Unter den Brücken

Illustrierte Filmbühne Nr. 798 (E. S.)  – Als sich am 24. Juli 1951 im Frankfurter Kino Bieberbau der Vorhang öffnet, ist ein Film zu sehen, der von den meisten Kritikern über den grünen Klee gelobt wird. Einer der professionellen Beobachter schreibt dann auch unter anderem, „das Glucksen des Wassers und das Rauschen der Schilfhalme (bilde) einen unaufdringlichen Hintergrund zu der zarten Liebesmelodie, unter der sich der Alltag der Schiffer verschönt.” (Dieter Fritko am 25. Juli 1951 in der Frankfurter Rundschau).

Unter den BrückenDie Handlung des Films ist eher schlicht und zeigt das einfache und karge Leben im rauen Alltag von Flussschiffern. Unter den Brücken erzählt dabei atmosphärisch sehr dicht die  Geschichte von zwei Männern und einer Frau. Das Zusammenleben dieser drei Menschen wird der Liebe wegen auf eine sehr harte Zerreissprobe gestellt. Hendrik Feldkamp (Carl Raddatz) und Willy (Gustav Knuth) sind die knorrigen Männer, die auf einer ihrer Fahrten die vom Leben enttäuschte Anna Altmann (Hannelore Schroth) auf ihrem Lastkahn mitnehmen. Beide verlieben sich in die junge Frau, so dass Spannungen und eine vorübergehende Trennung unvermeidlich sind. Doch ihre lange Freundschaft hält diesen Belastungen stand, und nachdem sich die junge Frau schließlich für Hendrik Feldkamp entschieden hat – was Willi eher notgedrungen dann auch akzeptiert –, setzten alle drei gemeinsam ihre Fahrt fort. Obwohl Unter den Brücken in den letzten Monaten der Nazi-Herrschaft gedreht worden ist, hebt er sich von vielen oberflächlichen Produktionen dieser „staatstragenden” Zeit ab. Die Schlichtheit der Bilder ist beeindruckend. Kameramann Igor Oberberg rückt nicht allein die Schauspieler und ihre Figuren in den Blickpunkt, sondern lässt auch die karge Landschaft, den Fluss und den Schleppkahn erzählen.

Der Film – in den letzten Kriegsmonaten unter primitivsten Bedingungen  in Berlin und rund um Potsdam hergestellt – ist 1945 nicht mehr in die Kinos gekommen, obwohl er noch im März freigegeben wird, und wird erst fünf Jahre später in Deutschland gezeigt. Der eingangs schon zitierte Kritiker Dieter Fritko schlägt eine Brücke zwischen den Zeiten, als er den Film ein gutes Zeugnis ausstellt:

„Ja, das gibt es noch – durch Zufall aus dem Zusammenbruch der barbarischen Größe gerettet als Zeugnis eines anderen Deutschlands, das auch damals, 1944, noch nicht untergegangen war und sich heute wieder zögernd seinen Weg bahnt.”

Daten zum Film

Unter den Brücken (Illustrierte Filmbühne Nr. 798) ist ein deutsches Melodram nach einer Vorlage von Leo Laforgue aus den Jahren 1944/45 (Ufa). Der knapp 100 Minuten lange Film ist von Helmut Käutner in Szene gesetzt. Als Darsteller fungieren Hannelore Schroth (als Anna Altmann), Carl Raddatz (als Schiffer Hendrik Feldkamp), Gustav Knuth (als Schiffer Willi), Ursula Grabley (als Vera), Hildegard Knef (als ein Mädchen aus Havelsberg), Margarete Haagen (als Wirtschafterin), Walter Groß (als Mann auf der Brücke). Am Drehbuch von Walter Ulbrich arbeitet auch Helmut Käutner mit. Die Kamera führt Igor Oberberg und die Musik stammt von Bernhard Eichhorn.

Die Erstaufführungen: 1946 bei den Filmfestspielen in Locarno (Schweiz), am 12. November 1946 in Schweden und am 15. September 1950 in der Bundesrepublik Deutschland (Göttingen). In Frankfurt am Main ab 24. Juli erstmals im Bieberbau zu sehen.