Tonelli

Illustrierte Filmbühne Nr. 43 (E. S.) – In der Palette, einem kleinen Varieté-Theater in Frankfurter Stadtteil Bornheim, tritt Ende August 1948 neben dem Kabarett “Plus und Minus” auch die junge Filmschauspielerin Mady Rahl auf. Gleichzeitig läuft nur einen Kilometer südlich in den Zoo-Lichtspielen der Film Tonelli, in dem sie eine der beiden weiblichen Hauptrollen spielt. Wie man sieht, müssen auch bekannte Filmstars in der schwierigen Nachkriegszeit sehen, wo sie bleiben (oder arbeiten). 

TonelliDer Film ist eine so genannte Reprise, ein 1943 uraufgeführter Bavaria-Streifen, der von den amerikanischen Militärbehörden aber direkt nach Ende des Krieges wieder zur Vorführung freigegeben wird, weil er fast blitzartig  als „unbedenklich” eingestuft wird. Tatsächlich geht es in dem Zirkus-Melodrama aber ziemlich schwerfällig zu, jedenfalls bei weitem nicht so leicht wie zum Beispiel in dem Singspiel „Im weissen Rössl”, das gleichzeitig in dem nur wenige Meter vom Zoo-Kino entfernten „Althoff” als ein einmaliges Gastspiel des Deutschen Theaters aus München gegeben wird. Besitzer Franz Althoff hat auf dem Zoo-Gelände einen Zirkus-Festbau errichtet und dieser „Palastbau“ spielt in der Nachkriegszeit in Frankfurt eine bedeutende Rolle als Stätte kultureller Darbietungen der leichteren Art. Jedenfalls lassen alleine die über 200 Mitwirkenden der Rössl-Revue den Film Tonelli nebenan ziemlich alt aussehen. Das ist auch kein Wunder. Die Mixtur aus dem zu dieser Zeit im Film beliebten Artisten-Milieu, einem Ehedrama und einem dubiosem Kriminalfall ist einfach eine Spur zu melodramatisch, um wirklich gefallen zu können.

Nachdem der Artist Tino (Albert Hehn) abgestürzt ist, – so ist der Filmbühne Nr. 43 zu entnehmen, – wird sein Partner Tonio Tonelli (Ferdinand Marian) verdächtigt, den Absturz aus Eifersucht absichtlich herbeigeführt zu haben, weil Tino eine Affäre mit Tonellis Frau Maja (Mady Rahl) hat. Tonelli taucht unter, arbeitet bei einem kleinen Wanderzirkus und entwickelt mit der Seiltänzerin Nelly eine neue, erfolgreiche Nummer. Beide gehen auf große Tourneen. Doch seine verlassene Noch-Ehefrau kommt ihm auf die Spur, sie kommt zu Tode und Tonelli gerät erneut unter Mordverdacht… Na, ja!

Daten zum Film

Tonelli (Illustrierte Filmbühne Nr. 43, Notausgabe) ist ein deutsches Artisten-Melodram der Bavaria aus dem Jahr 1943. Regie führt Viktor Tourjansky, der auch mit Emil Burri am Drehbuch beteiligt ist. Als Darsteller treten auf: Ferdinand Marian (erst als Drahtseil-Artist Tonio Tonelli, dann unter Pseudonym als Joro), Mady Rahl (als seine Frau Maja, ebenfalls Drahtseilkünstlerin), Winnie Markus (als Nelly, Tonellis neue Partnerin auf dem Seil,  Albert Hehn (als Drahtseilartist Tino). – Erstaufführung am 12. Juli 1943, der Film wird als Reprise nach Kriegsende bald wieder in die Kinos gebracht. Zu sehen in den Frankfurter Zoo-Lichtspielen ab Freitag, 27. August 1948.