Vater der Braut

Illustrierte Filmbühne Nr. 1073 (E. S.) Diese Familienkomödie handelt von den vielfältigen Freuden und „Leiden” eines amerikanischen Vaters am Hochzeitstag seiner Tochter. Die Geschichte, die wahrscheinlich jeder Kinobesucher in dieser oder jener Form selbst schon einmal erlebt hat, ist warmherzig und mit Humor erzählt und die Szenen, in denen der Vater der Braut sowohl Stolz als auch zärtliche Gefühle zeigen darf, finden beim Publikum viel Anklang.

Vater der BrautWas den Film zuerst für die Amerikaner, und ein Jahr später für die europäischen Kinobesucher so interessant macht, ist eine Heirat, die es „im wirklichen Leben” gegeben hat. Die Hauptdarstellerin Elizabeth Taylor, ein ehemaliger MGM-Kinderstar von nunmehr 18 Jahren, hat nämlich am 6. Mai 1950 – rund einen Monat vor der Weltpremiere des Films – tatsächlich geheiratet, und zwar den Hotelbesitzersohn Conrad „Nick“ Hilton. Als der MGM-Streifen einen Monat später in die amerikanischen Kinos kommt, wirkt das Lustspiel fast wie ein überaus gezielt arrangierter Werbegag. Denn natürlich sind die Wochenschauen und die bunten Blätter der Regenbogenpresse nach der Heirat voll von Details der glanzvollen Hochzeit in Beverly Hills. Als der Streifen aber am 10. April 1951 in die deutschen Kinos kommt, ist das Paar schon wieder geschieden. Vor allem Conrads Hiltons Alkoholprobleme, die zu tätlichen Angriffen auf Elizabeth führen, sind der Grund für die schnelle Trennung. Abgesehen von dem Ende dieser „realen” Ehe sind die Parallelen zwischen den Produkten der „Traumfabrik” und dem wirklichen Leben für das Publikum reizvoll. Vater der Braut weiterlesen

Liebe in Fesseln

Illustrierte Filmbühne Nr. 615 (E. S.) – Hinter diesem Film steckt mehr als es uns die Beschreibung der MGM-Presseabteilung weismachen will. Die Vorlage stammt von dem bekannten Schriftsteller Sinclair Lewis (Nobelpreisträger 1931), der dafür bekannt ist, in seinen Romanen ein schonungsloses Bild der amerikanischen Gesellschaft im Mittleren Westen der USA zu zeichnen. Der Film kann die Erwartungen freilich nicht erfüllen: Aus dem Buch ist ein gewöhnliches Melodram geworden.

Liebe in FesselnDer honorige Richter Cass Timberlane aus einer Provinzstadt im mittleren Westen der USA verliebt sich bei einer Vernehmung in die junge und aus so genannten „armen Verhältnissen” stammende Zeugin Virginia „Jinny” Marshland. Der ältere Witwer bittet sie bald, seine Frau zu werden, doch sie zögert, weil Timberlane zum Umfeld einer Familie gehört, die ihren Reichtum einigen nicht immer legalen Rüstungsgeschäften zu verdanken hat. Als der Richter und Virginia gegen erhebliche Widerstände heiraten, wird die junge Frau von anderen Frauen als „Goldgräberin“ denunziert. Die  allgemeine gesellschaftliche Ächtung von Virginia Marshland und der Hinweis auf die dunklen Rüstungsgeschäfte werden im Film nur am Rande gestreift. Das ist 1947, zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als überall internationale Waffengeschäfte angekurbelt werden, gerade von einem Hollywood-Konzern aus den Vereinigten Staaten nicht unbedingt zu erwarten. Der in der „Illustrierten Filmbühne” abgedruckte Text lässt jedenfalls auch nicht den geringsten Zweifel daran, dass es in nicht um gesellschaftskritische Akzente, sondern „nur“ um ein persönliches Liebesdrama geht. Liebe in Fesseln weiterlesen

Arzt und Dämon

Illustrierte Filmbühne Nr. 351  (© E. S.) Ein „Horrorfilm” mit dem Titel Arzt und Dämon wird Anfang August 1949 in Zeitungsinseraten lauthals annonciert, was uns jugendliche Kinogänger allerdings nicht beeindruckt, haben wir doch in den Tagen des Krieges am eigenen Leib erfahren, was Angst und Schrecken im realen Leben bedeutet.

Arzt und DämonDer deutsche Filmstart des MGM-Thrillers ist am 13. Mai mit dem Ende der Berliner Blockade identisch. Auch wenn sich das alltägliche Leben wieder normalisiert und der Wiederaufbau der Stadt nun wieder vorangeht, ist die Zerrissenheit der politischen Lager nicht aufgehoben. Die ständig zunehmende Konfrontation zwischen West und Ost ist beängstigend und schafft  (wenn auch oft unbeabsichtigt) die „Guten” und die „Bösen”. Der Film wirkt deshalb wie eine Parabel auf diese Situation, wenn auch „nur” die Persönlichkeitsspaltung eines Individuums dargestellt wird. Arzt und Dämon weiterlesen

Teufelskerle

Illustrierte Filmbühne Nr. 338  (E. S.) – Der Film Teufelskerle, der im Sommer 1949 in der gerade ausgerufenen Bundesrepublik Deutschland anläuft, passt so recht in die deutsche Nachkriegszeit. Der MGM-Streifen zeichnet sich durch eine lebendige Darstellung aus, ist  auch in schwierigen Situationen gewürzt mit Humor und hat überdies stark ausgeprägte humanistische Elemente. 

TeufelskerleDie Story beruht auf einer wahren Begebenheit und setzt Pater Flanagan (Spencer Tracy), der 1917 in Nebraska eine „Kleinstadt” (Boys Town) für entwurzelte Jugendliche ins Leben gerufen hat, ein Denkmal. Der Film trifft auch in Deutschland den Nerv der Zeit, denn während des Krieges und nach 1945 ist ein Großteil der Jugend ebenfalls – wie im Film gezeigt – aus der Bahn geworfen worden. Denn nicht nur unter den Erwachsenen ist die Kriminalität hoch, auch Jugendliche sind vom Virus des leichten und „schnellen Geldes” infiziert. Die Zeitung „Frankfurter Rundschau” muss immer wieder auf’s Neue über Gewalttaten berichten; so wird z. B. Ende 1947 bei einem Raubüberfall in der Feldbergstraße ein Schwarzhändler erschlagen; außerdem werden während des brutalen Verbrechens zwei völlig unbeteiligte Frauen erschossen. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges, vor allem die Kleinkriminalität ist weit verbreitet.

Unter solchen Umständen stimmt die im Film erzählte Geschichte von Pater Flanagan durchaus hoffnungsfroh. Die biographische Hintergrund bezieht sich auf den idealistischen Pater Flanagan, der 1917 in Ohama (Nebraska) eine Landfarm gründet, um  schwer erziehbare männliche Jugendliche auf ein „ordentliches Leben” vorzubereiten. Teufelskerle weiterlesen

Die Frau, von der man spricht

Illustrierte Filmbühne Nr. 22 (© E. S.) – Zwei Jahre nach Kriegsende wird im Herbst 1947 in den Scala-Lichtspielen in der Schäfergasse, ganz am hinteren Ende, wo links die Stephanstraße einmündet und rechter Hand Alte Gasse und Große Friedberger Straße mit der Vilbeler Straße eine Kreuzung bilden, der Film Die Frau, von der man spricht gezeigt. Kurz zuvor erst hat das Kino mit dem Abenteuerstreifen In Ketten um Kap Horn nach Wiederaufbau und umfangreicher Renovierung eröffnet.

Die Frau, von der Man sprichtDie Schlange der Andrängenden ist riesig an diesem Sonntag,  alle wollen eine der Eintrittskarte ergattern, denn Unterhaltung wird in diesen Tagen, Monaten und Jahren als Therapie zur Bewältigung der jüngsten Vergangenheit groß geschrieben. Egal, ob Kino oder etwas anderes: Ablenkung von täglichen Sorgen hat für die Menschen eine hohe Priorität. Auch der Sport trägt seinen Teil dazu bei. Tags zuvor hat am Bornheimer Hang die Frankfurter Eintracht in der Süddeutschen Fußball-Oberliga gegen die Sportfreunde aus Stuttgart 3:1 gewonnen, wobei Albert Wirsching, Adam Schmitt und Heinz Baas vor 8000 Zuschauern die Tore schießen.

Der blonde Wirsching ist ein bekannter Fuball-Star in Frankfurt, der in der Sachsenhäuser Wallstraße an der Einmündung zum Abtsgäßchen und neben dem Fichtekränzi (Werbespruch: „Wo’s Kränzi hängt, werd’ Ebbelwei heut ausgeschenkt”) wohnt. Wenn er sommerabends aus dem Fenster guckt, spielen die Buben auf der Straße intensiv mit dem notdürftig hergerichteten Ball, um ihm zu imponieren. Die Frau, von der man spricht weiterlesen