Heimweh

Illustrierte Filmbühne Nr. 616  (E. S.) – Die Zentrale des Filmverleihs von MGM (Metro-Goldwyn-Mayer) in der Frankfurter Taunusstraße hat lange gezögert, ehe sie Heimweh 1950 in die deutschen Lichtspieltheater schickt. Einer der Gründe für die Zurückhaltung mag gewesen sein, dass die Bosse befürchteten, die durch Krieg gezeichnete junge Generation sei für den übersentimentalen Streifen (noch) nicht empfänglich.

HeimwehDoch im Herbst 1950 halten sie die Zeit dann für gekommen, um die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem Buben und seinem Hund Lassie auf den Markt zu werfen. Die Zeit der so genannten „Trümmerfilme” ist längst vorbei – und über die Bewältigung der Vergangenheit wird kaum noch gesprochen. Der Kitsch breitet sich aus. Auch die Filme aus deutscher Produktion sind Massenware und eher durchschnittlich. Eine gute Gelegenheit also, den 1943 nach einer Kurzgeschichte von Eric Knight entstandenen Streifen endlich vorführen zu lassen. Die Story handelt von Joe (Roddy McDowall), der seine Hündin an einen Adligen verkaufen muss, weil seine Familie in Geldproblemen steckt. Obwohl Lassie weit entfernt auf einen Landsitz verbracht wird, kehrt der Collie, ausgehungert und erschöpft von seinem langen Heimweg, zu dem Jungen zurück. In den USA ist der Film ein großer Erfolg gewesen. Vielleicht, weil nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor und dem daraus resultierenden Kriegseintritt der USA leichte, ablenkende Unterhaltung beim Publikum besonders gefragt ist. Die Firma MGM macht jedenfalls so gute Kasse, dass sogleich eine Serie aufgelegt wird.

Nach Heimweh (1943) gibt es bald darauf  „Son of Lassie” (1945), „Lassie – Held auf vier Pfoten” (1946), „Lassies Heimat” (1948), „Lassie in Not” (1949) sowie „Lassie und die Goldgräber” (1951). Weitere Filme im Kino und Fernsehserien folgen. Auch in der Bundesrepublik findet Heimweh sein begeistertes Publikum, den Autor allerdings mag er nicht zu überzeugen. Zuviel Seelenschmalz…

Der Film ist aber noch aus einem anderen Grund von Interesse. Die im Produktionsjahr 1943 zehnjährige Elizabeth Taylor erklimmt mit diesem Film die erste Sprosse zu ihrer Weltkarriere, obwohl sie nacheinem Kurzauftritt in dem weithin unbekannt gebliebenen Universal-Film „There’s One Born Every Minute” auch in Heimweh nur in vier Szenen und insgesamt noch nicht einmal zehn Minuten auf der Leinwand zu sehen ist. Gleichwohl gibt ihr MGM einen siebenjährigen Studiovertrag und setzt sie anschliessend in „Die Waise von Lowood (Jane Eyre)” in einer weiteren kleinen Rolle ein. Doch der weitere Verlauf der Dinge ist bekannt.

Daten zum Film

Heimweh  (Illustrierte Filmbühne Nr. 616) trägt den amerikanischen Originaltitel Lassie come Home und ist ein MGM-Film aus dem Jahr 1943 nach einer Erzählung von Eric Knight. Unter der Regie von Fred McLeod Wilcox spielen unter anderem Roddy McDowall (als der Junge namens Joe Carraclough), Donald Crisp (als sein Vater Sam Carraclough), Elsa Lanchester (als seine Mutter), Nigel Bruce (als Duke von Rudling), Elizabeth Taylor (als das Mädchen Priscilla). Weiter dabei sind May Whitty (als Dally) und Edmund Gwenn (als Rowlie). – Deutsche Stimmen, so weit bekannt: Walter Werner (Nigel Bruce), Konrad Wagner (Donald Crisp).

Weltpremiere ist am 7. Oktober 1943 in New York City, im Dezember des gleichen Jahres läuft der Film USA-weit an, Erstaufführung in Deutschland ab 15. September 1950,  Kinostart in Frankfurt am 12. Oktober 1950 in den Scala-Lichtspielen und dort vom Autor gesehen.