Sindbad, der Seefahrer

Illustrierte Filmbühne Nr. 803 (E. S.) – Nach den vielen Bemühungen in den ersten Nachkriegsjahren, kulturell etwas zu bewegen und auch im Kino und Film  neue Wege zu beschreiten, konsumieren die Menschen 1950 überwiegend Heiteres, was aber nicht unbedingt immer Gutes sein muss. Schnulzen feiern große Erfolge, und gesteigertes Interesse finden auch „gesellschaftliche Ereignisse“ wie etwa die Wahl der ersten Miss Germany, die Heirat von Hollywood-Star Liz Taylor mit dem Erben des Hotelimperiums Hilton oder die Verlobung des Schahs von Persien mit Soraya im Oktober, was ja nichts anderes ist als die Ankündigung einer „Traumhochzeit“.

SindbadDrei Monate nach der Verlobung geht dann im Februar 1951 das „Hochzeitsmärchen“ tatsächlich über die Bühne. Kein Wunder, dass in dieser Zeit besonders all die bunt schillernden Fabrikate aus Hollywood gefragt sind, in denen die pracht- und geheimnisvolle orientalische Märchenwelt eine Rolle spielen. Unter diesen Umständen hat es auch der Film Sindbad, der Seefahrer – westdeutsche Premiere ist am 18. August im Frankfurter Bieberbau – leicht, ein großes Publikum zu finden. Denn anders als bei manchen der vielen deutschen Produktionen dieser Zeit darf trotz mancher   Übertreibungen von unbeschwerter Unterhaltung gesprochen werden. Die vielfältigen Abenteuer von Sindbad (Douglas Fairbanks jr.), der sich auf der Suche nach verborgenen Schätzen befindet und sich zugleich auch um die Zuneigung der schönen Prinzessin Shireen (Maureen O’Hara) bemüht, sind für die meisten Besucher kurzweilige Unterhaltung. Warum auch nicht? Sindbad ist schließlich ein verflixter Teufelskerl. In jeder noch so schwierigen Lebenslage weiß er sich zu helfen und aus prekären Situationen zu befreien. Geld? Das braucht er nicht!

Der Text in der Illustrierten Filmbühne Nr. 803 macht deutlich: „Sindbad, der kühne Seefahrer und leichtherzige Vagabund, hat wieder einmal nicht die kleinste Kupfermünze in der Tasche..“ Gleichwohl aber ersteigert er, ohne mit der Wimper zu zucken, ein prunkvolles Schiff und bezahlt es auch, womit allerdings genau, das bleibt offen. Ist auch nicht wichtig, der Spaß allein zählt!

Dieser märchenhafte Hochstapler Sindbad gewinnt immer, zuletzt und nach mehreren Anläufen auch das Herz der schönen Prinzessin Shireen. Und mit seinem humorvollen Diener Melik (Walter Slezak) schlägt er ganze Kavalkaden von bösen Angreifern in die Flucht. Und die Farbe leuchtet derweil und strahlt von der Leinwand. So ist das Ganze ein schöner Spaß für alle, die den Weg in’s Kino gefunden haben! Keine verlorene Zeit wie bei so manchem anderen Film.

Daten zum Film

Sindbad der Seefahrer (Illustrierte Filmbühne Nr.  803) mit dem Originaltitel Sindbad the Sailor ist ein Abenteuer- und Märchenfilm der RKO Radio Pictures aus dem Jahr 1947 nach einer Erzählung von George W. Yates sowie Figuren und Motiven aus den morgenländischen Märchenschatz von Tausendundeiner Nacht. Regisseur Richard Wallace arbeitet in dem Technicolor-Streifen mit den Darstellern Douglas Fairbanks jr. (als Sindbad), Anthony Quinn (als Emir), Maureen O’Hara (als Shireen) und Walter Slezak (als Melik). Die deutschen Synchronstimmen kommen von Hans Georg Laubenthal (Douglas Fairbanks), Ralph Lothar (Anthony Quinn), Gudrun Genest (Maureen O’Hara), Arno Paulsen (Walter Slezak).

Erstaufführungen in den USA am 13. Januar (landesweit) und am 22. Januar 1947 (New York City), westdeutsche Premiere am 18. August 1950 im Frankfurter Bieberbau, wobei andere Quellen von einer deutschen Erstaufführung bereits am 10. August sprechen.