Sein Engel mit den zwei Pistolen

Illustrierte Filmbühne Nr. 782 (M. F.)  – Spaß muss sein, Spaß sollte auch sein! Muss Mensch dafür Steuer zahlen, dass er lacht und sich auf die Schenkel schlägt vor Freude und sich köstlich amüsiert, wie etwa bei der Western-Parodie Sein Engel mit den zwei Pistolen? Die Frage taucht immer wieder auf, wenn es um die oft heiß umstrittene Vergnügungssteuer geht: – auch am Ende der Vierziger und Anfang der Fünfziger Jahre in der Bundesrepublik ist dies ein immer wieder diskutiertes Thema. 

PistolenAls ob es nicht schon schlimm genug wäre, für einen Kinobesuch diesen eher seltsamen Steuer-Obulus berappen zu müssen, setzt die gerade kurz zuvor gegründete „Spitzenorganisation der Filmwirtschaft“ noch einen drauf und fordert Ende April 1951 – genau zu der Zeit, als ich den Film in der Scala sehe – von den Zuschauern einen zusätzlichen „Filmgroschen”, dessen Erlös dann den Produzenten, den Kinobesitzern und auch den Verleihern zufließen soll. Und dabei knabbert die Filmbranche – trotz einiger herber Verluste bei hektisch und schlecht gemachten Filmen – nicht gerade am Hungertuch, dreht Filme wie am Fließband, zahlt satte Gagen an so genannte Stars und Sternchen, und ist auch bei ihrer Außendarstellung mit viel Prunk und glanzvollen Premieren und bei Filmbällen nicht gerade zurückhaltend. Prachtvolle Kinos schießen derweil wie Pilze aus dem Boden, so dass es irgendwie grotesk erscheint, mit einem Zuschlag dieser angeblich „kränkelnden” Filmbranche wieder auf die Beine zu helfen. Doch das weit verbreitete kapitalistische Motto: „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren”, gilt auch zu dieser Zeit.

Die Filmhandlung von Sein Engel mit den zwei Pistolen ist absurd komisch und eine wunderbare Parodie auf falsche Western- und Indianerromantik, wobei das meist doch vor Heldentum triefende Western-Genre durch den Kakao gezogen wird. Das bewerkstelligen Peter Popper (Bob Hope) – ein ängstlicher Zahnarzt, trotteliger Ehemann und Held wider Willen – sowie die mit reichlich Sexappeal ausgestattete „Geheimagentin” Calamity Jane (Jane Russell). Bei ihren turbulenten Abenteuern schlagen sie sich mit Banditen und anderem lichtscheuen Gesindel herum, bis am Schluss und unter großer Heiterkeit des gut gefüllten Kinos alles seine Ordnung hat, wenn auch für meinen Geschmack Bob Hope etwas zu überkandidelt daherkommt.

Daten zum Film

Sein Engel mit den zwei Pistolen (Illustrierte Filmbühne Nr. 782) mit dem Originaltitel The Paleface ist eine Westernkomödie der Paramount aus dem Jahr 1947. Regisseur Norman Z. McLeod arbeitet mit den Hauptdarstellern Jane Russell (als Calamity Jane) und Bob Hope (als Zahnarzt Peter Potter), Chief Yowlachie (als Häuptling Goldene Feder), Charles Trowbridge (als Gouverneur Johnson). – Jay Livingston und Ray Evans erhalten im Jahr 1949 einen Oscar für den besten Filmsong (Buttons And Bows). Die deutschen Stimmen kommen von Bum Krüger (Bob Hope), Ursula Traun (Jane Russell), Rudolf Reif (Chief Yowlachie), Walter Holten (Charles Trowbridge). – Uraufführung in den USA am Heiligabend 1948, In der Bundesrepublik Deutschland ab 5. Oktober 1950 in den Kinos, in Frankfurt am Main ab 27. April 1951 in der Scala zu sehen.