Lebenskünstler

Illustrierte Filmbühne Nr. 155  (E. S.) – Als einen der ersten Filme schicken die US-Militärbehörden 1946 den Columbia-Film Lebenskünstler in die Kinos. Der Film von Frank Capra ist 1939 mit zwei Oscars (bester Film, beste Regie) ausgezeichnet worden, und lässt eine gewisse Qualität erwarten. Capra gilt als Meister der leichten Gesellschaftskomödien mit sozialkritischen Aspekten.

LebenskünstlerObwohl der Film so bald nach Ende des Krieges über die Leinwände flimmert, ist er bereits in deutscher Sprache zu sehen (und natürlich zu hören), so dass die Zuschauer, die des Englischen zu dieser Zeit meistens nicht mächtig sind, sich an den vielen, schönen Dialogen erfreuen können, ohne pausenlos auf die wechselnden  Untertitel starren zu müssen. Und solche nette Unterhaltung wie im Film, wünschen sich natürlich zu dieser Zeit alle, ist doch ein Jahr nach Kriegsende das Leben noch extrem stark geprägt von den alltäglichen Sorgen inmitten riesiger Trümmerwüsten. Doch die Menschen sind andererseits voller Erfindungsreichtum, wenn es darum geht, in ein normales Leben zurückzukehren. Sie packen an und im westlichen Frankfurter Stadtteil Nied wird schon im Mai die erste Nachkriegskerb gefeiert; dabei fehlt gewiss der würzige Geruch, der normalerweise über solch einer Kirmes liegt, es mangelt  ja an allem, aber: ein Kettenkarussell für die kleinen Kinder dreht sich, und trotz der allgemeinen Not macht sich auf dem Juxplatz viel Heiterkeit breit.

Das ist aber nicht alles. Auch anderweitig gibt es Fortschritte. In der Hochstrasse am Eschenheimer Turm in der Innenstadt wird inmitten einer riesigen Schutthalde das Stadtbad Mitte wieder eröffnet, die Lebensgeister sind wach und regen sich. Die Menschen sind ohnehin zu realen Überlebenskünstlern geworden und vielleicht gerade deshalb freuen sich nun manche auch an der Gesellschaftskomödie Lebenskünstler.

In diesem Film geht es um die Liebe zwischen der einfachen Stenotypistin Alioce Sycamore (Jean Arthur) und dem reichen Tom Kirby (James Stewart). Eigentlich nichts besonderes möchte man meinen, aber die junge Frau aus einer leicht verrückten Familie des Kleinbürgertums ist auch noch recht exzentrisch, während er als ziemlich eingebildeter Millionärssohn aus so genannten „besseren Kreisen” stammt. Bei solchen Voraussetzungen liegen viele Missverständnisse auf der Hand, aber irgendwann nach vielem Hin und Her entdecken die beiden so unterschiedlichen Familien die Freude an den schlichten Dingen des Lebens wieder. So wie die einfachen Leute hierzulande es notgedrungen auch tun…

Daten zum Film

Lebenskünstler (Illustrierte Filmbühne Nr. 155 – zuvor Nr. 63 des II. Jahrgangs) mit dem Originaltitel You Can’t Take It with You ist eine Komödie der Columbia – nach einen Bühnenstück von George Simon Kaufman und Moss Hart – aus dem Jahr 1938, die als einer der ersten Filme aus den USA in Deutschland gezeigt wird. Unter der Regie von Frank Capra agieren Jean Arthur (als Alice Sycamore), Lionel Barrymore (als Großvater Martin Vanderhof), James Stewart (als Tony Kirby). Weiter dabei sind Edward Arnold, Mischa Auer und Ann Miller.  Der Film wurde 1939 mit zwei Oscars ( bester Film, beste Regie) ausgezeichnet. US-Erstpremiere Ende August, Erstaufführung am 1. September 1938 in New York City. Erstmals gezeigt in der amerikanischen Besatzungszone im Jahr 1946.  in Frankfurt gelaufen  Mitte März 1947 in mehreren Frankfurter Kinos.

Der Film wurde als erster Film nach dem Krieg in der US-Zone in deutscher Sprache gezeigt; er wurde von der MPEA, der Exportorganisation der US-Filmwirtschaft, in Geiselgasteig synchronisiert. Die Stimme von James Stewart kam von E. F. Fürbringer, Angela Salloker lieh Jean Arthur ihre Stimme.