Und es ward Licht

Illustrierte Filmbühne Nr. 264  (E. S.) – Im November 1948 eröffnet Ludwig Reichard in der Lange Strasse 22 am Allerheiligentor an der Grenze zwischen der Innenstadt und dem Frankfurter Ostend das neu aufgebaute Lichtspiel-Theater Eden. Von außen her betrachtet ist es ein eher schlichtes Gebäude im Stil der Nachkriegszeit, innen wirkt es für die damalige Zeit Verhältnisse recht luxuriös, die rund 700 Plätze sind mehr als beeindruckend. Gezeigt wird der französische Film Und es ward Licht.

Und es ward Licht1948 gibt es viele Impulse zur Normalisierung des Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits im Juni hat die Währungsreform das wirtschaftliche Leben in eine neue Richtung gelenkt, wenngleich auch die in den Westzonen einseitig durchgeführte Umtauschaktion des Geldes die Spaltung Deutschlands beschleunigt. Auch in Frankfurt gibt es einige interessante Nachrichten. Der von den US-Streitkräften beschlagnahmte Palmengarten wird wieder für Deutsche geöffnet; im Oktober geht die erste Herbstmesse mit bereits genau 1771 Ausstellern über die Bühne. Obwohl die Veranstaltung nur an zwei Tagen für das Publikum geöffnet worden ist, kommen immerhin 300.000 Besucher in die Hallen. Und ein gewisser Herr Neckermann siedelt sich im Frankfurter Ostend mit einer Textil-Großhandlung an, aus der bald ein großes, mächtiges Versandhaus entsteht. Und der Filmboom nimmt seinen Lauf. In Frankfurt haben schon viele Lichtspielhäuser wieder geöffnet und spielen französische, britische, amerikanische und die ersten deutschen Nachkriegsfilme wie etwa „…und über uns der Himmel”. Längst werden auch so genannte deutsche Reprisen aus der Vorkriegs- und Kriegszeit gezeigt.

Im November 1948, zwei Tage nachdem das Roxy in der Vilbeler Straße seine Pforten wieder geöffnet hat, lädt also Ludwig Reichard – ihm hat ein gleichnamiges Kino  schon Anfang der 30er Jahre in der gleichen Gegend gehört, das 1944 im Bombenhagel völlig zerstört worden ist – zur Premiere ins neu erbaute Haus. Gezeigt wird der Film Und es ward Licht. Die Erinnerungen bleiben dunkel und eher verschwommen, aber  soviel ist doch im Gedächtnis hängen geblieben: Ein Pastor (Pierre Blanchard) hat das blinde und verwahrloste Mädchen Gertrud in seine Familie aufgenommen und mit seinen eigenen Kindern groß gezogen. Später verlieben sich sowohl der Pastor als auch sein Sohn Jaques (Jean Desaille) in die nach einer Operation wieder sehend gewordene Gertrude (Michele Morgan), deswegen nimmt das Drama seinen Lauf…

Daten zum Film

Und es ward Licht trägt den Originaltitel: La Symphonie pastorale (Illustrierte Filmbühne Nr. 264) und ist ein französischer SW-Film von 1946. Die Regie liegt in den Händen von Jean Delannoy, als Darsteller treten auf: Michèle Morgan (als blindes Mädchen Gertrude), Pierre Blanchard (Pastor Jean Martens), Line More (als Amelie, Frau des Pastors), Jean Desaille (als Jaques, Sohn des Pastors). – Deutsche Stimme: Gisela Trowe (Michele Morgan). –  Erstaufführungen: Filmfestival Cannes 1946, Februar 1947 (Französische Besatzungszone). – Gelaufen bei der Eröffnung des Eden im November 1948.