Überfall der Ogalalla

Illustrierte Filmbühne Nr. 515 (E. S.) – Als der Film Überfall der Ogalalla am 11. November 1949 in die bundesdeutschen Kinos kommt, gibt es noch durchaus frische Erinnerungen an die schwierigen Zeiten nach dem Krieg, als die Suche nach Verwandten und Angehörigen oftmals an den meist fehlenden Telefon- oder Telegrafenverbindungen scheiterte. Für viele Zuschauer in der Frankfurter Scala ist es sogar noch 1950 auf Grund solcher Erfahrungen aus der Nachkriegszeit nachvollziehbar, wie wichtig der schwierige und komplizierte Bau der Telegrafenleitung durch die USA 1861 gewesen sein muss. 

ÜberfallOgallalaIn Deutschland ist in den ersten Jahren nach dem Kriegsende vieles sehr problematisch, denn als nach der Kapitulation im Mai 1945 die öffentlichen Verbindungen ins Ausland (und teilweise auch innerhalb der Zonen) von den Alliierten gekappt worden waren, ist die Kommunikation zwischen den Menschen – besonders für jene, die intensiv nach Angehörigen suchen –  sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich gewesen. (Der Autor erinnert sich noch gut daran, wie schwierig es war, Kontakt zwischen der evakuierten Familie im Westerwald und dem in Frankfurt weilenden Vater auf zu nehmen). Erst ab April 1947 ist das Telegrafieren ins Ausland in kleinerem Umfang zugelassen, ab 1. November 1948 dürfen dann wieder Nachrichten ohne Einschränkung verschickt werden.

Vielleicht gerade wegen solcher eigenen Erlebnissen schärft der Streifen den Blick für die Wichtigkeit dieses historischen Bauvorhabens. Und was auf den ersten Blick wie ein billiger B-Western daherzukommen scheint, ist außerdem einer der authentischsten Filme des beliebten Genres. Regisseur ist schließlich kein Geringerer als Fritz Lang.

Dessen Handschrift ist deutlich zu spüren. Der aus Deutschland in die USA emigrierte Regisseur von „Metropolis” (1927) und „M – eine Stadt sucht einen Mörder” (1931) hat nach „Rache für Jesse James” (1940) seinen zweiten Western inszeniert, und er belässt es nicht bei den im Genre bis dahin üblichen Saloon-Szenen, Reiterjagden und wilden Schießereien, sondern erzählt den Film entschieden auf seine ihm eigene Art. Die Kreuze von Telegrafenmasten und Gräbern als verbindendes und beeindruckendes Stilmittel fallen besonders auf.

Was die Handlung selbst betrifft, ist  geht es vor allem um die Rolle des zuvor gesetzlosen Banditen Vance Shaw (Randolph Scott), der den Bauleiter Richard Blake (Robert Young) als Scout bei den schwierigen Arbeiten der Western-Union unterstützen soll. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden ist von Anfang an schwierig, am Ende findet Shaw bei einer Schießerei den Tod, die Telegrafenleitung aber geht in Betrieb.

Und es ist verständlich, dass es bei solchen gewaltigen Bauarbeiten fast zwangsläufig zu diversen Problemen kommt – ähnlich denen, die auch beim folgenden Bau der Eisenbahnlinie vom Osten in den Westen Nordamerikas in den Jahren 1862 bis 1869 aufgetreten sind – das weiß jeder, der selbst hierzulande Trümmer weggeräumt hat.

In Nordamerika kommt noch anderes hinzu. Denn nicht nur die Ausrottungspolitik gegen die Indianer – was entsprechende Gegenreaktionen der Betroffenen auslöst (Überfall der Ogalalla) – bestimmt in jenen Jahren das politische Geschehen in den USA, der Bürgerkrieg sorgt zudem für eine zusätzlich aufgeheizte unruhige Zeit. Dazu gehört auch, dass sich weiße Gangster als Indianer verkleiden, um als „Agent provocateurs” für Verwirrung zu sorgen.

Daten zum Film 

Überfall der Ogalalla (Illustrierte Filmbühne Nr. 515) trägt den Originaltitel Western Union und ist ein Film der 20th Century Fox (Produzent Darryl F. Zanuck) von Regisseur Fritz Lang nach einem Roman des bekannten Westernschreibers Zane Grey. Als Darsteller sind beteiligt: Randolph Scott (als zunächst gesetzloser Vance Shaw, der dann beim Bau der Telegrafenleitung arbeitet), Robert Young (als Bauleiter Richard Blake), Dean Jagger (als Bauherr Edward Creighton), Virginia Gilmore (als seine Tochter Sue Creighton), u. a. sind auch noch John Carradine, Chill Wills  und Barton MacLane beteiligt. Die deutschen Stimmen gehören Axel Monje (Randolph Scott) und Erik Ode (Robert Young).

Welt-Uraufführung am 31. Januar 1941 in New York City, am 21. Februar 1941 (US-Start), deutsche  Erstaufführung am 11. November 1949; vom Autor gesehen bei der Frankfurter Premiere am 21. April 1950 in der Scala.