Mein Freund Harvey

Illustrierte Filmbühne Nr. 1184 (E. S.) – Im Frankfurter Lichtspieltheater „Metro im Schwan” startet Mitte Juli 1951 ein Film, der mit seinem hintergründigem Humor den grauen Alltag vergessen lässt und in fast poetischer Weise die Herzensgüte eines spleenigen, aber gutmütigen Mannes in einer amerikanischen Kleinstadt zum Thema hat.

HarveyEin gewisser Elwood P. Dowd (James Stewart) lebt in Harmonie mit seinem überaus guten Freund und ständigen Begleiter. Wo auch immer der freundliche Mann hingeht, begleitet ihn dieser Freund. Außer Elwood Dowd merkt das freilich niemand im näheren Bekannten- und Freundeskreis, denn nur er selbst vermag den zwei Meter großen Harvey zu sehen; es ist ein weißer Hase, mit dem sich Dowd berät und austauscht und dieses Verhalten bringt seine Schwester Veta (Josephine Hull) fast zur Verzweiflung, denn wegen des skurrilen Auftretens fürchtet sie um die Heiratschancen ihrer Tochter Myrtle Mae (Victoria Horne) – schließlich vertreibt Elwood alle in Frage kommenden Kandidaten aus dem Haus. Danach wird im Verwandtenkreis erwogen, den im Grunde absolut harmlosen Elwood in eine psychiatrische Anstalt einweisen. Mein Freund Harvey weiterlesen

Winchester 73

Illustrierte Filmbühne Nr. 1060 (E. S.) In den Frankfurter Kinos Roxy und Eden läuft am 13. April 1951 gleichzeitig der Film Winchester 73 an, der diesem berühmt gewordenen Gewehr ein filmisches Denkmal setzt. Dabei hat Regisseur Anthony Mann mit den Darstellern James Stewart, Shelley Winters, Dan Duryea, Stephan Mc Nally, Rock Hudson und Tony Curtis (die beiden Letztgenannten in frühen Filmen zu sehen) einen spannenden, aktionsreichen Western geschaffen.

Winchester 73Der Regisseur vermeidet dabei jedes ziellose Herumballern und Herumreiten. Blicke, Töne und die Gestik der Beteiligten schaffen vielmehr eine insgesamt ruhige Atmosphäre, was insofern von Bedeutung ist, als die meisten Amerikaner seit je her einen fast krankhaften Drang und Hang zu Waffen haben, und auch ihr Schießeisen oft locker genug sitzt. Das liegt weitgehend in der Geschichte des Landes begründet, in der die gnadenlose Eroberung des Territoriums gegen die Urbevölkerung eine zentrale Rolle spielt. Ob Indianer oder Gangster, ob privater Rachefeldzug oder kriegerische Auseinandersetzung wie im Bürgerkrieg: Revolver und Gewehre sind stets als Handwerkszeug der Gewalt parat. Insofern kommt es auch nicht von ungefähr, dass der legendär gewordene Revolver von Samuel Colt, das Henry-Gewehr und die Winchester aus der Geschichte der USA nicht wegzudenken sind. Die Winchester 73 ist in dieser Zeit wegen ihrer Zuverlässigkeit und Präzision überaus begehrt. Sie ist teuer (100 Dollar gegenüber 40 Dollar eines normalen Gewehres), weil nur einer von 1000 gefertigten Läufen – und zwar der allerbeste – für diese Serie verwendet wird. Im Film dient diese Büchse nicht nur dem Kampf gegen allerlei Gesindel, sondern sie ist auch „ritterliches Werkzeug” im friedlichen Wettschießen. Winchester 73 weiterlesen

Der gebrochene Pfeil

Das neue Filmprogramm (E. S.) Eine echte Überraschung wird den Kinobesuchern Ende September 1951 im Frankfurter Filmpalast geboten, als der Film Der gebrochene Pfeil anläuft. Erstmals wird in diesem amerikanischen Western ein realistischeres Bild der Indianer gezeigt als das bis dahin der Fall ist. 

Der-gebrochene-PfeilRegisseur Delmer Daves präsentiert uns mit viel anerkennenswertem Ernst und gebührender Fairness den berechtigen Kampf der Apachen in Arizona gegen die unaufhaltsam vordringenden weißen Eroberer. Immerhin sind zu dieser Zeit (1870) schon vier Fünftel des nordamerikanischen Territoriums den Indianern abgejagt worden, doch in Arizona leisten die Apachen-Stämme unter ihrem Häuptling Cochise (Jeff Chandler) noch heftigen Widerstand. Gegen die aufmüpfigen „Rothäute“ wie die Ureinwohner stets rassistisch abqualifiziert werden, soll deshalb eine militärische Expedition eingesetzt werden, letztendlich mit dem Ziel, die Indianer auszurotten. Doch auf beiden Seiten gibt es Männer, die den absehbaren, blutigen Krieg vermeiden wollen. Dazu gehören der Regierungsbeauftragte General Howard (Basil Ruysdael) sowie der Trapper Tom Jeffords (James Stewart). Jeffords, der die Sitten der Apachen aus eigener Anschauung kennt, hat er doch zeitweise bei ihnen gelebt und ist mit der Indianerin Sonseeahray (Debra Paget) verheiratet, gelingt es schließlich, sowohl Cochise als auch Howard zu Verhandlungen zu bewegen. Obwohl es immer wieder blutige Zwischenfällen gibt, bei denen auch Jeffords indianische Frau stirbt, wird der Friede schließlich erreicht. Der gebrochene Pfeil weiterlesen

Die Nacht vor der Hochzeit

Illustriertes Filmprogramm/Odlas, Wien (E. S.) – Dieser Schwarzweiß-Film ist ein Klassiker der amerikanischen Screwball-Comedys der 30er und 40er Jahre, vollgepackt mit subtiler Gesellschaftskritik, witzigen und hintergründigen Dialogen und einer glanzvoller Besetzung. Der Film startet in der Bundesrepublik am 7. Februar 1950, der Autor sieht ihn im Laufe des Sommers in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen. 

Die-Nacht-vor-der-HochzeitSeltsamerweise ist zu diesem Streifen in Deutschland kein Filmprogramm-Heft erschienen; in Österreich ist jedoch eine Ausgabe des „Illustrierten Filmprogramms“ (siehe Bild) produziert worden. Obwohl 1950 vor allem so genannte leichtere Kost in den Kinos bevorzugt wird, ist die US-Komödie entweder bei der Planung der Filmbühne übersehen worden oder die Presseabteilung der MGM hat den Start des Films verschlafen. Immerhin gibt es wöchentlich mehrere Premieren und deutsche Streifen haben in dieser Zeit Hochkonjunktur. Film des Jahres in der Bundesrepublik ist zum Beispiel der Heimatfilm »Schwarzwaldmädel« mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack in den Hauptrollen. Die „Illustrierte Filmbühne“ verkauft Hunderttausende von Programmheften zu dieser Heimatschnulze. Überhaupt finden in diesen Monaten gesellschaftliche Ereignisse großes Interesse. Die Wahl der ersten Miss Germany, die Verlobung des Schahs von Persien mit der Fürstentochter Soraya oder die Heirat des ehemaligen Hollywood-Kinderstars Liz Taylor mit dem Erben des Hotelimperiums Hilton sind wichtige Themen in der Regenbogen-Presse. Wahrscheinlich spielt auch politische Situation eine Rolle. In der Bundesrepublik steht die Wiederbewaffnung auf der Tagesordnung, international droht der Korea-Konflikt. Von diesen Dingen haben die Menschen genug. Heile Welt ist ihnen da lieber. Die Nacht vor der Hochzeit weiterlesen

Lebenskünstler

Illustrierte Filmbühne Nr. 155  (E. S.) – Als einen der ersten Filme schicken die US-Militärbehörden 1946 den Columbia-Film Lebenskünstler in die Kinos. Der Film von Frank Capra ist 1939 mit zwei Oscars (bester Film, beste Regie) ausgezeichnet worden, und lässt eine gewisse Qualität erwarten. Capra gilt als Meister der leichten Gesellschaftskomödien mit sozialkritischen Aspekten.

LebenskünstlerObwohl der Film so bald nach Ende des Krieges über die Leinwände flimmert, ist er bereits in deutscher Sprache zu sehen (und natürlich zu hören), so dass die Zuschauer, die des Englischen zu dieser Zeit meistens nicht mächtig sind, sich an den vielen, schönen Dialogen erfreuen können, ohne pausenlos auf die wechselnden  Untertitel starren zu müssen. Und solche nette Unterhaltung wie im Film, wünschen sich natürlich zu dieser Zeit alle, ist doch ein Jahr nach Kriegsende das Leben noch extrem stark geprägt von den alltäglichen Sorgen inmitten riesiger Trümmerwüsten. Doch die Menschen sind andererseits voller Erfindungsreichtum, wenn es darum geht, in ein normales Leben zurückzukehren. Sie packen an und im westlichen Frankfurter Stadtteil Nied wird schon im Mai die erste Nachkriegskerb gefeiert; dabei fehlt gewiss der würzige Geruch, der normalerweise über solch einer Kirmes liegt, es mangelt  ja an allem, aber: ein Kettenkarussell für die kleinen Kinder dreht sich, und trotz der allgemeinen Not macht sich auf dem Juxplatz viel Heiterkeit breit. Lebenskünstler weiterlesen

Der große Bluff

Illustrierte Filmbühne Nr. 30  (E. S.) – Einer der ersten und auch besten Western, die in den westlichen Besatzungszonen in die Kinos kommen, ist der 1939 gedrehte Film Der große Bluff mit James Stewart und Marlene Dietrich. Dabei darf ausreichend geschmunzelt werden, zählen doch die heiteren Szenen zum Besten in diesem Genre, vor allem, wenn der von den Bösewichten erwartete Revolverheld Destry mit dem Vogelkäfig aus der Postkutsche steigt und sich (anscheinend) der Lächerlichkeit preisgibt. 

Der-große-BluffDie Jugendlichen zwischen Zugspitze und Flensburg, die in der Nazi-Zeit solche Filme nicht mehr gesehen haben, mögen das natürlich durchaus, auch wenn  der gerade zu Ende gegangene Krieg auf der Leinwand im ballernden „Kleinformat” weitergeführt wird. Die raue und wilde Kleinstadt Bottle Neck (Flaschenhals) jedenfalls wird von ziemlich rüden Gangstern beherrscht (am der Spitze Brian Donlevy), der ehrenwerte Sheriff ermordet; als Witzfigur wird vom korrupten Bürgermeister (und Richter) der stadtbekannte Säufer Washington Dimsdale eingesetzt. Der jedoch hört unerwartet mit dem Trinken auf und holt seinen Freund Destry in die Stadt, um das böse Gesindel zu verjagen.

Doch dieser Destry hält sich – zur Enttäuschung von Dimsdale – eher an die Buchstaben des Gesetzes anstatt das Schießeisen zu benutzen. Es ist klar, dass  in diesem Film das Gute siegen wird – und ideologisch gesehen ist der Streifen gerade deshalb auch bestens dazu geeignet, die alliierten Maßnahmen zur „Umerziehung und Demokratisierung der Deutschen” in ihrer Zone zu befördern. Vor allem die Tendenz zu Recht und Ordnung prädestiniert den Film für diesen Zweck. Der große Bluff weiterlesen

Rendezvous nach Ladenschluss

Illustrierte Filmbühne Nr. 12  (E. S.) – Das Jahr 1947 ist auch in Frankfurt am Main geprägt von enormen Temperaturunterschieden. Im Januar und Februar hat eisige Kälte die ausgemergelten Menschen drangsaliert, im Sommer dagegen herrscht eine unbarmherzige Hitze, die Hundstage lassen Thermometer bis auf 38 Grad Celsius steigen. Die Straßen und Wege flirren im Sonnenlicht und die Kinder, die meist kein Schuhwerk haben, können barfuß kaum noch ihre Füße aufsetzen. Das Wetter der Nachkriegsjahre, in denen es ohnehin an allem fehlt, beutelt zusätzlich zu den Alltagsproblemen.

Rendezvous nach LadenschlussDie Schaufenster der Geschäfte in Deutschland sind immer noch leer, einiges wird weiter nur unter dem Ladentisch gehandelt, denn die Währungsreform kommt erst ein Jahr später. Ganz anders dagegen in einem Budapester Laden, in dem der tüchtige Alfred Kralik (James Stewart) und die junge Klara Novak (Margaret Sullavan) als Verkäufer arbeiten. Denn dort gibt es viele wohlfeile Leder-Geschenke und andere Accessoires im Überfluss – an diesen schönen Dingen erfreut sich wohl jeder, der sich im heißen Sommer in den Harmonie-Lichtspielen in stickig-warmer Luft den Film Rendezvous nach Ladenschluss ansieht.

Nach einem hintergründigen und auch turbulenten Versteckspiel mündet die Geschichte der so genannten „kleinen Leute” in einen romantischen Schluss. Kein wirklich großes Wunder, schließlich ist es ein Hollywood-Film, schließlich ist es Kino… Rendezvous nach Ladenschluss weiterlesen

Mädchen im Rampenlicht

Illustrierte Filmbühne Nr. 8  (E. S.) – 1947 kommt ein amerikanischer Revue-und Musikfilm in die deutschen Kinos, der persönliche Geschichten rund um die berühmten und legendären „Ziegfield Follies” erzählt. Ziegfeld selbst taucht nicht auf in dem Streifen – im Blickpunkt stehen vor allem die weiblichen Stars Judy Garland, Hedy Lamarr und Lana Turner; James Stewart ist in einer Nebenrolle zu sehen.

Mädchen im RampenlichtDer Film läuft dann in Frankfurt irgendwann auch im Lichtspiel-Theater von Herrn Gustav Kilian in der Wallstraße 22 in Sachsenhausen und der Zeitzeuge Erich S. berichtet, auf welch eher eigenartige Weise er den Film Mädchen im Rampenlicht – und das sogar ohne jedes Billett – gleich mehrmals, aber nur in kleinen Häppchen zu sehen bekommt.

„Die Kopien waren sehr knapp und so mussten sich meistens zwei Kinos, die ziemlich dicht beieinander lagen, eine Wochenschau teilen. In Sachsenhausen waren das die Harmonie und das Wall-Kino. Mehrmals am Tag musste also die Kopie von dem einen in das andere Kino geschleppt werden. Und so wurden dann auch die Anfangszeiten so aufeinander abgestimmt, so dass das irgendwie immer klappte. Dabei gab es für uns kleine Botenjungen oft Gelegenheit, Teile des Hauptfilms zu sehen. So richtig komplett aber nie. Das spielte aber auch keine so große Rolle, denn es interessierte uns nicht so sehr die Handlung als vielmehr ein Blick auf Judy Garland, Hedy Lamarr und Lana Turner.” Mädchen im Rampenlicht weiterlesen