Tokio Joe

Illustrierte Filmbühne Nr. 996 (E. S.) – Ein Mann namens Tokio Joe wird in dem aufgewühlten Japan der Nachkriegszeit in die Tragödie einer Ehe und in die Machenschaften skrupelloser Elemente verwickelt, die in der Atmosphäre nach dem Ende des Krieges ihren kriminellen und politischen Geschäften nachgehen. Ein Film, der am 22. Mai 1951 im Filmpalast seine Frankfurter Erstaufführung erlebt.

Tokio-JoeDie Nachkriegsjahre unter amerikanischer Besatzung sind in Japan  turbulent – ähnlich wie auch in Deutschland. Schmuggler und Schieber machen im Land der aufgehenden Sonne ihre zweifelhaften Geschäfte. Das wird begünstigt, weil die Menschen im Land nach den verheerenden amerikanischen Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki mit Hunderttausenden von Toten und Verwundeten tief verunsichert und verängstigt sind. Gleichwohl wird in dem Film einer eher menschliche, private Tragödie im Umfeld politisch-krimineller Elemente thematisiert. So entsteht ein gravierender Gegensatz zwischen dem harten Realismus des Milieus und der romanhaft überladenen Handlung, in der Pflichterfüllung und Liebe sich immer wieder gegenüberstehen. In der fiebrigen Atmosphäre des Films fehlen zwar auch kleine Seitenhiebe auf Militärbürokratie und Geheimdienst nicht, doch in erster Linie ist das Ganze ein Starporträt für Humphrey Bogart geworden, der diesen Film mit seiner Produktionsgesellschaft „Santana“ verwirklicht. Gleichwohl ist er am Ende nicht der strahlende Held, sondern als völlig desillusionierter Mann zum Scheitern verurteilt, den Opfertod mit eingeschlossen.

Die Handlung ist nicht glatt, sondern in mancher Hinsicht sogar verworren. Der Amerikaner Tokio „Joe“ Barrett (Humphrey Bogart) kehrt nach dem Krieg, den er als Kampfpilot bei der Air-Force mitgemacht hat, zurück nach Tokio, um sich um sein früheres Nachtlokal zu kümmern. In dieser Situation erfährt er, dass sich seine totgeglaubte Frau Trina Pechinkov (Florence Marly) von ihm hat scheiden lassen und er eine kleine Tochter namens Anya hat. Trina, die sich vom japanischen Geheimdienst hat anwerben lassen, um ihr Leben zu retten,  ist inzwischen mit Mark Landis verheiratet, und Joe will sie wieder für sich gewinnen.

Fliegender Frontmann

Zu dieser Zeit ist Tokio Joe  auch als fliegender Frontmann für den kriminellen Baron Kimura tätig, dem ehemaligen Chef der japanischen Geheimpolizei. Joe muss Luftfracht befördern, von der er annimmt, dass es sich „nur“ um Penicillin und Drogen handelt. Doch es steckt mehr dahinter, denn es geht auch um rechtsextreme Machenschaften, die dazu dienen sollen, die neue demokratische Regierung zu stürzen. Als Joe nicht mehr mitspielen will, lässt Kimura die kleine Anya entführen. Um sie auszulösen, soll Joe japanische Kriegsverbrecher ins Land bringen. Joe weigert sich, rettet Anya das Leben, wird aber im anschließenden Kampf tödlich verletzt.

Daten zum Film

Tokio Joe (Illustrierte Filmbühne Nr. 996) mit dem amerikanischen Originaltitel Tokyo Joe ist ein Film der „Santana Produktion“ von Humphrey Bogart, verliehen von der Columbia (1949). Unter der Regie von Stuart Heisler spielen Humphrey Bogart (als Joseph „Joe“ Barrett), FlorenceMarly (als Trina Pechinkov Landis), Alexander Knox (als ihr Ehemann Mark Landis) und Sessue Hayakawa (als Baron Kimura) die Hauptrollen. Weitere Mitwirkende sind Jerome Courtland, Gordon Jones, Teru Shimada, Hideo Mori und Charles Meredith.  Das Drehbuch stammt von Cyril Hume und Bertram Millhauser, an der Kamera steht Charles Lawton jr., die Musik komponiert Georg Antheil. – Deutsche Synchronsprecher sind Ernst Fritz Fürbringer (Humphrey Bogart), Carola Höhn (Florence Marly), Peter Pasetti (Alexander Knox) und Hans Hinrich (Sessne Hayakawa).

Erstaufführung in den USA am 26. Oktober 1949 in New York City, ab November landesweit in den USA in den Kinos. Deutscher Start am 2. Januar 1951, in Frankfurt ab 22. Mai 1951 im Filmpalast zu sehen.