Vulcano

Illustrierte Filmbühne Nr. 1067 (E. S.) – Die Nummerierung der „Illustrierten Filmbühne” ist wegen der Vielzahl von Filmen, die in die deutschen Kinos kommen, nicht immer chronologisch überschaubar. So ist Vulcano mit der höheren Nummer 1067 zum Beispiel in Frankfurt Mitte Februar 1951 schon in den Stadtteilkinos Schwanen (Bockenheim), Blumen (Bornheim), Filmbühne (Sachsenhausen) und Kurbel (Nordend) zu sehen, während „Stromboli” im Turmpalast – obwohl mit der niedrigeren Nummer 933 – erst am Freitag, 16. Februar, in Frankfurter Erstaufführung startet.

VulcanoVulcano stellt zwei Dinge in den Mittelpunkt: Einerseits die Menschen auf der kleinen Insel Vulcano nördlich von Sizilien, andererseits den Vulkan, der wie eine ständige Bedrohung für die auf dem Eiland lebenden Frauen, Männer und Kinder wirkt. Dabei ist Vulcano im Grunde genommen gar kein Spielfilm im üblichen Sinne, in dem ein sorgfältig  und dramaturgisch ausgeklügelter Handlungsablauf den Gang der Dinge bestimmt, sondern ein eher episodenhaft zusammen gestelltes Melodram, das in starken und eindringlichen Skizzen das karge Leben der Fischer und Handwerker anreisst, aber auch vertieft, vor allem als der Vulkan zu speien beginnt. Im Mittelpunkt steht Maddalena Natoli (Anna Magnanit), die jahrelang in Neapel als Dirne gearbeitet hat, und nun in ihre Heimat zurückgekehrt ist. Als der schurkenhafte Fischer Donato (Rossano Brazzi) ihre jüngere Schwester Maria (Geraldine Brooks) verführen will, greift Maddalena ein, um ihr das eigene Schicksal zu ersparen. Der Vulkan steht dabei immer wie ein Mahnmal über all diesen schicksalhaften Vorgängen – auch über dem Leben der Menschen und der Düsternis ihres Daseins auf der winzigen, einengenden Insel.

Neben den melodramatischen Akzenten ist es vor allem die glänzende Leistung von Anna Magnani, die diesen Film trägt. Der Filmkritiker Dieter Fritko lobt die Schauspielerin über den grünen Klee, als er am 20. Januar 1951 in der Frankfurter Rundschau sein Urteil über den Film abgibt:

„Sie spielt nicht, sondern sie ist eine ungezähmte Pantherin mit blenden weißen Zähnen. Sie hat den Mut zur Hässlichkeit; aber wenn sie lächelt, dann wirkt ihr Gesicht auf eine bestimmte Weise verschönt und weich. Dann wieder bricht die Seele vulkangleich aus ihr heraus in Klage zu Gott und Fluch auf die Menschen.”

Daten zum Film

Vulcano (Illustrierte Filmbühne Nr. 1067) ist ein italienisches Melodram mit dem gleichnamigen Originaltitel, hergestellt im Jahr 1949 von der Panaria Film und Artisti Associati. Produzenten sind William Dieterle und Francesco Alliata. In dem 101 Minuten langen Film im Verleih der Donaufilm (Wien) spielen unter der Regie von William Dieterle die Darsteller Anna Magnani (als Maddalena Natoli), Rossano Brazzi (als Donato), Geraldine Brooks (als Maddalenas Schwester Maria) die wichtigsten Parts. In weiteren Rollen sind Eduardo Ciannelli (als Giulio), Enzo Staiola (als Nino), Rinaldo Ambrogi (als Don Antonio) und Lucia Belfadel (als Carmela) zu sehen. Das Drehbuch kommt von Piero Tellini und Victor Stoloff, an der Kamera steht Arturo Gallea, die Musik komponiert Enzo Masetti. Deutsche Stimmen von Maria Becker (Anna Magnani), Peter Mosbacher (Rosanno Brazzi) und Bettina Schoen (Geraldine Brooks).

Erstaufführungen in Italien am 2. Februar 1950, in der Bundesrepublik am 18. Januar 1951, darunter im Metro im Sçhwan in Frankfurt), in der DDR am 12. Februar 1954.