Asphaltdschungel

Illustrierte Filmbühne Nr. 889 (E. S.) – Am 28. April des Jahres 1950 erscheint in der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ eine 30 Zeilen lange Besprechung des Films Asphaltdschungel. Das ist nichts Außergewöhnliches, denn jede Woche gibt es mehrere Kritiken zu neuen Filmen in den Kinos der großen Stadt. Doch ungewöhnlich ist – allerdings nur im Rückblick auf die Vergangenheit – , dass zwar die Darsteller Sterling Hayden, Jean Hagen, Sam Jaffe, Louis Calhern und andere für ihre Arbeit über den grünen Klee gelobt werden, über eine gewisse Marylin Monroe jedoch kein Wort verloren wird.

AsphaltdschungelDas ist auch keineswegs erstaunlich. Die junge Monroe, auch hier als naive Blonde eingesetzt, ist nur in drei Szenen zu sehen, zusammen gerechnet dauert ihre Anwesenheit auf der Leinwand nicht mehr als fünf Minuten. Sie ist nur eine Nebendarstellerin und noch weit entfernt vom großen Ruhm späterer Jahre. Gleichwohl wird sie später einmal sagen, dass dieser Film einer ihrer besten Darbietungen enthalte. Tatsächlich wirkt die Monroe in den wenigen Szenen mehr als präsent. Ohnehin ist es ja nicht das Anliegen von John Huston, einen Star zu lancieren. Dem Regisseur fasziniert vielmehr der Stoff, der auf einem Roman von W. R. Burnett beruht. Erzählt wird darin das Drama eines zwar gelungenen, aber bei der Verteilung der Beute doch gescheiterten Juwelenraubes und die Zerwürfnisse unter den beteiligten Gangstern. Der Film prägt sich dabei tiefer in das Gedächtnis ein als es sonst Kriminalreißer tun. Das hat gute Gründe, weil alles aus der Sicht der beteiligten Gangster beleuchtet wird.

Die sozialen Aspekte spielen dabei eine Rolle, aber auch der Blick auf Kriminalität und Gewalt und deren Entstehung. Gleichwohl bewahrt Huston Distanz. So erregen zwar die Beweggründe der Gangster die Anteilnahme der Zuschauer, aber das führt nicht zu falsches Mitleid oder Sympathie. Auch dann nicht, als einer lebend in die Hände der Justiz fällt, während die Flucht des anderen tödlich endet. Verrat und Liebe sind gleichzeitig eingebunden in die dramatischen Ereignisse.

Packende Kameraarbeit

Die nächtlichen Szenen beim Juwelenraub in der Bank knistern trotz (oder wegen) ihrer Kargheit vor Spannung. Fast alle Darsteller sprengen unter der Leitung von Huston das Klischee von Gangstern der üblichen Art. Besonders Sam Jaffe als „Doc“ Riedenschneider erweist sich als erstklassiger Darsteller. Zu Recht wird er noch im Jahr 1950 bei den Filmfestspielen in Venedig als bester Darsteller ausgezeichnet.

Was den Film außerdem so sehenswert macht, sind die packenden Schwarz-Weiß-Bilder von Kameramann Harold Rosson, der einer der besten seines Faches ist. Im Zusammenwirken von Regisseur, Kameramann und überdurchschnittlich guten Schauspielern entstand deshalb ein erstklassiger Kriminalfilm.

Daten zum Film

Asphaltdschungel (Illustrierte Filmbühne Nr. 889) mit dem Originaltitel Asphalt Jungle ist ein Film noir-Krimi der Metro-Goldwyn-Mayer aus dem Jahr 1950. In dem 111 Minuten langen Film spielen unter der Regie von Produzent John Huston die Darsteller Sterling Hayden (als Dix Handley), Jean Hagen (als Doll Conovan), James Whitmore (als Gus Minissi), Sam Jaffe (als Doc Erwin Riedenschneider), Louis Calhern (als Alonzo Emmerich), John McIntire (als Kommissar Hardy), Antony Caruso (als Louis Ciavelli) sowie Marilyn Monroe (als Angela Phinlay). An der Kamera steht Harold Rosson, die Musik kommt von Miklos Rozsa. Sam Jaffe wird bei den Filmfestspielen in Venedig 1950 als bester Darsteller ausgezeichnet.

Die deutschen Stimmen kommen von Gisela Trowe (Jean Hagen), Axel Monje (Sterling Hayden), Alfred Balthoff (Sam Jaffe), Walter Suessenguth (John McIntire), Antony Caruso (Wolfgang Lukschy). Die Stimme von Marylin Monroe ist dem Autor biher unbekannt geblieben. – Uraufführung am 23. Mai 1950 in den USA, nachträgliche Festpremiere am 8. Juni 1950 in New York City, in der Bundesrepublik erstmals am 20. Oktober 1950 zu sehen, in Frankfurt gestartet im Filmpalast am 27. April 1951, wenig später vom Autor in den Harmonie-Lichtspielen gesehen.