Unter Geheimbefehl

Illustrierte Filmbühne Nr. 1043 (E. S.) – Die Maschinerie der US-Polizei läuft in dem Thriller „Unter Geheimbefehl“ auf Hochtouren. Im Mittelpunkt des Geschehens steht dabei Leutnant Dr. Clinton Reed (Richard Widmark), ein junger Arzt der Gesundheitspolizei, der bei einem ermordeten Mann einen Fall von Lungenpest diagnostiziert hat. Reed überzeugt die Behörden von der Gefahr einer drohenden Epidemie, und unter größtem Zeitdruck beginnt die Jagd nach den Mördern und anderen Kontaktpersonen, könnten sie doch selbst bereits infiziert sein.

Unter GeheimbefehlDie drohende Seuche in der Stadt New Orleans ist ganz real. Das ist jedoch nur der vordergründige Inhalt des spannenden Films. Weit brisanter ist die Frage, ob eine Behörde die Bevölkerung vor einer drohenden Gefahr dieser Art warnen soll oder nicht. Denn weil ein Reporter Wind von der Sache bekommen hat und eine Veröffentlichung bevorsteht, wird er vorübergehend festgenommen und „aus dem Verkehr” gezogen; erst auf Anordnung höherer Chargen wird der Journalist wieder freigelassen, denn schließlich geht es hier auch um die besonders in den USA hoch gelobte Freiheit der Presse. Offensichtlich im Bewusstsein dieser Problematik lädt der Fox-Filmverleih wenige Tage vor der Aufführung des Films im Frankfurter Filmpalast im August 1951 einige Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, Beamte der Frankfurter Polizei und Journalisten zu einer Sondervorführung ein, um just über diese Frage der Pressefreiheit zu diskutieren.

Als im Film die Festnahme des Zeitungsmannes gezeigt wird, gibt es unter den anwesenden Polizisten spontanen Beifall, was von den Pressevertretern in der anschliessenden Gesprächsrunde als Ausdruck der Tatsache angesehen wird, „dass die unteren Beamten die notwendige Zusammenarbeit zwischen Polizei und Presse in einem demokratischen Staat offenbar noch nicht ganz verstanden haben.” (Frankfurter Rundschau vom 2. August 1951). Unter Geheimbefehl weiterlesen

Straße ohne Namen

Illustrierte Filmbühne Nr. 757 (E. S.) – Im Jahr 1950 kommen einige Gangsterfilme in der Bundesrepublik Deutschland zur Vorführung, die mit dokumentarischem Charakter und reportageähnlichem Stil die harte Verbrechensbekämpfung in den USA zum Inhalt haben, darunter befinden sich auch „Geheimagent T”, „Der Todeskuss“, „Das Haus in der 92. Straße”, oder Straße ohne Namen.

Straße ohne NamenAlle diese Streifen werben mit direkter und indirekter Finanzierung für die Arbeit des FBI oder des Schatzamtes in den Vereinigten StaatenAuch für die gesamtpolitische Situation in der Bundesrepublik Deutschland sind diese Filme mehr als nützlich. Denn in den Bundesländern ist eine Diskussion über eine zentrale und damit bessere Arbeit der gesamten deutschen Polizeiorgane im Gange. Auch die Vorbereitungen für die Planung und Schaffung des neuen Bundeskriminalamtes (BKA) laufen auf Hochtouren, obwohl die Einrichtung dieser Behörde wegen der generellen Zuständigkeit der Länder für die Polizeiarbeit noch mehr als umstritten ist. Gleichwohl wird geplant, das BKA im Stadtstaat Hamburg einzurichten, weil das dort befindliche „Kripo-Amt“ zuletzt in der „Verbrecherbekämpfung” (vor allem in der vormaligen britischen Zone) eine führende Rolle gespielt hat.

Noch im Oktober 1950 wird im Bonner Kabinett für die Hansestadt plädiert, doch im Frühjahr 1951 kommt dann die Wende und die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden wird als endgültiger Standort für das neue Bundeskriminalamt ausgewählt. Straße ohne Namen weiterlesen