen Militärbehörden zur Vorführung freigegeben werden, sind zwar meistens schon älteren Datums, aber doch auch in vielerlei Hinsicht faszinierend – so wie Der Glöckner von Notre Dame eben.  Der Glöckner von Notre Dame weiterlesen