Weltrekord im Seitensprung

Illustrierte Filmbühne Nr. 1084 und Filmkurier Nr. 3072 (E. S.) – Im „Dritten Reich” ist das Medium Film ein wichtiges Propagandamittel; doch die Nazi-Ideologie wird nur in relativ wenigen Filmen, darunter „Stukas”, „Hitlerjunge Quex”, „Ich klage an”, „Kolberg„” „Jud Süß” unverhohlen zur Schau gestellt. Denn der zuständige Propagandaminister Goebbels setzt vor allem nach 1939 auf unpolitische Unterhaltungsfilme, weil leichte Kost angesichts der harten Realität des Krieges die Menschen bei Laune halten soll.

Weltrekord im SeitensprungDie Mehrheit der deutschen Produktion umfasst Lustspiele, Operetten, im Ausland spielende Kriminalfilme und melodramatische Heimatfilme. Wie vom Fließband rauschen sie in die Kinos. Einer dieser vielen Filme heisst Weltrekord im Seitensprung, wird im Januar 1940 uraufgeführt und kommt elf Jahre später als Reprise wieder in die bundesdeutschen Kinos. In Frankfurt ist er 1951 in der Harmonie in Sachsenhausen zu sehen. Der etwa 100 Minuten lange Streifen ist ein derber Sçhwank um einige Frohnaturen in der fiktiven Stadt Dingelsingen und bierselige Bayern in München während des Oktoberfestes. Erzählt wird die Geschichte eines im Ruhestand lebenden Hoteliers, der sich bei einem Kegelturnier in München auf amouröse Abwege begibt, was zahlreiche Verwicklungen in München und danach in seiner Heimatgemeinde auslöst.

Der Reihe nach: In dem Städtchen Dingelsingen am schönen Rhein lebt ein gewisser Ottokar Kiesewitz (Ludwig Schmitz), zuvor Hotelier und nun im Ruhestand. Kiesewitz weiß mit sich und der Welt nicht mehr viel anzufangen, seit er den Betrieb seinem Schwiegersohn Georg Schütze (Jupp Hussels) übergeben hat. Unter diesen Umständen entwickelt sich der gute Kiesewitz für seine Mitmenschen zu einer rechten Nervensäge. Weil sich der Ruheständler wie kaum ein anderer auf’s Kugelschieben versteht, wird er eines Tages nach München zu einem WM-Turnier der Kegler entsandt, um die Farben seiner Heimatgemeinde würdig zu vertreten.

Zur Sicherheit und für alle Fälle reist sein Schwiegersohn als „Aufpasser” mit in die große Stadt. Immerhin ist München ein anderes Pflaster als Dingelsingen. Doch anstatt sich auf das sportliche Ereignis zu konzentrieren, begibt sich Herr Kiesewitz am Abend vor dem Turnier noch einmal auf das Oktoberfest, und es kommt wie es kommen muss. Der Ruheständler – weiblichen Reizen natürlich durchaus nicht abhold – lernt in einem Bierzelt die hoffnungslose verzweifelte Resi Holdinger (Lucie Englisch) kennen, die sich gerade mit ihrem Bräutigam Josef Burgsteller (Fritz Kampers) wegen dessen krankhafter Eifersucht verkracht hat.

Die üblichen Verwicklungen

Weil sich der gute Kiesewitz bei dieser Gelegenheit aus „Sicherheitsgründen” vorsichtshalber für seine Schwiegersohn Georg ausgegeben hat, kommt es im weiteren Verlauf zu den üblichen Verwicklungen, die sich auch nach der Rückkehr an den Rhein in vielfältiger Form fortsetzen.

Involviert sind dabei auch die von München nach Dingelsingen nachgereisten Liebesleute Resi und Josef aus München, sein Intimfeind Ludwig Bollermann (Hans Stiebner) sowie seine Tochter Lore (Marina von Ditmar), die sich mit einen attraktiven Kapellmeister (Curd Jürgens)  zu verloben gedenkt. Doch trotz diverser Verwicklungen kommt alles wieder in’s Lot – aber wer hätte das nicht von Anfang an gedacht bei dieser harmlosen Unterhaltung?

Daten zum Film

Weltrekord im Seitensprung (Illustrierter Berliner Filmkurier Nr. 3072 und Illustrierte Filmbühne Nr. 1084) ist ein deutsches Lustspiel der Deka aus dem Jahr 1939/40. Produzent ist Rüdiger von Hirschberg. In dem 101 Minuten langen Film spielen unter der Regie von Georg Zoch die Darsteller Ludwig Schmitz (als Ex-Hotelbesitzer und Ruheständler Ottokar Kiesewitz), Julia Serda (als seine Frau Malwine), Else Elster (als ihre Tochter Helene), Marina von Ditmar (als ihre Tochter Lore), Jupp Hussels (als Schwiegersohn Georg Schütze, Mann von Helene), Hans Stiebner (als Gasthausbesitzer Ludwig Bollermann), Lucie Englisch (als Münchnerin Resi Holdinger), Fritz Kampers (als Resis Bräutigam Josef Burgsteller), Curd Jürgens (als Kapellmeister und Auserkorener von Tochter Lore).

Das Drehbuch stammt von Georg Zoch und Reinhold Meißner, an der Kamera arbeitet Horst Fink, die Musik komponiert  Will Meisel. – Erstaufführung am 30. Januar 1940, als Reprise wiederaufgeführt im Jahr 1951 in der Bundesrepublik.