Der Theodor im Fußballtor

Illustrierte Filmbühne Nr. 775 (© E. S.) Im Jahr 1949 führt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den so genannten Vertragsspieler ein. Erstmals dürfen Fußballvereine den Spielern der Oberligen eine Vergütung zahlen, was sehr verschämt als „Entschädigung” bezeichnet wird. Richtiger Profifußball bleibt aber nach wie vor verpönt. Die Bezahlung selbst ist eher ernüchternd. Richard Herrmann vom FSV Frankfurt – immerhin bereits ein angehender deutscher Nationalspieler – erhält zum Beispiel in einem Monat mit Grundgehalt, einer „Aktivitätszulage” und Prämien gerade 360 Mark. Nach dem üblichen Abzug von Lohn- und Kirchensteuer bleiben ihm netto 339,05 DM.

TheodorDiese  neuen „Vertragsspieler” oder auch die allgemeine Situation im Fußballsport spielen in Der Theodor im Fußballtor jedoch keine besondere Rolle. Denn es geht hier nicht um finanzielle Aspekte, Gehälter oder zusätzliche Prämien, sondern nur um Liebesgeschichten und Heiratssachen. Der Fußball ist in dem Film nur Staffage. Der in seine tüchtige Sekretärin verliebte Inhaber eines kleinen Reisebüros (Theo Lingen) – zugleich begeisterter Hobby-Kicker – sieht  in seinem Vereinskollegen Theo Haslinger jr. (Josef Meinrad) einen gefährlichen Rivalen um die Gunst der angebeteten Charlotte (Charlott Daudert). Die Spannung zwischen beiden wirkt sich negativ auf die ganze Mannschaft aus. Haslingers Vater (noch so ein Theodor) und zugleich Klub-Chef (Hans Moser) hat seinen Sohn aus diesem Grund aus dem Tor verbannt und dessen Liebeskonkurrenten aus dem Reisebüro – einen gelernten Feldspieler –  in den Kasten gestellt.

Doch irgendwie kommt alles zu einem guten Ende. Der junge Haslinger kehrt ins Tor zurück, Lubitz versucht sich lieber wieder als Mittelstürmer und verzichtet zu Gunsten von Haslinger. Bis zu diesem glücklichen Ende gibt es viel Krach im Haus Haslinger: Versöhnung, Trennung, Tränen und Versöhnung.

Die insgesamt eher dürftige Handlung lebt natürlich in erster Linie von dem Gespann Theo Lingen und Hans Moser. Der eine „näselnd”, der andere „mosernd” wie immer. Dazu gibt der großartige österreichische Theaterschauspieler Josef Meinrad – in Filmen meist weit unter Wert eingesetzt – der Posse noch ein wenig Farbe. Obwohl der Inhalt dieses Lustspielchen nur in vager Erinnerung ist: – im Ohr geblieben ist auf jeden Fall der gleichnamige Schlager. Werner Bochmann hat die Melodie geschrieben, Kurt Feltz den Text geliefert.

Bochmann und Feltz gehören zu den erfolgreichsten Musikmachern in Deutschland, produzieren wie am Fließband. „Gassenhauer” sind bei den Leuten in Zeiten des beginnenden Wirtschaftswunders gefragt. Der Titel ist zuvor schon von Margot Hielscher ohne großen Erfolg vorgetragen worden, aber zum Erfolg wird er dann erst durch den Film.

Der vielseitige Radioreporter Sammy Drechsel ist in einer Nebenrolle zu sehen. Was den Film außerdem interessant macht, ist die Einbindung der Fußball-„Löwen” in den Film; immerhin sind die damals in der Süddeutschen Oberliga kickenden Münchener keine Unbekannten im deutschen Sport – gleichwohl aber fehlt es dem Film am notwendigen Tempo (und Witz).

Daten zum Film

Der Theodor im Fußballtor (Illustrierte Filmbühne Nr. 775) ist ein deutsch-österreichisches Sport-Lustspiel der Zeyn-Styria-Produktion im Verleih der Herzog (1950) nach einer Idee von Günter Schwarz. Die Regie hat E. W. Emo übernommen, unter seiner Anleitung produzieren sich Theo Lingen (als Reisebüro-Inhaber Theo Lubitz), Hans Moser (als Theo Haslinger sen.), Josef Meinrad (als Theo Haslinger jun.), Lucie Englisch (als Frau Haslinger), Charlott Daudert (als Sekretärin Charlotte). Außerdem dabei sind Beppo Brem, Gustav Knuth, Katja Mayberg und Loni Heuser.

Deutsche Erstaufführung am 29. August 1950 in München, in Frankfurt gestartet am 24. September im Bieberbau.