Die Dritte von rechts

Illustrierte Filmbühne Nr. 678, DNF Nr. 44  (E. S.) – Wenn im Film- und Kinogeschäft nach einem gelungenen Produkt die Kassen klingeln, dürstet es die Macher in den Studios, den Erfolg schnellstens zu wiederholen. Und weil im April 1950 der Revuefilm „Gabriela” ein großer finanzieller Erfolg wird, legt die Firma Realfilm in Hamburg nur wenige Monate später schon nach. Zu Weihnachten wird im Frankfurter „Metro im Schwan” Die Dritte von rechts gestartet – ähnlicher Inhalt, gleicher Regisseur (Geza von Chiffra) und zweimal ist der weibliche Neustar Vera Molnar an Bord.

GabrielaBeworben wird die Revue Die Dritte von rechts in den Tageszeitungen der Stadt als „das Weihnachtsgeschenk für alle Filmfreunde” und als der „deutsche Revue-Großfilm”. An dieser Behauptung ist sicher etwas Wahres dran, gleichwohl springt die Real-Film von Walter Koppel hier nur auf den eigenen Zug auf, denn Gabriela mit Zarah Leander in der Hauptrolle hat seit seiner Premiere Anfang des Jahres allerbeste Kasse gemacht. In der Schweiz sind die Einnahmen höher als vom viel besprochenen Melodram „Nachtwache“, in Deutschland kann Gabriela noch nicht einmal vom Thriller „Der dritte Mann“ aus dem Feld geschlagen werden.

Auch im Ausland gibt es volle Kassen. Es ist deutlich zu spüren, dass im Land des Wirtschaftswunders die ersten Knospen sprießen: Für die meisten Bundesbürger jedenfalls sind Augen und Ohren offen für Musik, Tanz und Revue. Die meisten Trümmer sind inzwischen beseitigt, an den Rest des Schutts hat man sich gewöhnt.

Die Handlungen in Gabriela und in Die Dritte von rechts sind eher zu vernachlässigen. In Gabriela geht es vordergründig um eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung (Zarah Leander und Vera Molnar), in Die Dritte von rechts wird eine ahnungslose Ballett-Gruppe für lukrativen Goldschmuggel ausgenutzt, wobei es gar Entführungen und Schießereien gibt. Doch in beiden Filmen dient das alles nur als mäßig sinnvolle Staffage für die vielen Tanz- und Revueszenen, in denen Regisseur und Drehbuchschreiber Geza von Cziffra vor allem seine Neuentdeckung Vera Molnar in Szene setzt.

Und nebenbei passen die Schlager von Michael Jary ja durchaus in die Zeit. In Gabriela sind „Wann wirst du mich fragen”, „ Es gibt keine Frau, die nicht lügt” und „Wenn der Herrgott will” die großen Hits, in Die Dritte von rechts reüssieren „Winke, winke” (Evelyn Künneke) und „Leise rauscht es am Missouri” (Bruce Low) zu zwei Schlagern der außergewöhnlichen Art.

Daten zu den Filmen

Gabriela (Illustrierte Filmbühne Nr. 628) ist ein deutscher Unterhaltungsfilm der Real-Film Walter Koppel (Hamburg) aus dem Jahr 1950. Unter der Regie von Geza von Cziffra ( auch Drehbuch) spielen Zarah Leander (als Nachtklub-Chefin Gabriele Donath), Vera Molnar (als ihre Tochter Andrea), Carl Raddatz (als Charlie Braatz), Siegfried Breuer (als Thomas Lorenzen). Ferner sind Grethe Weiser, Käthe Haack, Arno Assmann, Gunnar Möller und Albert Florath mit von der Partie. Musik: Michael Jary. – Deutsche Erstaufführung am 6. April 1950  in 50 Strädten, darunter in Frankfurt am Main (Metro im Schwan).

Die Dritte von rechts (Das neue Filmprogramm Nr. 44) ist ein deutscher Revuefilm der Real-Film Walter Koppel. Unter der Regie von Geza von Cziffra (auch Drehbuch) spielen Vera Molnar (als Tänzerin Katrin), Peter van Eyck (als Renato), Grethe Weiser (als Lotte Brühl), Rudolf Platte (als Barun), Oskar Sima (als Schneider),  Robert Lindner (als Viktor), Marianne Wischmann (als Asta), Paul Kemp (als Hähnchen). Musik: Michael Jary. – Erstaufführung an Weihnachten 1950 in mehreren deutschen Städten, darunter auch im Metro im Schwan in Frankfurt, dort vom Autor gesehen am 25. Dezember 1950.