Wem die Stunde schlägt

Illustrierte Filmbühne Nr. 789 (E. S.)  – Am 11. Januar 1951 startet um 18 Uhr in Frankfurt in einer Festvorstellung in deutscher Erstaufführung und dazu auch noch in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste aus dem In- und Ausland Wem die Stunde schlägt nach einem Roman von Ernest Hemingway. Der noch frische Turmpalast ist Schauplatz der Premiere dieses Films, in dem Paramount einige Ereignisse während des Spanischen Bürgerkrieges thematisiert; die Hauptrollen spielen Ingrid Bergman und Gary Cooper. 

Wem die Stunde schlägtDas Datum ist zwar eher zufällig zustande gekommen, doch ist dieser Tag politisch gesehen von historischer Bedeutung. An diesem 12. Januar 1951 tritt die UN-Konvention über die „Verhütung und die Bestrafung von Völkermord“  in Kraft, nachdem die Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York bereits zwei Jahre zuvor (genau am 9. Dezember 1948) das Dokument als Resolution Nr. 260 der Generalversammlung vorgelegt hat. Es ist eine interessante, wenn auch nur theoretische  Frage, wie die Staaten der Welt – wäre die Konvention zu dieser Zeit schon in Kraft gewesen – auf die Vorgänge in Spanien reagiert hätten, als zwischen Juli 1936 und April 1939 die demokratisch gewählte Volksfrontregierung der Zweiten Spanischen Republik von rechtsgerichteten Putschisten unter Führung von General Franco gestürzt wurde.

Abgesehen von diesen Aspekten ist es jedenfalls höchst erfreulich, in der immer mehr zunehmenden Flut belangloser und oberflächlichen deutscher Produktionen wieder einmal ein Film mit ernsterem Hintergrund zu sehen, auch wenn das Thema des Bürgerkriegs von einer Liebesgeschichte und viel Action überlagert wird. Im Vordergrund des Films steht dabei die Romanze zwischen der jungen Spanierin Maria (Ingrid Bergman) und dem amerikanischen Patrioten Robert Jordan (Gary Cooper), der als Freiwilliger in den spanischen Bürgerkrieg gezogen ist, um in den Internationalen Brigaden die Sache der einheimischen Demokraten zu verteidigen.

Zentrale Aufgabe für ihn ist die Sprengung einer strategisch wichtigen Brücke, die ihm den Tod bringen wird. Ob solches „Heldentum” allerdings gerechtfertigt ist, muss bei allen guten Absichten offen bleiben.

Als herausragend wird die Leistung von Ingrid Bergman beurteilt. Einen Tag nach der Premiere in Frankfurt schreibt der Filmkritiker Dieter Fritko in der „Frankfurter Rundschau” unter anderem: „Nie sahen wir Ingrid Bergman so beseelt und so vital zugleich. Ihre Jungfrau von Orleans wirkt wie ein buntes Abziehbild gegen diese Leistung.”

Auch Gary Cooper heimst Lob ein: „Robert Jordan (ist) sehr männlich, sehr verhalten, und doch von seinem Auftrag in einer Art durchdrungen, die ihn der letzten Stunde wissend entgegen gehen lässt.” Ingrid Bergman und Gary Cooper waren nebenbei bemerkt die Wunschbesetzung des Romanciers Hemingway.

Daten zum Film

Wem die Stunde schlägt (Illustrierte Filmbühne Nr. 789) ist ein amerikanischer Spielfilm der Paramount aus dem Jahr 1943 und beruht auf einer Story von Ernest Hemingway. Der Originaltitel lautet For Whom the Bell Tolls. Unter der Regie von Sam Wood  – als Produzent fungiert Cecil B. De Mille – agieren die beiden Hauptdarsteller Gary Cooper (als Lehrer und amerikanischer, antifaschistischer Widerstandskämpfer Robert Jordan), Ingrid Bergman (als Spanierin Maria). Außerdem stehen Katina Paxinou (Pilar), Vladimir Sokoloff, Arturo de Cordova, Akim Tamiroff, Joseph Calleia und Feodor Chaliapin auf der Besetzungsliste. Deutsche Synchronsprecher sind Eva Vaitl (Ingrid Bergman) und Peter Pasetti (Gary Cooper). Der Film  ist für neun Oscars nominiert worden, als beste Nebendarstellerin erhielt jedoch nur die Griechin Katina Paxinou im Jahr 1944 die begehrte Auszeichnung.

Weltpremiere am 14.Juli 1947 in New York City, Erstaufführung in Deutschland am 11. Januar 1951 in einer Festvorstellung im Turmpalast in Frankfurt; ein Tag später offizieller Kino-Start.