Vagabunden der Liebe

Illustrierte Filmbühne Nr. 583 (E. S.) – Zwischen Bleich- und Stiftstraße am Eschenheimer Turm öffnet fünf Jahre nach Ende des Krieges ein Kino, das zu den alten und bedeutenden in Frankfurt am Main zählt, seine Pforten. 1929 war das Lichtspielhaus Ufa-Palast Groß-Frankfurt aus einem Operettentheater entstanden, nun aber – Anfang der 50er Jahre – heisst das Kino  prosaischer nur noch „Turmpalast”, ist gleichwohl aber ein Prachtbau.

VagabundenLiebeDas Haus verfügt über 1200 Plätze und gehört zur GmbH von Siegfried Lubliner, Heribert Froechte und Hans Ulbrich, die schon seit knapp drei Jahren das Bieberbau an der Hauptwache als Premieren-Theater betreiben. Eine Kino-Eröffnung ist immer etwas Festliches, und deshalb bin ich auch diesmal gerne mit von der Partie. Es ist der 30. März 1950, gespielt wird in deutscher Erstaufführung der österreichische Film Vagabunden der Liebe. Wie zu dieser Zeit üblich, sind auch die Hauptdarsteller Paula Wessely und Attila Hörbiger anwesend und unterhalten das überaus festlich gestimmte Publikum mit launigen Worten. Die auch im wirklichen Leben verheirateten Künstler spielen auch in diesem Melodram ein Ehepaar, das durch eine aufstrebende, junge Filmschauspielerin eine kritische Zeit erlebt, aber am Ende doch wieder zusammenfindet. Allerdings resümiert die Ehefrau ernüchtert: „Gefühle sind Vagabunden. Manchmal verdingen sie sich wie Knechte auf einem Hof und haben den besten Willen zu bleiben. Aber nur ganz selten bleibt ein Gefühl immer und ewig am selben Fleck.” Das wirkt irgendwie dann doch sehr kitschig auf uns jüngere Zuschauer.

An diesem 30. März 1950 gibt es in Frankfurt neben der Premiere im Turmpalast noch ein anderes wichtiges Ereignis, das mit dem deutschen Film zu tun hat. Auf Initiative von Filmwirtschaftlern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wird die gemeinnützige Nothilfe für Filmkünstler ins Leben gerufen. Mit ihren Mitteln werden arbeitsunfähig gewordene oder unverschuldet in Not geratene Filmschaffende unterstützt. Allerdings geht die Gründung der Sozialstiftung bereits auf das Jahr 1949 zurück, als in Frankfurt bereits der erste internationale Filmball nach dem Kriege stattfindet. Weil der Reinerlös höher als erwartet ist, entsteht daraus die Idee der Stiftung.

Daten zum Film

Vagabunden der Liebe (Illustrierte Filmbühne Nr.  583) ist ein österreichisches Melodram mit dem Originaltitel Vagabunden (nach einer literarischen Vorlage von Juliane Kay) und stammt aus dem Jahr 1949 und gedreht unter primitiven Atelierbedingungen in Salzburg. Unter der Leitung von Rolf Hansen spielen Paula Wessely (als Dr. Elisabeth Kamma), Attila Hörbiger (als Dr. Peter Kamma), Elfe Gerhart (als Gaby Elder), Siegfried Breuer (als Andy Kapp) , Adrienne Gessner (als Mademoiselle Belet), Erik Frey (als Dr. Hessler). – Uraufführung in Österreich am 18. Oktober 1949, deutsche Erstaufführung am 30. März 1950 in Frankfurt am Main zur Eröffnung des Turmpalastes am Eschenheimer Turm.