Epilog – Das Geheimnis der Orplid

Illustrierte Filmbühne Nr. 905 (E. S.) – Das turbulente Geschehen ist  verschwommen, es fällt sichtlich schwer, den turbulenten Ereignissen im Film zu folgen. Als ich Epilog – Das Geheimnis der Orplid im Frankfurter Filmpalast in der Großen Friedberger Straße zu sehen bekomme, bestimmen internationale Schieber, dubiose Waffenhändler, Bombenleger, FBI-Agenten und einige harmlose Schiffspassagieren die Szenerie – Mord und Totschlag eingeschlossen.

EpilogUnd es ist ein durchaus übles Spiel. Weil ein von einem  früheren Nazi-Funktionär erbautes Schiff in der Nordsee (auf der Überfahrt von Hamburg nach Schottland) verschollen ist, versucht nun der junge  Journalist Peter Zabel (Horst Caspar), die letzten Stunden auf der Luxusjacht zu rekonstruieren. Dabei kommt er dunklen Geschäften auf die Spur. An Bord befand sich nämlich nicht nur ein dunkler Waffenhändler namens Hill (Arno Paulsen), sondern auch ein gefährlicher Bombenleger (Carl Raddatz) sowie ein FBI-Agent (Peter van Eyck). Doch beide spielen zunächst andere Rollen. Der Bombenmensch hat sich als Pianist getarnt, der FBI-Mann aus den USA gibt den charmanten, geheimnisvollen  Steward.

Es ist eine bunt zusammen gewürfelte Hochzeitsgesellschaft, die sich neben den bereits erwähnten Bar-Klimperer und dem Polizisten noch auf dem Schiff befunden hat: Der reiche Mr. Hopman zum Beispiel, Eigner des Kahns, und nebenbei auch noch  internationaler Schiebergeschäfte verdächtig, der undurchsichtige Bräutigam Martin Jarzombeck (Hans Christian Blech) seine Braut Conchita (Irene von Meyendorff), ein Pastor (Rolf von Nauckhoff) sowie  die Malaiin Leata, wobei diese Aufzählung unvollständig ist.

Auf jeden Fall ergibt sich ein fast undurchschaubarer Mischmasch und es ist kein Wunder, dass Reporter Zabel seine liebe Müh’ und Not hat, die verwickelten Fäden zu entwirren. Immerhin ermittelt der Reporter, dass die Orplid noch am 14. August 1949 gegen 22.08 in Funkverbindung mit einem schwedischen Frachter gestanden hat, sich kurz danach aber  jede Spur verliert.  Zabel fragt sich, ob Zufall, Hass, Liebe geschäftliche oder politische Machenschaften zu dem Untergang geführt haben.

Erst nach vielen Recherchen bringt er die Wahrheit an’s Tageslicht, stösst mit seinen Enthüllungen bei seinem Verleger (Hans Leibelt) nicht gerade auf Wohlwollen, fürchtet der doch um seine Geschäfte. Zum Schluss wird Zabel im Paternoster von dem bösen Herrn Pianisten und Bombenleger, der natürlich den Untergang der Orplid lebend überstanden hat, gemeuchelt. Doch Leate rächt ihn und tötet ihrerseits den Killer.

Trotz der gelegentlichen Film-noir Ansätze, verbunden mit thrillerhaften Aktionen, bleibt das Ganze am Ende ziemlich schwer verdauliche Kost, und es wundert mich nicht, dass der Film letztlich ohne Erfolg bleibt. Sowohl beim Publikum als auch finanziell. Helmut Käutner hat als Regisseur schon subtilere Filme gemacht…

Daten zum Film

Epilog – Das Geheimnis der Orplid (Illustrierte Filmbühne Nr. 905) ist ein Film der CCC-Produktion von Artur Brauner aus dem Jahr 1950. Unter der Regie von Helmut Käutner – er schrieb zusammen mit R. A. Stemmle auch das Drehbuch – spielen Horst Caspar (als Reporter Peter Zabel), O. E. Hasse (als Chefredakteur Mannheim), Peter van Eyck (als Steward Stefan Lund und FBI-Agent). Weiter namhafte Mitwirkende sind Ilse Werner, Hans Leibelt, Camilla Spira, Blandine Ebinger, Fritz Kortner, Hilde Hildebrand, Irene von Meyendorff, Hans Christian Blech, Bettina Moissi, Paul Hörbiger und Carl Raddatz.

Die Erstaufführung ist am 7. September 1950 bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig, in Deutschland startet der Film am 29. September 1950 gleichzeitig in Hamburg und Dortmund, bald darauf auch in Frankfurt am Main. Gesehen vom Autor im Frankfurter Filmpalast.