Vier Federn

Das Neue Filmprogramm (E. S.) – Ein wegen seines Austritts aus der Armee von seinen Ex-Kameraden und seiner Braut wegen „Feigheit” gedemütigter britischer Offizier zeigt während des Mahdi-Aufstands im Sudan (1898) größeren Mut als seine moralischen Richter: Das ist der Inhalt eines britischen Films, der viele Fragen aufwirft.

Vier FedernAls Anfang November 1950 im Frankfurter Turmpalast Vier Federn anläuft, fragt die  „Frankfurter Rundschau” ein wenig irritiert, ob die Vorführung dieses Films in Deutschland zu dieser Zeit unbedingt nötig ist. „Darüber lässt sich streiten”, stellt die Zeitung in ihrer Ausgabe vom 9. November fest. Das Blatt verweist darauf, dass die „Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft” (FSK) in Wiesbaden die Vorführung noch vor kurzem abgelehnt hat und dann doch überraschend und nach einigen Schnittauflagen die Freigabe erteilt hat. Auch Angehörige der Frankfurter Jugendorganisation „Die Falken“ fragen nach dem Sinn dieses Films, der die distanzlose Verherrlichung von soldatischem Ethos in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellt. Immerhin erfolgt die Aufführung zu einer Zeit, in der in der Bundesrepublik intensiv über die bevorstehende Wiederbewaffnung gestritten wird. Doch es bleibt nicht nur bei rhetorischen Fragen. „Die Falken“ jedenfalls verabreden sich zu einer Protestaktion, gehen als große Gruppe in die 18-Uhr-Vorstellung am Sonntag und verlassen mitten während der Vorstellung mit Pfiffen und lautem Gepolter das Kino am Eschenheimer Turm.

Der Film erzählt die Geschichte des jungen Harry Faversham (John Clement), der sich – anstatt sich der „ruhmreichen militärischen Tradition” seiner Vorfahren würdig zu erweisen, ausgerechnet an jenem Tag seinen Abschied nimmt, da sein Regiment mit klingendem Spiel zum Sudan-Feldzug 1898 ausrückt. Seine Regimentskameraden Durrance (Ralph Richardson), Willoughby (Jack Allen) und Bourroughs (Donald Gray).  schicken ihm per Post  als mittelalterliches Zeichen ihrer Verachtung drei weiße Federn und auch seine Braut Edna Bourroughs (June Duprez) wendet sich von ihm ab und legt eine Feder hinzu. Daraufhin bekämpft der junge Mann seine „Feigheit”, schifft sich nach Afrika ein und vollbringt dort außergewöhnliche Heldentaten, mit denen er – verkleidet als Derwisch – seinen Kameraden das Leben rettet.

Abgesehen von dem fragwürdig propagandistisch-naiven Inhalt ist das Geschehen aufwendig inszeniert und mit sehr publikumswirksamen Massenszenen garniert, ohne das die Rolle des übertrieben herausgearbeiteten Soldatentums auch nur hinterfragt wird.

Daten zum Film

Vier Federn (Das Neue Filmprogramm) trägt den Originaltitel The four Feathers und ist eine britische Literaturverfilmung (nach einem Roman von A. E. W. Mason) aus dem Jahr 1939 in einer Länge von 107 Minuten. (Produktionsfirma: London Film). Produzent ist Alexander Korda, Regie führt sein Bruder Zoltan Korda. Unter seiner Leitung spielen John Clements (Harry Faversham), Ralph Richardson (Captain Durrance), C. Aubrey Smith (General Burroughs), June Duprez (Edna Burroughs), Jack Allen (Lt. Willoughby), Donald Gray (Lt. Bouuoughs), Allan Jeayes (General Faversham). Das Drehbuch kommt von R. C. Sherriff, an der Kamera stehen Georges Périnal und Osmond Borradaile. Die Musik komponiert Miklos Rozsa. Deutsche Stimmen Ernst Wilhelm Borchert (Clements), Siegmar Schneider (Richardson), Klaus Schwarzkopf (Gray), Bettina Schön (June Duprez).

Erstaufführung am 18. April 1939 in London, in den USA ab 3. August 1939 in den Kinos, deutsche Premiere am 1. September 1950, Frankfurter Erstaufführung am 8. November 1950 im Turmpalast.