Verlorene Jugend

Illustrierte Filmbühne Nr. 562  (E. S.) – Als der im Jahr 1948 produzierte italienische Film Verlorene Jugend im Frühsommer 1950 in die Kinos  kommt, ist auch die wildeste Nachkriegszeit in Deutschland bereits vorbei. Die Auswirkungen des Krieges sind nicht mehr so krass zu spüren wie in den fünf Jahren zuvor, als besonders Kinder und  Jugendliche unter den Nachwirkungen des Krieges zu leiden hatten.

Verlorene JugendDoch die trübe Erinnerung an Not und Elend ist den meisten von uns durchaus noch allgegenwärtig. Nach 1945 waren viele entwurzelte Jugendliche durch die Trümmer der zerstörten Stadt Frankfurt geirrt, hatten sich an den Schwarzmarkt-Geschäften und Schiebereien beteilig und den Menschen in der Bahnhofsgegend Angst eingejagt. Das Harmloseste war noch das „Kippenstechen” –  Einsammeln von achtlos weggeworfenen Zigarettenresten amerikanischer GIs. Doch einige der jungen Burschen hatten sich sogar zu schweren Straftaten wie Raub und Mord hinreissen lassen, weil sie sich schnellen Gewinn an Geld oder Naturalien erhofften. Doch die andere Seite dieser Medaille erzählt uns allen von der Hilfsbereitschaft junger Leute beim Aufbau der großen Stadt, ihrem Einsatz bei der Trümmerbeseitigung, ihren ländlichen Hamsterfahrten für ihre Familien und ihrem Wunsch, dauerhaft in Frieden zu leben. Angesichts des Kalten Krieges und der viel diskutierten Wiederbewaffnung in der Bundesrepublik ist das allerdings ein Wunschtraum.

Just zu dieser Zeit kommt Verlorene Jugend in die Kinos, ein Film der in der Bundesrepublik durch Verleih und Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) um sage und schreibe 24 Minuten gekürzt wird, warum auch immer… Es ist eine Art Reportage-Film, vermischt mit kriminalistischen Elementen und er zeichnet  in eindrucksvolle Art ein ungeschminktes Bild der bitteren Nachkriegszeit in Italien. Dabei sind es vor allem Studenten für die das im Krieg erlernte Schießen und Töten fast zur Selbstverständlichkeit geworden ist und die davon nicht lassen können.

Dieses realistische und zugleich hoffnungsloses Bild einer verlorenen Generation ist für uns jugendliche deutsche Zuschauer bedrückend – haben wir uns doch schon längst an die oberflächliche „Heiterkeit” vieler deutscher Nachkriegsfilme gewöhnt, die zu dieser Zeit die Kinos überschwemmen.

Daten zum Film 

Verlorene Jugend (Illustrierte Filmbühne Nr. 562) trägt den italienischen Originaltitel Gioventu Perduta und ist ein Drama aus dem Jahr 1948. Unter der Spielleitung von Pietro Germi (auch am Drehbuch beteiligt) treten Carla del Poggio (als Luisa Manfredi), Massimo Girotti (als Marcello Mariani), Jacques Sernas (als Stefano Manfredi), Diana Borghese (als Stella) und Franca Maresa (als Mario Rivano in Erscheinung. – Der Film ist in der Bundesrepublik zeitweise auch unter dem Namen Strangut der Sünde gezeigt worden.–

Erstaufführungen: Im Jahr 1948 in Italien (genaues Datum unbekannt), am 13. März 1950 in der Bundesrepublik Deutschland und am 6. April 1951 in Österreich (unter dem Titel: Gefährliche Laster). Gesehen vom Autor in den Eden-Lichtspielen in Frankfurt am 25. Januar 1950..