Und über uns der Himmel

Illustrierte Filmbühne Nr. 56  (© E. S.) Mit dem Film  …und über uns der Himmel (Hauptrolle: Hans Albers) eröffnet das Bieberbau-Kino in Frankfurt am Main nach dem Zweiten Weltkrieg seine Pforten. Es ist ein für die Zeit typischer Film, der auch das so genannte Wirtschaftswunder psychologisch befeuert. 

Und über uns der HimmelDie Bieberbau-Lichtspiele sind  ein traditionsreiches Frankfurter Kino. Schon vor dem Jahr 1910 ist die Räumlichkeit in der Biebergasse  – zwischen der allseits bekannten Hauptwache und der Großen Bockenheimer Straße (in Frankfurt auch als Freßgass’ legendär und bis zum Opernhaus führend) – unter der Bezeichnung „Intimes Theater Trocadero“ als Kleinkunstbühne genutzt worden. Und  im Jahr 1915 hat es erste „kinematographische Vorstellungen” gegeben und bereits neun Jahre später wird ein Saal für 400 Personen eröffnet. Der Aufbau nach der Bomben-Zerstörung erfolgt nach Kriegsende sehr rasch und die Eröffnung mit einem Hans Albers-Streifen im Dezember 1947 verheisst eine hoffnungsvolle Zukunft.

Weil die bestellten Kinositze nicht rechtzeitig eintreffen, werden eilends Küchenstühle herbeigeschafft, um die Premiere und die nächsten Vorstellungen überhaupt durchführen zu können. Das Theater überlebt allerdings noch nicht einmal die nächsten 20 Jahre. Das vom Fernsehen ausgelöste Sterben der Lichtspielhäuser führt 1965 zur Schließung und zum Abriss des Gebäudes.

Der Film selbst ist ein typisches Melodram der Nachkriegszeit, das auch als so genannter Trümmerfilm eingeordnet wird. Die Erinnerungen an die Premiere sind vage: Es ist der 19. Dezember 1947, Winter also, aber die Besucher werden von der wohligen Atmosphäre des Kinosaales eingefangen und beeindruckt. Der Inhalt des Films ist weit weniger anheimelnd. Es geht um die üblichen Schwarzmarkt-Geschäfte, in die der Kranführer Hans Albers verwickelt ist und um seinen Sohn, der mit einer vorübergehenden Erblindung aus dem Krieg zurückgekehrt ist.

Immerhin sehe ich zum ersten Mal Albers auf der Leinwand singen, nachdem ich ihn schon im Radio habe singen hören. „Und über uns der Himmel, der wird nicht untergehen…” Regie führt Josef von Baky, produziert hat den Streifen die Objektiv-Filmgesellschaft aus Berlin.

Es ist also wirklich einer jener typischer Filme der Nachkriegszeit, der mit dem prominenten Albers den beginnenden Wiederaufbau in Deutschland mit Optimismus stärken und zugleich das Grauen des Krieges vergessen machen will. Und es ist, nebenbei bemerkt, auch die erste Nachkriegsproduktion in West-Berlin – von der US-Militärregierung abgenommen und genehmigt.

Daten zum Film

…und über uns der Himmel (Illustrierte Filmbühne Nr. 56) ist ein deutscher Nachkriegsfilm und so genanntes Melodram von 1947, auch Trümmerfilm genannt, unter der Regie von Josef von Baky. – Darsteller und ihre Rollen: Hans Albers (als Hans Richter), Lotte Koch (als Edith Schröder), Paul Edwin Roth (als Werner Richter). – deutsche Uraufführung am 9. Dezember 1947 in Berlin. Frankfurter Premiere am 19. Dezember 1947 bei der Wiedereröffnung des Bieberbaus In Frankfurt.