Liebe in Fesseln

Illustrierte Filmbühne Nr. 615 (E. S.) – Hinter diesem Film steckt mehr als es uns die Beschreibung der MGM-Presseabteilung weismachen will. Die Vorlage stammt von dem bekannten Schriftsteller Sinclair Lewis (Nobelpreisträger 1931), der dafür bekannt ist, in seinen Romanen ein schonungsloses Bild der amerikanischen Gesellschaft im Mittleren Westen der USA zu zeichnen. Der Film kann die Erwartungen freilich nicht erfüllen: Aus dem Buch ist ein gewöhnliches Melodram geworden.

Liebe in FesselnDer honorige Richter Cass Timberlane aus einer Provinzstadt im mittleren Westen der USA verliebt sich bei einer Vernehmung in die junge und aus so genannten „armen Verhältnissen” stammende Zeugin Virginia „Jinny” Marshland. Der ältere Witwer bittet sie bald, seine Frau zu werden, doch sie zögert, weil Timberlane zum Umfeld einer Familie gehört, die ihren Reichtum einigen nicht immer legalen Rüstungsgeschäften zu verdanken hat. Als der Richter und Virginia gegen erhebliche Widerstände heiraten, wird die junge Frau von anderen Frauen als „Goldgräberin“ denunziert. Die  allgemeine gesellschaftliche Ächtung von Virginia Marshland und der Hinweis auf die dunklen Rüstungsgeschäfte werden im Film nur am Rande gestreift. Das ist 1947, zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als überall internationale Waffengeschäfte angekurbelt werden, gerade von einem Hollywood-Konzern aus den Vereinigten Staaten nicht unbedingt zu erwarten. Der in der „Illustrierten Filmbühne” abgedruckte Text lässt jedenfalls auch nicht den geringsten Zweifel daran, dass es in nicht um gesellschaftskritische Akzente, sondern „nur“ um ein persönliches Liebesdrama geht. Liebe in Fesseln weiterlesen

Die drei Musketiere

Illustrierte Filmbühne Nr. 494 (E. S.)  – Fechten als Sport ist nicht unbedingt nach jedermanns Geschmack, viele Beobachter finden die Duelle auf der Planche sogar mehr als undurchsichtig und wenig attraktiv, wobei die Aktiven das selbst natürlich ganz anders sehen. Fechten im Film dagegen kann – wenn die Gefechte der Duellanten über Stühle, Bänke, Tische, Emporen, Kronleuchter und Treppen gehen – eine aufregende Angelegenheit sein.

Musketiere-neuKaum jemand weiß noch, dass der Fechtsport in den Besatzungszonen in den ersten Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges verboten ist, was allerdings von den Fechtern fast ausnahmslos ignoriert wird. Nach Direktive Nr. 23 des Alliierten Kontrollrates ist jedoch der Fechtsport für Deutsche untersagt, weil das Hantieren mit den Waffen als „militärische Übung” angesehen wird. Erst am 3. April 1950 geben die Alliierten – trotz der Gründung der Bundesrepublik Deutschland haben sie noch das Sagen in wichtigen Angelegenheiten – Grünes Licht für die Wiederzulassung des Fechtsports. Eine Maßnahme, die überfällig ist und vor allem auch von jenen Kreisen befürwortet wird, die bereits über die mögliche Gründung eines neuen Heeres nachdenken.

Anzeichen dafür häufen sich und Bundeskanzler Adenauer dreht in dieser Hinsicht am großen Rad. Da wäre ein Festhalten der Westalliierten am Verbot des Fechtens recht kontraproduktiv. Dass der Film Die drei Musketiere in dieser Zeit gestartet wird, ist natürlich reiner Zufall, doch der Streifen passt mit seinen glanzvollen Fechtszenen gut zu der neuen politischen Situation. Die drei Musketiere weiterlesen

Arzt und Dämon

Illustrierte Filmbühne Nr. 351  (© E. S.) Ein „Horrorfilm” mit dem Titel Arzt und Dämon wird Anfang August 1949 in Zeitungsinseraten lauthals annonciert, was uns jugendliche Kinogänger allerdings nicht beeindruckt, haben wir doch in den Tagen des Krieges am eigenen Leib erfahren, was Angst und Schrecken im realen Leben bedeutet.

Arzt und DämonDer deutsche Filmstart des MGM-Thrillers ist am 13. Mai mit dem Ende der Berliner Blockade identisch. Auch wenn sich das alltägliche Leben wieder normalisiert und der Wiederaufbau der Stadt nun wieder vorangeht, ist die Zerrissenheit der politischen Lager nicht aufgehoben. Die ständig zunehmende Konfrontation zwischen West und Ost ist beängstigend und schafft  (wenn auch oft unbeabsichtigt) die „Guten” und die „Bösen”. Der Film wirkt deshalb wie eine Parabel auf diese Situation, wenn auch „nur” die Persönlichkeitsspaltung eines Individuums dargestellt wird. Arzt und Dämon weiterlesen

Nacht über Indien

Illustrierte Filmbühne Nr. 345  (E. S.) – Im Jahr 1949 macht Bruno Gröning als so genannter „Geist- und Wunderheiler” viel von sich reden. Zunächst in Herford, später vor allem auf dem Traberhof bei Rosenheim, sammeln sich unzählige Behinderte und Kranke in der Hoffnung auf Linderung ihrer Leiden. Manche Illustrierte in der Bundesrepublik steigert mit Berichten über die angeblichen Wunderheilungen ihre Auflagen und auch die Filmindustrie wittert ein einträgliches Geschäft. 

Nacht über IndienEin Wochenschau-Reporter namens Rolf Engler schnipppelt in fünf Wochen einen Film über den „Wunderdoktor” zusammen, der Herzog-Filmverleih beteiligt sich daran auch finanziell und bringt die Dokumentation mit dem eher schlichten Titel „Gröning” auf den Markt. Doch irgendwie läuft die Sache nicht ganz so rund wie erhofft. Die Direktion des Bieberbau-Theaters in Frankfurt, die den Film in der Hoffnung auf gute Geschäfte für längere Zeit terminiert hat, sieht sich jedenfalls gezwungen, bereits nach wenigen Tagen die Reißleine zu ziehen und den Film abzusetzen. Und einige zeitgenössische Berichte sprechen von einem Publikum, das seinem Instinkt alle Ehre gemacht habe, denn: „Im Zuschauerraum herrschte gähnende Leere.” (Frankfurter Rundschau). An Stelle von “Gröning” wird umgehend der Centfox- Streifen Nacht über Indien aus dem Jahr 1939 eingesetzt, der auf dem Roman von Louis Bromfield beruht und im Bieberbau unter dem Titel Der große Regen vorgeführt wird, wie auch den Zeitungen zu entnehmen ist. Nacht über Indien weiterlesen

Mädchen im Rampenlicht

Illustrierte Filmbühne Nr. 8  (E. S.) – 1947 kommt ein amerikanischer Revue-und Musikfilm in die deutschen Kinos, der persönliche Geschichten rund um die berühmten und legendären „Ziegfield Follies” erzählt. Ziegfeld selbst taucht nicht auf in dem Streifen – im Blickpunkt stehen vor allem die weiblichen Stars Judy Garland, Hedy Lamarr und Lana Turner; James Stewart ist in einer Nebenrolle zu sehen.

Mädchen im RampenlichtDer Film läuft dann in Frankfurt irgendwann auch im Lichtspiel-Theater von Herrn Gustav Kilian in der Wallstraße 22 in Sachsenhausen und der Zeitzeuge Erich S. berichtet, auf welch eher eigenartige Weise er den Film Mädchen im Rampenlicht – und das sogar ohne jedes Billett – gleich mehrmals, aber nur in kleinen Häppchen zu sehen bekommt.

„Die Kopien waren sehr knapp und so mussten sich meistens zwei Kinos, die ziemlich dicht beieinander lagen, eine Wochenschau teilen. In Sachsenhausen waren das die Harmonie und das Wall-Kino. Mehrmals am Tag musste also die Kopie von dem einen in das andere Kino geschleppt werden. Und so wurden dann auch die Anfangszeiten so aufeinander abgestimmt, so dass das irgendwie immer klappte. Dabei gab es für uns kleine Botenjungen oft Gelegenheit, Teile des Hauptfilms zu sehen. So richtig komplett aber nie. Das spielte aber auch keine so große Rolle, denn es interessierte uns nicht so sehr die Handlung als vielmehr ein Blick auf Judy Garland, Hedy Lamarr und Lana Turner.” Mädchen im Rampenlicht weiterlesen